XVII

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Die Jahre zogen ins Land und veränderten die Landschaft. Wo einst eine Lichtung lag, wuchs nun ein dichter Dschungel. Das Gras reicht ihr mittlerweile bis zur Brust, und kaum ein Sonnenstrahl dringt noch ungebrochen durch das Blätterdach.
Auch Kura selbst blieb vom Lauf der Zeit nicht unberührt. Sie tauschte ihre Jedi-Roben gegen schlichte, selbstgenähte Kleidung. Die alten Gewänder, gemeinsam mit ihren Lichtschwertern, lagen sorgfältig verstaut in der Truhe – bedeckt von einer dicken Staubschicht und der Vergangenheit.
Sie hat gelernt zu jagen, zu kochen, zu überleben – doch das Jagen fiel ihr noch immer besonders schwer. Ihre weiße Haut verrät sie im Wald bei jedem Schritt. Dennoch hat sie überlebt. Mit jedem Jahr wurde sie größer, sehniger, stiller. Die Trauer um den Orden, um ihren Meister, ist schwächer geworden, aber nie verschwunden. Sie ist wie ein Echo, das nie ganz verebbt – leiser, aber stetig.
Um der lähmenden Einsamkeit zu entkommen, begann sie zu trainieren. Jeden Tag. Stundenlang. Sie schlug auf selbstgebaute Strohpuppen ein, ließ die Rinde uralter Bäume splittern, wiederholte Bewegungen, bis ihre Arme zitterten und ihre Beine versagten.
Doch nichts davon konnte die Leere füllen.
Kura ist es leid.
Leid, sich zu verstecken.
Leid, Tag für Tag in dieser Höhle zu erwachen.
Leid, diese verlassene Welt ihr Zuhause nennen zu müssen.

An diesem Morgen ist es besonders schlimm. Sie liegt auf ihrem harten Feldbett und starrt an die steinerne Decke. Ihre Glieder sind schwer, ihr Herz noch schwerer. Erinnerungen dringen in ihr Bewusstsein – Bilder vom Jedi-Tempel, von den sonnendurchfluteten Hallen, den Stimmen ihrer Freunde, dem wohlwollenden Blick ihres Meisters. Dort ist sie frei gewesen. Glücklich. Teil von etwas Größerem.
Aber dann kommt es zurück.
Das Gefühl von Hass. Von Tod.
Das Echo der Vernichtung.
Die Stille nach dem Sturm.
Und mit einem Mal weiß sie: Sie kann so nicht weitermachen. Nicht mehr.
Sie ist niemand der für immer davon lief. Sie kämpft. Das hat sie schon immer getan. MIt wilder Entschlossenheit schwingt sie sich aus dem Bett, kniet sich neben die Truhe und hebt den Deckel. Ihre Finger gleiten über die vertrauten Griffe der Lichtschwerter. Staub wirbelt auf, als sie sie an sich nimmt und an ihrer Hüfte befestigt. Auch einige Credits, die ihr geblieben sind, finden den Weg in ihren alten Rucksack.
Sie packt Proviant ein – hastig. Dann verlässt sie die Höhle. Sie wirft keinen Blick zurück.
Vor ihr steht ihr alter Sternenjäger – verwittert, von Moos bedeckt, doch intakt. Sie beäugt ihn kritisch. Ob er noch fliegt? Sie wirft ihren Rucksack ins Cockpit und klettert hinterher. Der Start ist holprig, die Steuerung stur – aber der Motor erwacht. Mit einem kehligem Grollen hebt der Jäger ab. Kura blickt ein letztes Mal auf die grüne Welt hinab, die so viele Jahre ihr Gefängnis gewesen ist– sie dreht sich weg.
Hinter ihr ist ihre Vergangenheit.
Vor ihr nur Ungewissheit.
Aber in ihrer Brust brennt wieder ein Funke. Nicht nur Erinnerung. Nicht nur Wut.
Hoffnung.
Und Entschlossenheit.

Kura weiß, dass eine Rückkehr nach Coruscant töricht ist. Zu groß ist die Gefahr, zu durchschaubar die Falle. Sie ist kein naives Mädchen mehr, das in Tempelhallen Weisheiten sucht – sie ist eine Überlebende.
Stattdessen entscheidet sie sich für einen anderen Weg. Sie würde Ryloth aufsuchen.
Ihr Heimatplanet, rau und widerspenstig, ist ein Ort, an dem man leicht übersehen kann – besonders in den entlegeneren Regionen. Und gerade dort, fernab des Zentrums imperialer Kontrolle, kann sie herausfinden, was in den vergangenen Jahren aus der Galaxis geworden war. Wer herrscht, wer leidet– und ob irgendwo noch Hoffnung glimmt.
Die Entscheidung ist gefallen. Kura lehnt sich zurück, atmet tief durch und schiebt den Hebel nach vorn.
Die Sterne vor ihr dehnen sich zu langen, blauen Lichtstreifen. Mit einem leisen Grollen verschwindet der Jäger in den Hyperraum.

Nach einer ermüdend langen Reise tritt Kura aus dem Hyperraum – und erblickt Ryloth. Den Planeten, den sie nur aus alten Geschichten und nachgestellten Schlachten kannte. Mit vorsichtiger Hand steuert sie ihren alten Sternenjäger über die Wälder der südlichen Halbkugel. Doch ein ungutes Gefühl beschleicht sie: Der Jäger ist ein Relikt der Jedi-Zeit. Zu auffällig. Zu gefährlich.
Also landet sie auf einer abgelegenen Anhöhe und setzt den Weg zu Fuß fort.
Bald erreicht sie die Brücke, die über eine tiefe Schlucht zur Hauptstadt führt. Beim Überqueren wirft sie einen Blick nach unten – zwischen bemoosten Steinen und verwittertem Metall erkennt sie die rostenden Überreste alter Schlachten: Panzer der Klonarmee und zahllose Wracks zerstörter Droiden. Als sie das Haupttor passiert, sieht sie die ersten schlichten Häuser. Nur wenige Twi'leks sind unterwegs, ein vereinzelter Mensch mischt sich darunter. Die Sonne senkt sich bereits, der Tag neigt sich dem Ende zu – Zeit für Kura, einen Unterschlupf zu finden.
Sie betritt eine Bar – gut gefüllt, lebendig, fremd. Doch dann bleibt ihr Blick an zwei Männern hängen. Clones. Kura macht einen unbedachten Schritt auf sie zu. Ihr Herz schlägt schneller – ein Hoffnungsschimmer flammt auf. Vielleicht war nicht alles verloren.
Doch als einer der Soldaten den Helm abnimmt, erstirbt die Hoffnung. Er sieht nicht aus wie die Clones, die sie kannte. Schwarze Haut, rundliches Gesicht, breite Nase – keine Spur des vertrauten Gesichts von Jango Fett. Kura bleibt wie angewurzelt stehen.
Nicht Clone. Nur Soldaten – in der Rüstung von gestern. Verwirrt und enttäuscht weicht sie zurück und lässt sich an einem Doppeltisch nieder, mit Blick auf die Straße. Eine Bedienung tritt an sie heran – keine Twi'lek. Neugier liegt in ihrem Blick. „Na, liebes, was kann ich dir bringen?" Kura bestellt ein Getränk. Sie beobachtet, wie die Frau in einem weißen Kleid und einer gelben Schürze hinter die Bar verschwindet. Erst dann löst sie den Blick – und sieht zur Tür. Zwei Männer betreten den Raum, vertieft in eine hitzige Diskussion. Doch beim Anblick der Soldaten verstummen sie. Schweigend setzen sie sich an die Bank direkt hinter Kura – aus Mangel an Alternativen.
Die Bedienung kehrt zurück und stellt ihr Getränk mit einem breiten Lächeln ab. Kura bedankt sich leise und nippt an dem pinken Getränk. Es schmeckt süß und künstlich – aber in diesem Moment wie ein Stück Heimat, das sie nie kannte.
Für einen Augenblick vergisst sie alles. Die Flucht. Den Krieg. Den Verrat.
Nur der Geschmack bleibt – und der Hauch einer Illusion.

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