IX

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Ein nervtötendes Piepen, direkt an ihrem Ohr, reißt Kura aus dem Schlaf. Sie fühlt sich alles andere als ausgeruht, als sie schläfrig ihr Komlink aktiviert. Die Anstrengungen des gestrigen Tages stecken ihr noch schwer in den Knochen. "Kura, komm zum Hangar. Du wirst heute deine Flugkünste ausbauen." Die Stimme von Meister Saesee Tiin lässt sie seufzend ausatmen. Ohne große Begeisterung richtet sie sich auf, schwingt sich aus dem Bett und antwortet knapp. "Ich komme, Meister." Mit schweren Schritten verlässt sie ihr Quartier und eilt in Richtung Hangar. Auf dem Weg begegnet sie Zatt, doch für mehr als ein kurzes Winken reich es nicht – der Hangar liegt  auf der anderen Seite des Tempels, weit entfernt von ihrem Schlafbereich. Kura weiß inzwischen, dass man ihren Meister besser nicht warten lässt.  Vor der Tür zum Hangar verlangsamt  sie ihren Schritt, um nicht völlig außer Atem zu wirken. Meister Tiin steht nur wenige Meter entfernt und unterhält sich mit zwei Piloten. Als er sie bemerkt, beendete er das Gespräch und entlässt die Männer mit einem knappen Nicken. 
"Als mein nun offizieller Padawan musst du fliegen können. Beherrsche es lieber besser als dein Lichtschwert."
"Aber ich kann doch fliegen",< protestiert Kura leicht irritiert. >„Ich hatte Flugstunden an der Akademie."
"Ich weiß nicht, wie der Unterricht dort ablief – aber Fliegen ist eine Kunst für sich. Folge mir." Statt zu den abgestellten Schiffen zu gehen, wandte er sich einer Tür auf der gegenüberliegenden Seite zu. "Was ist hinter dieser Tür?" 
"Ein Flugsimulator." 
Kura murrt leise vor sich hin. "Ein echtes Schiff wäre auch zu schön gewesen." Meister Tiin betritt den Raum, der einer Kontrollzentrale gleicht. Durch eine große Scheibe kann man in den angrenzenden Simulationsbereich blicken. "Geh schon mal in den anderen Raum. Wir beginnen sofort." Kura öffnet die Tür und tritt in den Simulation Bereich. In der Mitte steht ein detailgetreuer Nachbau eines Sternenjäger-Cockpits. Ein Stuhl mit Steuerknüppeln und ein gewaltiger Bildschirm davor. Sie klettert hinein und schnallt sich an. Der Bildschirm flackert auf und zeigte ein Landefeld. Der Jäger steht startbereit auf dem Plateau.
"Kura, starte den Jäger", erklingt die Stimme ihres Meisters über das Interkom. Routiniert drückt sie zwei Knöpfe und schiebt den Hebel zum Abheben – zu schnell, wie sich herausstellt. "Langsamer!", herrscht er sie an. Sofort reguliert Kura den Schub, hebt dann ab und manövriert das Schiff in Position. Sie sieht sich kurz zu Meister Tiin um, der mit verschränkten Armen hinter der Scheibe steht. 
"Soweit so gut. Aber du hast vergessen, die Standbeine einzufahren." Peinlich berührt korrigiert Kura den Fehler. Im selben Moment wechselt das Bild – plötzlich befindet sie sich mitten in einer Raumschlacht. Überrumpelt reißt sie das Steuer herum. Der ganze Sitz samt Bildschirm dreht sich mit – und Kura baumelt kopfüber. Schnell bringt sie sich wieder in stabile Lage, doch da ist es bereits zu spät. Der Bildschirm wird rot, ein lautes Piepen ertönt.
"Tot. Noch mal."
Kura knirscht mit den Zähnen, legt die Hände fest ans Steuer. Diesmal ist sie vorbereitet. Sie weicht weicht Zweikämpfen und Kampfgeschwadern geschickt aus, doch schnell wird sie von mehreren Droidenjägern verfolgt.
Jetzt kommt das was sie am besten kann. Tricksen. Mit einem plötzlichen Manöver deaktiviert sie die Triebwerke, lässt die Verfolger vorbeischießen und nimmt sie ins Visier, als sie die Maschinen wieder hochfährt. Sie schießt mehrere Jäger ab, doch der Feind lernt dazu. Die restlichen Droiden teilen sich, fliegen Schleifen – und positionieren sich erneut hinter ihr. Ein Warnlicht blinkt: Die Schilde halten nicht mehr lange. Kura erinnert sich an ein riskantes Manöver, das sie in einer Analyse der Schlacht von Anaxes gesehen hat. Sie steuert auf das gegnerische Kommandoschiff zu, lässt die Jäger dicht aufrücken, zieht in letzter Sekunde nach oben und streift mit der Unterseite ihres Jägers knapp die Brücke. Die Droiden hinter ihr haben keine Chance – sie prallen auf und lösen eine Kettenreaktion von Explosionen aus. Kura dreht ab, um der Explosion zu entgehen. Kura will gerade erleichtert durchatmen, als ein letzter Jäger von der Seite auftauchte und sie abschießt. Der Bildschirm wird wieder rot. Wütend schlägt sie mit beiden Fäusten auf das Armaturenbrett. "Tod - schon wieder.  Selbstüberschätzung ist die gefährlichste Form des Leichtsinns. Du kannst wieder nach vorne kommen." Unzufrieden begibt sich Kura wieder in den vorderen Raum. Meister Tiin erwartet sie, mit dem selben griesgrämigen Gesicht wie immer. "Padawan, für deine erste Flugstunde ist das besser als erwartet. Aber dieses Manöver. Wogher kennst du es?"  
„Ich habe die Schlacht von Anaxes oft analysiert. Die Taktik wurde von Anakin Skywalker ausgeführt. Ich wollte sie immer schon mal ausprobieren."
"Sywalker. Ein außergewöhnlicher Jedi. Aber komm - du wirst erwartet." Kura runzelt die Stirn. 
"Von wem?" 
"Meisterin Shaak Ti, Padawan Petro - und einigen Jünglingen." 
Verwundert hebt sie eine Augenbraue. "Jünglinge? Warum das denn?" 
"Du wirst schon sehen." Wie immer lässt er damit keine weiteren Fragen zu – typisch Meister Tiin. Seufzend folgt sie ihm.

 Schon aus der Ferne erkennt Kura die Gruppe, die sich vor einem kleinen Transporter versammelt hat– Meisterin Shaak Ti, Padawan Petro und mehrere junge Jünglinge. "Padawan, schön, das du da bist. Wir brechen unverzüglich auf." 
"Meister Shaak Ti, wenn ich fragen darf - wohin geht die Reise?"
"Nach Ilum."
Kura wartet auf weitere Erklärungen – vergeblich. Offenbar ist Shaak Ti genauso wortkarg wie ihr eigener Meister. Das kann ja heiter werden. Die Togruta deutet der Gruppe mit einer Geste, das Schiff zu betreten. Kura jedoch zögert einen Moment, dreht sich noch einmal zu Meister Tiin um.
"Padawan, möge die Macht mit dir sein." Mit einem letzten Nicken verabschiedet sich Kura von ihm, bevor sie als Letzte die Laderampe des Schiffs betritt. Kaum ist sie an Bord, kommt Petro ihr schon strahlend entgegen. 
"Kura!"
Sie erwidert sein Lächeln, kann sich jedoch nicht verkneifen, noch einmal zurückzublicken. Durch die sich schließende Rampe sieht sie, wie Meister Tiin ihnen nachsieht, bis das Schiff abhebt. Während das Schiff Kurs auf Ilum nimmt, scherzt Petro mit den Jünglingen. Kura lehnt sich mit verschränkten Armen an die Wand und beobachtet die Szene still. Petro lässt ein kleines Togruta-Mädchen einige Zentimeter in die Luft schweben – offensichtlich mit Hilfe der Macht – und die anderen Jünglinge lachen begeistert.
Ein ruhiger, beinahe idyllischer Moment. Doch Kura spürt ein wachsendes Unbehagen in sich. Jeder hier scheint zu wissen, wohin die Reise geht– und warum. Nur sie ist scheinbar im Dunkeln.


Storm of ShadowGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt