XIV

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Das Schiff nähert sich dem System um Kurat herum. Der Admiral und sie haben beschlossen, dass Kura zusammen mit dem Omega Squad in ein kleines Shuttel steigen, um ungesehen in das Transportschiff zu kommen. Die Pionier hält sich derweil im äußeren Rand des Schiffverkehrs auf.
Kura ist die Letzte, die hinter dem Omega Squad, in das kleine Shuttle steigt. 
Sie stellt sich in den hinteren Bereich. Ihre Arme verschränkt und den Blick auf die vier Mitglieder ihres Sqauds gerichtet. NUur ihre individuell beamlten Rüstungen helfen ihr, die Klone auseinanderzuhalten. 
Gedankenverloren löst sie ihr Lichtschwert vom Gürtel, wiegt es in der Hand und betrachtete die glatte, kalte Oberfläche. Ihr Blick wird leer. Ihre Gedanken schweifen ab – zur Akademie, zu jenen verlorenen Seelen, die niemals die Chance auf eine Zukunft im Orden erhalten haben. Hätten sie hier sitzen können? Ein eigenes Lichtschwert tragen? Kämpfen?
Langsam legt sie die Waffe auf die metallene Ablage neben sich und wendet sich Richtung Cockpit. Ein kurzer Austausch mit dem Piloten, dann tritt sie zurück in den hinteren Bereich des Shuttles – gerade rechtzeitig, um die kleine Szene mit anzusehen. Die vier Soldaten stehen um Fi, der grinsend ihr Lichtschwert in den Händen hält. Er macht langsame, übertriebene Bewegungen in der Luft, wie ein Kind mit einem Holzstock. Die anderen lachen.
Kura lehnt sich wortlos an den Türrahmen, die Arme wieder verschränkt. Ihre Augen funkeln amüsiert – aber nicht nur.
"Pass lieber auf Fi. Sonst trennst du dir noch versehentlich ein Bein ab.", sagt sie kühl. 
Alle drehen sich erschrocken um, treten instinktiv ein paar Schritte zurück. Fi steht plötzlich allein in der Mitte – das Lichtschwert in den Händen, eingefroren. "Es... es tut mir leid, Commander.", stammelt er. "ich wollte nur mal... also.", er verstummt senkt den Blick. Dann streckt er ihr das Lichtschwert mit beiden Händen entgegen. Kura tritt näher. "Weißt du, als ich das erste Mal ein Lichtschwert in der Hand hielt, hat sich ein Junge aus meiner Gruppe die linke Hand abgetrennt." Fi blinzelt irritiert. Kura nimmt seine Hände, positioniert sie fester am Griff. Dann aktiviert sie die Klinge – mit einem charakteristischen Zischen erscheint die leuchtende Schneide. "Er hat nur eine Hand benutzt,", fährt sie fort. "Lektion eins: Am Anfang hält man ein Lichtschwert mit beiden Händen. Immer." 
Sie tritt einen Schritt zurück – ihr Blick ruht prüfend auf ihm. 
"Und Lektion zwei: Ein Lichtschwert macht dich nicht stark. Es ist nur ein Werkzeug. Wenn du den Gegner nicht verstehst, bringt es dir gar nichts." Im nächsten Moment bewegte sie sich. Ein schneller Schritt vor, dann ein leichter Schlag mit der flachen Hand auf Fis Handgelenk. Er zuckte – der Griff lockerte sich. In derselben Bewegung entriss sie ihm das Lichtschwert, deaktivierte es, hängte es sich wieder an den Gürtel. Dann setzt sie sich ruhig auf die Bank, als wäre nichts gewesen. Die fünf Klone starren sie an. Fis Gesicht ist eine Mischung aus Scham, Staunen – und ehrlichem Respekt.
Stille senkt sich über das Shuttle. Die Männer setzen sich, dieses Mal ernst und konzentriert. Kura schließt für einen Moment die Augen

Das Shuttle landet sanft im Inneren des spiralförmigen Frachthafens. Die Klappe zischte auf – Kura tritt als Erste hinaus. Ihre Augen gleiten prüfend über das geschäftige Deck, bis sie den zuständigen Schiffswärter entdeckt: ein alter Protokolldroide mit verblichenem Lack und klackernden Gelenken. Nach kurzem Austausch – und dem Hinweis auf ihren militärischen Rang – gibt der Droide die gewünschten Informationen bereitwillig preis.
"Niner, wir müssen auf Deck 5. Dort ist nur ein einziges fremdes Schiff registriert – das ist es!" Sie macht sich auf den Weg. An der gegenüberliegenden Wand wartet ein alter, schon gut gefüllter Aufzug. Kura wirft einen Blick hinein – kaum Platz. Sie dreht sich zu den Klonen um. "Wir teilen uns auf. Zwei bleiben zurück und nehmen den nächsten" Sie selbst drängt sich mit Darman und Niner zwischen zwei Arbeiter in ölverschmierten Overalls. Ein beißender Geruch aus Schweiß, Schmiermitteln und Metall kriecht ihr in die Nase. Der Aufzug ruckt los. Ein blechernes Piepsen kündigt das fünfte Deck an, und kaum öffnet sich die Türen, tritt Kura mit spürbarer Erleichterung ins Freie.
Niemand folgte ihnen. Das Deck ist fast menschenleer. Eine heruntergekommene Halle mit flackernden Deckenleuchten und abgestellten Transportkisten. Kura entdeckt das kleine Shuttle – und daneben eine Rettungskapsel. Das Shuttel muss sie hier abgeladen haben.
Ihre Finger finden automatisch den Griff ihres Lichtschwerts. Sie zieht es, lässt es aber noch deaktiviert in ihrer Hand ruhen. Langsam geht sie auf die offene Laderampe des fremden Schiffs zu. Ein leises Kling lässt sie innehalten. Metall auf Metall – wie zwei Schrauben, die aneinanderschlagen. Kura fährt herum. Ihr Blick fliegt durch die Lagerhalle – zwischen Containern und ausgedienten Maschinenteilen kann sie nichts erkennen. Doch etwas ist da. Eine Bewegung vielleicht. Ein Atemzug zu viel.
Mit einem knappen Handzeichen bedeutet sie den Klonen, das Schiff zu sichern. Ohne zu zögern rücken Niner und Darman vor.
Kura jedoch geht in die entgegengesetzte Richtung – in die Schatten.
Da ist sie. Die Stimme. Spöttisch, vertraut – und voller Groll.
"Wen haben wir denn da? Schneeeule! Lange nicht gesehen." 
Kura bleibt stehen. Ihre Augen durchbohren die Dunkelheit. 
"Cassandra."
Dann – Bewegung. Ein Rohr löst sich wie aus dem Nichts und schießt auf sie zu. Kura wirft sich seitlich ab, geht in die Hocke, springt – das rostige Metall pfeift unter ihr hindurch und kracht scheppernd gegen die Wand. Sie landet geschmeidig auf einem Knie, stützt sich ab – und aktiviert ihr Lichtschwert. Das blaue Leuchten wirft gespenstische Schatten auf den Boden.
Langsam tritt Cassandra aus der Dunkelheit. Schwarze Stiefel, enge Kleidung, ein schmales Gesicht mit blasser Haut und goldblondem Haar. Tätowierungen in Rankenform ziehen sich über ihre Wangen.
Dann kommt sie.
Schnell, wütend, ungestüm.
Kura pariert den Angriff elegant, lässt sich zur Seite drehen und kontert mit einem Hieb, der knapp Cassandras Kopf verfehlt. Diese duckt sich, springt zurück. 
"Was soll das werden Cassandra?", fragt sie ruhig, "Du weißt, dass du mich nicht besiegen kannst." 
Cassandra faucht und stößt mit ausgestrecktem Arm nach vorne. Kura weicht mühelos aus - ein plumper Angriff. Noch ein Ausweichen greift sie zu, packt Cassandras Handgelenk, reißt sie nach vorn. Die ehemalige Verbündete stolpert, verliert kurz das Gleichgewicht. 
"Wie ich sehe, hast du deine Tollpatschigkeit nicht verloren." 
Cassandra wirbelt herum, wütend, streicht sich die Haare aus dem Gesicht. 
"Und du nicht deine Eitelkeit."
Sie greift wieder an. Der Kampf ist intensiv, doch Kura ist Cassandra . Sie kennt jeden Winkel ihres Stils. Ein gut platzierter Kniestoß in den Magen, ein Tritt – Cassandra wird zurückgeschleudert, keuchend vor Schmerz.
Kura wendet sich bereits ab – doch da spürt sie ihn.
Eine Präsenz. Mächtig. Erdrückend. Alt.
Sie dreht sich langsam um.
Er tritt aus dem Dunkel, das Doppellichtschwert bereits aktiviert, rot glühend, vor sich wirbelnd. Seine Schritte schwer, sein Blick durchdringend. Eine Stimme wie ein Messer durch Stille.
"Kura! Zeit für meine Revanche." 

Storm of ShadowGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt