XXII

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Ein schweres Gefühl hat sich auf Kuras Brust gelegt, kaum dass sie im Gleiter Platz genommen hat. Es ist wie eine unsichtbare Hand, die ihr Herz leicht zusammendrückt. Kein konkreter Gedanke, kein klares Bild – nur ein dumpfer Druck, der sie nicht loslässt.
Die Männer sitzen sich still gegenüber. Kapuzen tief ins Gesicht gezogen, die Hände im Schoß gefaltet, zu still, zu diszipliniert. Etwas an ihnen ist... falsch.
Dann – ohne Vorwarnung – stoppt das Schiff abrupt. Metall kreischt, als die Bremsen greifen. Kura wird nach vorn gerissen, ihre Hand zuckt reflexartig zum Sitz, um sich festzuhalten. Ein dumpfer Aufprall geht durch den Raum, als einer der Männer kurz nach vorne schleudert.
Die Kapuze rutscht ihm vom Kopf. Kuras Blick hebt sich instinktiv – und sie erstarrt.
Braune Augen, markante Gesichtszüge, ein Hauch von jugendlicher Müdigkeit, der sich nie ganz abschütteln lässt. Zerzaustes Haar, das ihm halb über die Stirn hängt.

Ein Klon.

Ein Gesicht, das sich in ihr Gedächtnis gebrannt hat– durch ihre Erinnerungen, durch Katoonis Erzählungen, durch die Geschichten über die große Jagd auf Jedi. Die Gesichter der Männer, die ihre eigene Generation ausgelöscht hat. Kura zieht scharf die Luft ein. Der Mann merkt es. Sein Blick trifft ihren, für einen einzigen Moment, in dem alles still steht. Dann senkt er sofort den Kopf und zeiht die Kapuze wieder über sein Gesicht. Als wäre nichts geschehen, setzt er sich aufrecht zurück. Aber es ist zu spät. Kura starrt ihn immer noch an – wie gelähmt. Neben ihr erhebt sich Katooni langsam, steif, wie von einer fremden Macht gesteuert. Ihre Augen glänzen vor Schock, doch darunter brennt etwas anderes: eine uralte Wunde, die plötzlich wieder aufreißt.
Trauer.
Und dann – Wut.
„Katooni...", beginnt Kura, doch es ist zu spät. Mit einem Aufschrei, der mehr Schmerz als Hass ist, reißt Katooni ihren Säbel von der Hüfte,  und drückt die metallene Griffspitze hart gegen die Kehle des Klons.
„Du!", faucht sie. „Verräter..." Der Mann hebt erschrocken den Kopf, gerade als sie ihm die Kapuze vom Kopf reißt.
Und dann bricht die Hölle los.
Wie ein Reflex springen die drei weitere Männer auf – ebenfalls Klone. Ihre Kapuzen fallen, und für den Bruchteil einer Sekunde ist der Raum erfüllt von identischen Gesichtern, die sich über Jahre in unterschiedlichen Leben geformt haben– mit Narben, Bartstoppeln, kleinen Unterschieden. Und doch: sie alle tragen dasselbe Erbe.
Blaster klicken.
Drei Waffen richten sich auf Katooni.
Kura steht langsam auf. Ihre Hände sind leer, aber ihr Geist ist wachsam. Die Situation ist Sekunden vom Kollaps entfernt.
Als sie sich bewegt, drehen sich zwei der Blaster zu ihr. Ein weiteres Geräusch, ein weiterer Muskelzuck – und jemand würde sterben. Kura hebt beide Hände leicht. Ihre Stimme bleibt ruhig, aber fest.
„Genug."
Katooni atmet schwer, ihre Hand zittern am Säbelgriff. Die Trauer ist zurück, doch sie kämpft mit ihr. Ihre Augen kleben am Gesicht des Mannes vor ihr – nicht mehr mit Wut, sondern mit dieser schmerzhaften Mischung aus Hoffnung und Hass.
"Katonni, bitte. Es reicht!" Die Worte hallen in dem engen Raum wider – scharf, durchdringend, klar. Katooni zuckt zusammen und dreht sich abrupt zu ihr um. Tränen laufen ihr über das Gesicht, ihre Augen wirken leer, erschöpft, fast... zerbrochen. "Kura... sie haben Byph getötet." Der Name trifft Kura wie ein Stich. Ihr Blick wird weich, verständnisvoll – und zugleich durchzuckt sie eine dunkle Erkenntnis. Wie ein Echo, das durch die Macht dringt, spürt sie einen Moment reiner Wahrheit: Katooni hat nicht übertrieben. Sie hat ihn sterben sehen.
Ein Klon spricht– seine Stimme tief und vorsichtig. 
"Sie ist ein Jedi." Kura wendet sich zu ihm. Ihr Blick ist wachsam, aber ruhig. „Dann ist es vielleicht an der Zeit, dass wir alle unsere Waffen senken. Niemand muss hier sterben."
„Stimme ich zu. Jungs – runter mit den Dingern. Und du... Piratin? Jedi? Oder was auch immer du bist – geh von Edge runter."
Die neue Stimme gehört dem älteren Mann, der nun ganz in den Raum tritt. Zögernd weicht Katooni zurück. Ihre Schultern bleiben angespannt, ihr Blick klebt an dem Klon, den sie bedroht hat. Kura tritt langsam in die Mitte des Raumes. Sie nickt dem Mann zu.
"Wie heißt ihr?" Er zögert kaum. "Skirata."
Kura nickt knapp. „Dann erklär mir bitte, warum deine Freundin beinahe einen meiner Männer getötet hätte." Kura atmet langsam ein. Sie wirft Katooni einen kurzen Blick zu, die nun am Fenster steht, die Arme verschränkt, das Gesicht hart. „Weil sie glaubt, einer von euch hätte jemanden ermordet, der ihr wichtig war."
Skirata verzieht keine Miene. „Und ihr? Glaubt ihr das auch?" Kura sieht ihn ernst an. „Ich weiß, dass diese Männer und ihre Brüder viele Jedi getötet haben. Was ich nicht weiß, ist warum." Ein Klon meldet sich zu Wort. Die Stimme rau, aber klar. Er sieht so aus, als sei er kein Tag gealtert.
„Weil wir keine Wahl hatten." Katooni wirbelt herum.
„Keine Wahl?! Ihr habt uns verraten! Ihr habt unsere Freunde abgeschlachtet!" Ein anderer Klon tritt vor, sichtlich aufgebracht. „Und was waren wir für euch, hä? Werkzeuge? Kanonenfutter? Kaum ein Jedi hat uns je als Menschen behandelt!" 
Katooni will wieder nach vorne stürmen, doch Kura stellt sich ihr in den Weg. 
„Stopp." Ihre Stimme ist ruhig, aber bestimmt. Sie legt Katooni eine Hand auf die Schulter. „Ich verstehe euren Zorn," sagte sie dann an die Klone gewandt. „Ihr wurdet für einen Krieg geschaffen, den ihr nie wolltet. Und die Jedi haben euch nicht gut behandelt. Das ist die Wahrheit." 
Sie sieht in die Augen des jungen Klons. „Aber ich frage euch – warum? Warum habt ihr uns verraten?" Skirata seufzt. Ein müder Klang. „Sie hatten keine Wahl, Jedi." 
„Was meint ihr?" 
„Einen Kontrollchip. Implantiert, noch vor ihrer Geburt. Aktiviert durch Order 66. Er hat ihren freien Willen blockiert. Der Befehl kam, und sie gehorchten – ob sie wollten oder nicht." 
Katooni starrt ihn an. 
„Ein... Chip?" 
Der Klon, den sie angegriffen hat, hebt langsam den Blick. 
„Ich hab nur Fetzen in Erinnerung. Schreie. Gesichter. Ich konnte nichts tun." Stille.
Kura schluckt. Dann nickt sie langsam. „Dann war es nicht euer Wille." 
„Nein." Skirata spricht leise. „Aber der Schmerz, den sie hinterlassen haben, ist trotzdem echt." Katoonis Schultern sinken. Ihre Hand gleitet an ihre Seite. Der Zorn weicht – nur für einen Moment – der Trauer. „Byph ist trotzdem tot..." flüstert sie.
Kura tritt einen Schritt auf sie zu. „Ich weiß. Und das ändert nichts an dem, was du fühlst. Aber wenn sie unter Kontrolle standen, dann haben wir es hier nicht mit Tätern zu tun... sondern mit Überlebenden. Genau wie wir." Kura spürt durch die Macht, dass Skirata die Wahrheit sagt. Es ist keine List, keine Täuschung – nur tiefer Ernst und die Spuren einer alten Schuld. Und sie weiß, dass auch Katooni es fühlt. Sie schlägt sich plötzlich die Hände vor den Mund. Doch der erstickte, herzzereißende Schluchzer entkommt ihr trotzdem – laut genug, um jedem im Raum einen Stich zu versetzen. Kura tritt leise zu ihr. Ohne ein Wort legt sie ihr eine Hand auf den Rücken, fährt beruhigend mit den Fingern über das zitternde Gewebe ihres Gewands. „Es ist vorbei... für jetzt.", flüstert sie. Komm. Du brauchst einen Moment für dich." Langsam führt sie Katooni ins Cockpit. Erst als sie sicher ist, dass die Tür hinter ihr verschlossen ist, atmete sie tief durch und wendet sich wieder den Männern zu. „Warum wurdet ihr überhaupt verfolgt?" Skirata hebt den Blick. „Wir haben versucht, einen unserer Brüder rauszuholen. Es lief schief." Kura nickt verstehend. „Wie heißt er?"

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