Die Suche geht weiter
Die Nacht verlief ohne merkwürdige Träume. Kurz bevor der Wecker sich melden sollte wurde Anisha wach und stand auf. Sie machte sich direkt fertig, versorgte Purzel und machte sich unverzüglich wieder auf den Weg zur Galerie. Die Tore öffneten sich und die Besucher gingen wieder hinein. Es war herrlich sonniges Wetter, so dass es diesmal nicht sonderlich viele Menschen waren, die den wunderbaren Tag in irgendwelchen Hallen verbringen wollten. Anisha steuerte erneut direkt die dunkle Halle an und positionierte sich vor dem Gemälde. Sie überlegte kurz – hatte sich das Bild schon wieder verändert? Sie schaute sich die Lichtung an. Ja, tatsächlich. Es waren zwar nach wie vor Steinformationen dort zu sehen, aber die Steine waren erheblich kleiner. Es waren nicht die gleichen Steine, bei denen Sie ihren Ausflug am Vortag gestartet hatte. Sie schaute sich die Umgebung näher an, war aber nicht sicher, ob ihr irgendetwas bekannt vorkam. Sie trat näher an das Gemälde heran und stand bereits unmittelbar davor. Sie ging einen Schritt rechts zur Seite, um einen anderen Blickwinkel zu erhalten. Sie konnte eine dunkle Stelle hinter den Steinen erahnen, konnte jedoch nicht erkennen, was es war.
Sie trat einen weiteren Schritt zur Seite, aber dennoch schien ihr der dunkle Schatten hinter den Steinen verborgen zu bleiben. Irgendetwas war dort – nur was?
Ein leises Geräusch drang zu ihr durch. Sie lauschte, aber dennoch konnte sie das nicht einsortieren. Der Geruch von Moos machte sich wieder bemerkbar. Er war viel intensiver als sonst. Es roch nach frischem, saftigem Moos der nach einem warmen Regen den ganzen intensiven Duft freisetzte. Hatte es etwa geregnet? Beim Blick auf den Boden bemerkte Anisha, dass sie bereits unmerklich wieder ins Gemälde gelangt war. Der Waldboden war trocken. Wenn es geregnet hatte, dann war es zumindest so lange her, dass es zwischenzeitlich wieder getrocknet war.
Sie ging langsam voran und hatte die Lichtung mit der neuen Steinformation fest im Blick. Das Geräusch wurde lauter. Zwischendurch kontrollierte sie ihre Markierungen, aber bis zur Lichtung waren die Markierungen nach wie vor vorhanden. Irgendwie schien diese Lichtung ein magischer Punkt zu sein. Sie erreichte die Lichtung und schaute auf die Steine. Sie waren wirklich erheblich kleiner. Das Geräusch erinnerte sie an das fließende Gewässer. Sie ließ ihren Blick schweifen und suchte nach dem dunklen Schatten, den sie zuvor erahnt hatte. Tatsächlich, da war eine dunkle Stelle zu sehen. Einige Steine weiter und sie müsste wieder einen Fluss erreicht haben und die dunkle Stelle, die sie gesehen hatte war ein Baumstamm. Für sie sah der Baumstamm genau so aus, wie der Stamm den sie am Tag zuvor überquert hatte, um die Hängebrücke zu erreichen. Sie näherte sich diesem Stamm und schaute nach ihrer Markierung.
Nicht zu fassen. Das Gemälde war ihr entgegengekommen. Es handelte sich wirklich um diesen Stamm, den sie markiert hatte. Den langen Weg, den sie zurücklegen musste, um die Hängebrücke zu erreichen, blieb ihr erspart. Sie konnte also den Baumstamm überqueren und konnte ihre Reise direkt an der Hängebrücke starten. Anisha war einerseits total begeistert, aber andererseits auch ein wenig nervös. Sie war sich auch gar nicht sicher, ob sie bei ihren vielen Markierungen überhaupt immer den richtigen und kürzesten Rückweg einschlagen würde. Auch wenn sie keine Angst hatte und ihre Neugier unendlich groß war, hatte sie doch ein unwohles Gefühl bei dem Gedanken tatsächlich mal eine Nacht hier in diesem Wald verbringen zu müssen. Nicht weil sie Angst vor Wälder im Dunkeln hatte, sondern weil dieser Wald, dieses Gemälde, einfach zu viele Geheimnisse in sich trug. Anisha hatte noch nicht herausgefunden, wann der Wald sich veränderte und warum er sich veränderte. Möglicherweise befand sie sich in großer Gefahr und würde sie nicht erkennen. Anisha war leider viel zu abenteuerlustig, um überhaupt etwas von Angst zuzulassen.
Sie überquerte den Fluss und steuerte unmittelbar die Hängebrücke an. An diesem Tag war es nicht ganz so nebelig wie am Vortag. Sie erkannte direkt die andere Seite, die ja auch nicht so weit weg war. Ein Blick in die Schlucht offenbarte ihr aber nach wie vor nicht, wie tief es abwärts gehen würde.
DU LIEST GERADE
Wo ist Emma?
AventuraEigentlich wollte Anisha sich in einer Bildergalerie nur ein bisschen Geld dazu verdienen, um sich ihren Traumurlaub auf die Kokos-Inseln finanzieren zu können. Als sie diesen Nebenjob annahm ahnte sie nicht wie sehr diese Entscheidung ihr Leben ver...
