chapter four ✔

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Mittwoch, 31.10

Kurz nachdem wir in Manchester angekommen waren, war ich im Prinzip schon wieder abgehauen.

Die Autofahrt war die reinste Hölle!
Zu aller erst einmal die Tatsache, dass wir um 5 Uhr morgens losgefahren sind, damit wir noch was vom Tag haben, machte die gesamte Situation schon mal grundsätzlich angespannt...

Meine Familie bestand aus zwei Parteien: meiner Mutter und meiner Schwester gegen meinen Vater und mich. Es war immer so!

Wir waren absolute Morgenmenschen. Also wirklich jetzt! Im Gegensatz zu Madame und Madame vor und neben mir... Man sollte es nicht wagen sie vor 10 Uhr morgens auch nur anzugucken! Das ist schon lebensmüde.

So und zu dieser Sache kam unsere Grundsituation der langen Autofahrt. Nicht einfach, wirklich nicht einfach!

Ich hatte absolut kein Problem mit langen Autofahrten, aber nachdem meine Mutter und meine Schwester sich nach gerade einmal einer Stunde Fahrt so sehr gestritten hatten, dass mein Vater und ich uns erstmal nicht mehr getraut hatten, irgendetwas zu sagen, verging die Fahrt qualvoll langsam.

Die Stimmung war unglaublich angespannt und, weil ich meinen Vater nicht völlig allein lassen wollte, hielt ich mich zurück, mir einfach meine Kopfhörer in die Ohren zu stecken und abzuschalten.

Ich entschied mich Brad anzuschreiben, aber wartete vergeblich auf eine Antwort. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und hörte mit voller Lautstärke Musik. Falsche Entscheidung...

Meine sowieso immer noch rasende Mutter hatte, nachdem sie scheinbar bereits stundenlang mit mir geredet hatte, ohne, dass ich es auch nur ansatzweise mitbekommen hatte, einen weiteren Tobsuchtanfall bekommen und nun war ich das Opfer — aber ich war stur.

Die Diskussion führte natürlich zu nichts... Naja, nur dazu, dass ich nicht mehr mit ihr geredet habe, die gesamte Restfahrt!

Hier angekommen habe ich meine Sachen in das Zimmer meiner Cousine Lilly gebracht, weil wir bei ihr, ihren Geschwistern und meiner Tante die Tage verbringen würden.

Das The Vamps Poster an ihrer Wand war mir noch nie zuvor aufgefallen. Das konnte lustig werden, wenn ich ihr von der Sache mit Brad erzählte, oh man...

Geistesgegenwärtig öffnete ich schnell meinen Koffer und schnappte mir noch mein Songbuch. Außer Lilly hatte ich niemanden gesehen und war direkt wieder los, um frische Luft zu schnappen. Ich hüpfte die Treppen herunter und wurde von einer kühlen Briese begrüßt, als ich die Tür öffnete.

Der Tag war eigentlich ziemlich schön. Die laue Herbstluft tat unglaublich gut und die Sonne — ja, Sonne — hinterließ einen Hauch von Wärme auf meinem Gesicht.

Ich schlenderte die Straßen entlang und genoss jeden Moment hier in meiner alten Heimat.

Auch wenn ich viel schlechtes mit diesem Ort verbunden hatte, hatte mein Unterbewusstsein sich für all die guten Erinnerungen entschieden...

Der Ärger der Autofahrt verschwand langsam und ich entspannte mich allmählich wieder. Es war schön, mal wieder die Seele baumeln zu lassen. Ich machte das ja eigentlich oft genug in letzter Zeit, aber hier war es wieder ein vollkommen anderes Gefühl.

Wie automatisch war ich zum Park gelaufen. Ob hier oder in London, ich liebte es einfach draußen zu sein und es war wirklich schön dort. Der Kies knirschte unter meinen Boots und ich wollte zu einer Bank am anderen Ende des Parks laufen.

Dort angekommen ließ ich mich nieder und schnappte mir so gleich das kleine Buch. Ich begann einen Blätterhaufen zu zeichnen und entschied mich kurzer Hand dafür mich auf's Gras zu legen — das war definitiv eine bessere Perspektive.

Stolen MomentsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt