Und nun sitze ich hier bei diesem kleinen Jungen und warte darauf dass er seine Augen öffnet. Ich betrachte sein Gesicht. Der Kleine sieht irgendwie süss aus. Sein Gesicht ist nun völlig entspannt. Seine Stirn nicht mehr in Falten gelegt sondern glatt. Seine Augenbrauen nicht verzogen sondern wohl geformt. Ein leichter Bogen über seinen Augen. Er hat lange dunkle Wimpern. Seine Nase ist klein und sein Mund auch. Er hat ein rundes Gesicht ohne dabei dick zu sein. Im Gegenteil. Er sieht aus als habe er in letzter Zeit zu wenig gegessen. Er ist rappeldürr. Jetzt hat er ein Hemd an aber vorhin habe ich seine Rippen zählen können und seine Wirbelsäule und seine Hüftknochen stehen ungesund hervor. Ich frage mich ob das andere Rudel weiss dass ihr Kaninchen in Wirklichkeit ein Gestaltwandler ist. Zu fünft ein Kaninchen jagen ist zu ungewöhnlich aber einen Gestaltwandler zu reissen ist verboten! Wenn der Kleine wach ist muss ich unbedingt zu Ghrian und ihr berichten was ich weiss. Doch der Kleine wacht nicht auf. Er scheint aus seiner Narkose zu erwachen und direkt in den Schlaf gegangen zu sein. Er ist nun keineswegs mehr entspannt. Er weint und wehrt sich im Schlaf. Ich versuche ihn so gut ich kann zu trösten. Doch meine Berührungen scheinen ihn nicht sonderlich zu beruhigen. Erst als ich mich zu ihm ins Bett lege weil mir inzwischen doch recht kalt ist klammert er sich mit einem Seufzen an mich und krallt sich fest. Ich lasse es zu weil ich mir erhoffe dass der kleine Kerl dann schneller heilt. Ein guter Schlaf kann Heilen helfen.
Ich muss irgendwie eingeschlafen sein. Jedenfalls werde ich wach weil der Kleine neben mir vor Angst wimmert. Er krallt sich so derbe an mich dass es echt weh tut. Ich öffne meine Augen und schaue in sein panisches Gesicht. Er schaut irgendjemanden hinter mir an. Ich drehe mich um und sehe in das Gesicht eines fremden Wolfes. Der schaut erschrocken zu mir und zum Glück kommt nun Jira mit Ghrian rein. Jira schreit entsetzt und Ghrian packt sich den fremden und verdreht ihm schmerzhaft die Knochen. Der kleine schaut mich jetzt mit schreckenstarren Augen an und er schlägt sich die Hand vor den Mund. Tränen rinnen ihm über die Wangen und ich hebe eine Hand um sie ihm weg zu wischen. Er tut mir so leid! Ich wüsste gerne weswegen er weint. Und mit der Bewegung merke ich was los ist. Ein Schmerz durchzuckt meinen Körper und ich merke dass ich kaum noch Luft bekomme. Meine Lunge füllt sich rasant mit Blut. Mit meinem Blut. Ich weiss dass ich nun besser nicht mehr sprechen sollte und mich auch sonst besser nicht mehr bewege. Ich weiss ja dass Jira schon hier bei mir ist. Er wird mir bestimmt gleich helfen. Ich schaue noch einmal zu meinem panischen Kaninchen und streichle seine hübsche Wange. Weil ich nicht mehr reden kann lächle ich ihm zu damit er sich ein wenig entspannt. Jira ist bei mir und er legt seine Hände auf. Er murmelt beruhigende Worte und ich lasse meine Hand sinken. Ich sehe zu dass ich die hand des Kaninchens nehme um sie zu drücken. Es wird alles gut will ich ihm damit sagen.
Als ich wieder erwache halte ich immer noch die Hand des kleinen Jungen. Er ist inzwischen nicht mehr ganz so panisch. Im Gegenteil. Er schaut gebannt in mein Gesicht und er lächelt als ich die Augen öffne. "Er ist wach!" freut sich der Knabe und ich höre das erste mal seine Stimme. Er hat eine ganz leise, zarte und angenehme Stimme. Jira beugt sich über mich und grinst mir zu. "Na, auch wieder wach?" sagt er fröhlich. Ich grinse ihm zu und sage: "Ich fühle mich wie neu geboren. Was hast du getan?" Jira lacht und sagt dass er ein Messer aus meiner Lunge gezogen habe. Dass ich mich jetzt so gut fühle würde ich der Tatsache verdanken dass ich vorhin nicht panisch reagiert hätte sondern völlig entspannt liegen geblieben sei. Ich grinse Jira an und sage: "Ich wusste doch dass du schon da bist. Weswegen sollte ich da in Panik verfallen?" Jira lacht auch und gibt mir einen Knuff gegen meinen Arm. Dann schaut er den Kleinen an und sagt: "Und wie fühlst du dich, Krolik? Sind die Schmerzen besser?" Der angesprochene nickt. Krolik heisst er also. Es ist ein schöner Name und er passt zu ihm. Der Klang von Krolik erinnert mich an Geschwindigkeit und Haken schlagen. Ich schaue Krolik an und grinse ihm zu. Meine Hand liegt noch in seiner und ich entziehe sie ihm nicht. "Danke dass du auf mich aufgepasst hast." sage ich ernst. Krolik wird knallrot und Jira lacht. Krolik ist dir selbst auf den OP Tisch gefolgt. Er hat sich so heftig an dich geklammert. Sag, wo hast du ihn kennen gelernt?" Ich schaue Jira an und erzähle ihm dass ich ihn sozusagen an der Grenze gefunden habe. "Die Nachbarwölfe haben im Rudel gejagt. Ein Kaninchen. Kurz hinter der Grenze ist er mir praktisch durch meine Beine geflohen, da war er schon verwundet. Ich bin seiner Spur gefolgt weil ein verletztes Kaninchen in der Wildnis keine Überlebenschance hat. Ich wollte es dir mitbringen damit du es versorgen kannst. Du kannst dir meine Verwunderung nicht vorstellen als ich am Fundort einen verletzten Jungen gesehen habe." Dann drehe ich mich zu Krolik und frage ihn: "Warum haben dich die Wölfe denn gejagt?" Krolik hat wieder Tränen in den Augen. "Ich bin geflohen." flüstert er. Ich streiche ihm die Tränen weg und frage: "Warum weinst du?" Und Krolik schluchzt: "Du hättest mich auch als Kaninchen gerettet?" "Klar, warum nicht? Ich war satt und Jira mag es Leute zu heilen, auch wenn die Leute kleine niedliche Kaninchen sind." Nun schaut mich Krolik mit seinen riesigen Augen erstaunt an. Keine Träne fliesst mehr. Jira seufzt lächelnd und streichelt mir meinen Rücken. Ich wundere mich. Was hab ich denn gesagt? Und dann als ich mir meinen eigenen Satz noch einmal durch den Kopf gehen lasse werde ich puterrot. Oh, weia! Niedliches Kaninchen. Wie schwul klingt das denn? Ich tue so als wäre es mir nicht peinlich und grinse Krolik weiter lieb an. Und dann geschieht etwas wunderbares. Krolik schaut mir in die Augen und ich sehe in seinen Augen dass er mir vertraut. Er hat gar keine Angst mehr vor mir. Und sein Mund verzieht er zu einem Lächeln dass mir die Luft weg bleibt und ich das Gefühl habe die Sonne würde nur für mich in ihren hellsten und schönsten Farben für mich leuchten. Einen kleinen Augenblick bleibt die Zeit für mich stehen und die Ewigkeit ist über mich gekommen. Ich wünschte dass dieses Lächeln nie wieder Kroliks Gesicht verlässt. Die Sekunde dauert Ewig und ist dann doch viel zu schnell vorbei.
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Beta
WerewolfDas Beta Dasein hat schon Vorteile. Also wenn man gerne den ganzen Tag tut was der Alpha von einem will und wenn man gerne seinen Willen gegen den Widerstand des Dorfes umsetzt. Wenn man das Leben zwischen den Fronten mag dann ist Beta sein genau d...
