20

204 9 1
                                        

Wir schleichen erst einmal um das Haus herum. Es erinnert mich an eine Art Gefängnis. Die Fenster sind alle vergittert und so wie es aussieht sind die Gitter richtig gut verankert. Selbst Drogo und ich gemeinsam bekommen die nicht aus der Wand gerissen. Wir überlegen wie wir unbemerkt in das Haus gelangen sollen aber die Haustür und auch die oberen Fenster sind alle richtig gut gesichert. Das Haus gleicht einer Festung. "Wir kommen da nicht so ohne weiteres rein." sagt Drogo. "Und wenn dann kommen wir wahrscheinlich auch nicht mehr heraus." sage ich. Ich hab mich nun doch gewandelt weil wir gemeinsam nach einer Lösung suchen. Vor Drogo im Adamskostüm herumzuspringen ist mir sehr unangenehm und er gibt mir seine Jacke so dass ich die um meine Mitte wickeln kann. Wir wollen unbedingt in dieses Haus. Da wir nicht hereinschleichen können probieren wir es indem wir an der Tür läuten. Doch es scheint niemand da zu sein. Zumindest keiner der uns die Türe öffnen würde. Im Haus können wir mehrere verängstigte Stimmen hören. Wir wittern auch die Bewohner. Es ist ein Pottpouri aus Angst vor dem was hier draussen umherschleicht, Furcht vor dem was ihnen passieren könnte und Panik vor dem was ihnen bereits zugestossen ist. Viele der Kreaturen wünschen sich dass wir in das Haus gelangen und sie einfach umbrächten. Sie haben einfach keine Kraft merh weiterzuleben, ihre Existenz ist ein einziger Alptraum. So schrecklich dass selbst die Aussicht von einem Werwolf gerissen oder einem Vampir gebissen zu werden als Erlösung erscheint. Wieder andere klammern sich an die Hoffnung uns entkommen zu können sollten wir einen Weg in das Innere des Hauses gefunden haben. Doch keine der Kreaturen ist in der Lage die Haustür zu öffnen und der eigentliche Hausherr bequemt sich nicht uns auf zu machen. "Wir sollten Mel um Hilfe bitten." schlägt Drogo schliesslich vor als wir einsehen müssen dass wir heute nicht mehr in das Haus gelangen.
Enttäuscht gehen wir zu Drogo heim. Er wohnt mit Sebastian und Lorie zusammen in einer alten Villa in der auch Peter und Mel, sowie Nicolae und Sarah leben. Wir warten geduldig auf Mel die bald nach Hause kommen müsste. Sie kann sich ja in fast jede Gestalt wandeln und sie wird bestimmt einen Weg in das Haus finden. So lange wir warten versuche ich die Gedankenverbindung zu Ghrian herzustellen. Es ist verdammt schwierig auf diese Entfernung. "Ein Handy wäre einfacher!" grinst Drogo und ich kräusle meine Nase und mache einen blöden Ton in seine Richtung. "Weil ich es als Wolf ja auch so super in meine Hosentasche packen kann!" ätze ich ihn an. Drogo lacht und meine achselzuckend: "Du könntest es dir um den Hals hängen." Ich schaue ihn möglichst hochmütig an und dann bekomme ich die Verbindung hin. Ich berichte Ghrian was wir herausgefunden haben und dann sage ich dass wir Mels Hilfe in Anspruch nehmen wollen um in das Haus einzudringen. Ghrian gibt ihr Okay nicht ohne mich zu warnen dass wir bitte vorsichtig sein sollen. Sie grüsst mich ganz lieb von Krolik und ich merke wie mir mein Herz schwer wird weil er nicht bei mir ist. Ich hasse es von meinem Mate getrennt zu sein. Ich lasse ihn grüssen und sage Ghrian wie sehr ich ihn vermisse. Ghrian tröstet mich: "Ich weiss, Baby! Ich erkenne dein Herz. Ich bin in deinem Kopf." Ich seufze. Als Beta habe ich keine Geheimnisse vor meiner Alpha. Es ist schon gemein dass sie mich so komplett ausfüllt während ich nur ihre Gedanken wahr nehme wenn sie sie auch an mich richten will. Sie kann in meinem Kopf sein auch wenn sie gerade mit Jira schläft und ich bekomme das nicht mit. Doch wenn ich nur an die Zweisamkeit mit Krolik denke dann weiss sie schon alles über mich. Zum Glück ist meine Alpha sehr tolerant. Ich glaube nicht dass nur ein einziger anderer Alpha auf dieser Welt gerne einen Beta hätte der sich von einem Kaninchen rammeln lässt. Wenn ich ihn besteigen würde hätte bestimmt auch Sebastian nix gegen uns. Aber so herum? Da wird wohl auch seine Toleranz an ihre Grenze stossen.
Ghrian bricht die Gedankenverbindung nicht ab. Sie sagt dass Krolik ein schlechtes Gefühl habe und dass wir bitte schnellstmöglich Mel finden sollen um dann wieder zu dem Haus zu gehen. Drogo flitzt zur Uni. Er kennt sich dort aus und er holt Mel und Peter aus einem Seminar. Zum Glück kommen die beiden mit uns und helfen uns. Sie stellen kaum Fragen sondern lassen sich genau erklären weswegen wir in diese komische Festung eindringen wollen. Als wir vor dem Haus ankommen wandelt sich Mel in eine Fliege. Sie schwirrt um das Haus herum und dann landet sie wieder vor uns. "Keine Chance. Das Haus ist extrem gut gesichert." sagt sie enttäuscht. Ich will gerade verzweifeln da schlägt Peter vor: "Werd doch zum Schlüssel für das Schloss!" und Mel grinst ihn an. Sie wird zum Schlüssel und Peter steckt sie ins Schloss und öffnet die Tür. Kaum ist sie offen wandelt sich Mel wieder in ihre menschliche Gestalt. Im Haus ist es finster aber sowohl Vampire als auch ich als Werwolf können in der Dunkelheit sehen. Was mit Mel ist weiss ich nicht, aber sie kann sich ja in einen Vampir verwandeln, falls sie nichts erkennen kann. Im Erdgeschoss finden wir niemanden. Die Geräusche und Gerüche kommen aus dem Keller. Wir gehen also nach unten und was wir dort sehen ist grauenhaft. Es ist tatsächlich ein Labor. In dem Labor sind zahlreiche Käfige und in den Käfigen sitzen Kinder oder Tierkinder. Hauptsächlich Füchse, Hunde, Katzen, Waschbären oder Frettchen. In fast jedem Tier stecken Kabel. Derjenige dem dieses Labor gehört wird wohl seine Experimente an den Kindern machen. Wir hören die Haustüre und wissen dass der Besitzer dieses Hauses wohl gerade flieht. Peter und Mel setzten ihm nach. Ghrian ist live bei unserem Fund dabei. Ich merke wie ihr fast schlecht wird bei dem Anblick der gequälten Kreaturen. Ein kleiner Fuchs hat keinen einzigen Zahn mehr im Mund. Doch in seinem Käfig liegen wie um ihn zu verhönen ausschliesslich Knochen. Er verhungert gerade vor seinem Fressen. Ein kleiner Hundewelpe sieht aus als habe man ihn mit Säure übergossen. Er ist vollkommen nackt und vernarbt und seine Augen sind aus den Hölen geätzt. Einem Waschbären fehlt der Unterkiefer, einem anderen die Nase. Fast alle Tiere sind merh oder weniger verstümmelt. Ein kleiner Junge kauert in einem Käfig und er wippt mit seinem Oberkörper hin und her als sei er in Trance. Der Anblick ist grauenhaft. Drogo befreit als erstes den kleinen Jungen und als er ihn anfasst bekommt er einen heftigen Stromschlag. Der Kleine ist an einen Stromkreislauf angeschlossen und er muss höllische Schmerzen ertragen. Ich höre in meinem Kopf wie Ghrian panisch nach Jira ruft. Sie fragt ihn was wir nun tun sollen. Jira erklärt uns ganz genau wie wir den Jungen befreien können ohne dass er Gefahr läuft dass sein Herz aufhört zu schlagen. Wir befolgen Jiras Anweisungen und dann haben wir den kleinen Buben befreit. Er schaut uns aus leeren Augen an und kann sich nicht mehr auf seinen Beinen halten. Er fällt einfach um. Drogo fängt ihn auf und legt ihn auf den Boden. Dann machen wir uns daran auch die anderen Kinder und Welpen zu befreien. Als wir gerade den letzten Käfig geöffnet haben kommen Sebastian, Nicolae, Sarah und Mel zu uns. Sie berichten dass Peter noch dem Hausbesitzer verfolgt. Mel hat aber die anderen um Hilfe gebeten und die sind nun mit einem Pick up da. Wir legen die Kinder und Welpen ganz vorsichtig und in Decken gehüllt auf die Ladefläche. Wir werden sie zu Jira bringen. Ich bete dass wir alle Kinder retten können. Als alle eingeladen sind muss ich erst einmal in die Büsche vor dem Haus kotzen. Drogo hält mich fest und ich beeile mich meinen Mageninhalt los zu werden. Ich setzte mich mit Drogo auf die Ladefläche und halte die kleinen während der Fahrt fest. Ich bete zu Luna dass sie alle durch kommen.

BetaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt