Kapitel 8 - Rache ist Bettstatt

509 26 14
                                    

Loki stand am Bug des Luftschiffes, das uns nach Gladsheim brachte und schien nachzudenken. Es würde ein kurzer Flug werden, darum drosselte ich die Geschwindigkeit, stellte auf automatische Steuerung und kam neben ihn. »Was ist nach der Teleportation geschehen?«

Als sich die Geschwindigkeit verringerte wusste ich sofort, dass Thor kommen würde. Für einen kleinen Augenblick schloss ich die Augen und genoss den Fahrtwind in meinem Haar. Ich biss mir auf dieUnterlippe. Wollte ich darüber reden? Sollte ich darüber reden? Thanos war kein Thema, das mir sonderlich behagte. Da ich auf seine Frage nicht sofort antwortete, legte er mir seinen Arm um die Schultern.

»Rede frei heraus. Niemand ist auf dem Schiff, der dich hören kann – außer mir.«

Ich öffnete die Augen und sah ihn an. Tief durch atmend nickte ich und lenkte meinen Blick wieder in die Ferne. »Der Sprung endete in einer Höhle. Fast wähnte ich mich im Eisenwald aber... ich war lange nicht mehr dort und die Höhle ähnelte auch...«

Ich verstummte, schluckte, biss die Zähne zusammen und suchte die aufkommende Unruhe zurückzudrängen. Thors Hand drückte aufmunternd meine linke Schulter. »Den Höhlen auf Chitauri Prime.«

Thors Hand rutschte von meiner Schulter. Er wandte sich zu mir und starrte mich an. Mein Blick blieb weiterhin starr geradeaus und ich fügte schnell hinzu: »Es war dunkel. Scheinbar kamen wir nachts an. Mein erstes Ansinnen lag darin, den Sterblichen kampfunfähig zu machen. Ich erinnere an einen erschrockenen Ausruf, als wir materialisierten. Scheinbar vermutete der Bewohner der Höhle den Halunken in mir, da ich den Schwertkämpfer niederstreckte und schlug seinerseits mich bewusstlos.« Ich langte mir an die Nasenwurzel.

»Doch wäre dieser Fremde dem Schwertkämpfe wohlgesonnen, hätte er ihm nicht das Gedächtnis gelöscht. Und wäre es Thanos gewesen, hätte er dich dann unbeschadet gehen lassen?« Eine heftig aufkommende Welle der Wut überflutete mich. Immer wieder war es Thanos, der Loki quälte. In seinen Träumen, in Erinnerungen in der Vorstellung, er könnte ihn eines Tages finden. Am Anfang stand er gar zwischen Lokis und meinen Zärtlichkeiten. »Ich sollte ihn endlich aus deinem Leben löschen. Endgültig.«

Erschrocken langte ich nach Thors Oberarm. »Nein Thor! Wo auch immer sich Thanos verborgen hält – er soll dort bleiben. Gehe keine Gefährdung ein, in dem du ihn wissentlich suchst.«

Ich tastete nach Lokis Hand. Kurz griffen unsere Finger ineinander, bevor sich unsere Hände wieder lösten. »Beruhige dich. Ich bleibe bei dir. Möchtest du weiter berichten?«

»Nur wenn du mir versprichst keine Suche nach Thanos zu veranstalten – Versprich es mir!«

Versprechen zu geben behagte mir nicht, so atmete ich scharf ein, nickte dann aber zustimmend. »Ich verspreche es.«

»Als ich zu mir kam, versuchte jemand in meine Gedanken einzudringen. Einen Lidschlag dachte ich, es wäre Thanos. Doch er geht viel subtiler vor, als derjenige, der es an mir versuchte. Ich schaffte es, ihn aus mir zu stoßen. Es gibt nicht viele, die das Talent haben, sich in einen anderen Geist zu drängen. Ich bin gewillt zu glauben, dass wir uns im Eisenwald befanden.«

Unsere Anlegestelle kam in Sicht. Ich fasste an Lokis Nacken und legte meine Stirn an seine. »Niemand kommt zwischen mich und meine Familie.«

***

Vater starrte misstrauisch auf das Schwert in meiner Hand. »Nichts ist so gut gesichert wie die Waffenkammer Asgards.«

»Undd ennoch wurde ich mit Dauðigren angegriffen.« Vater stieg von seinem Thron herab und streckte die Hand nach dem Schwert aus. Für einen Moment schloss er sein Auge. Als er es wieder öffnete erkannte ich Unglauben darin.

Prinzenrolle 3 (Thorki)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt