Gespaltene Lager

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Nachdem Funkenstern offenbart hatte, dass Terra für den Tod von Schattensterns Mutter verantwortlich war, hatte das vorläufige WindClan-Lager sich in zwei Teile aufgespalten. In die Katzen, die die ehemalige Clanlose jetzt hassten und in jene, die ihr ihre Tat verziehen hatten oder Funkensterns Behauptung einfach als Lüge abtaten.

Die gefleckte Kätzin selbst hatte sich vollkommen von den anderen abgeschottet. Sie hatte es nur den drei Wölfen zu verdanken, dass sie ohne größere Verletzungen davongekommen war. Aqua blieb immer an ihrer Seite und jagte sogar für sie.

Mutter, wo bleibst du nur?, dachte Sprenkeljunges, während sie lustlos ihre Maus hin und her schob. Es waren schon vier Tage vergangen und immer noch war Schattenstern nicht zurückgekehrt. Wird sie etwa gefangen gehalten? Warum tut Luchsohr nichts?

Ihre grünen Augen wanderten über die Katzen um sich herum, bis sie den gelbbraunen Kater entdeckte. Er hatte sich neben Tannennadel niedergelassen und versuchte, leise mit ihr zu sprechen. Doch seine Gefährtin ignorierte ihn gekonnt. Nach nur wenigen Herzschlägen stand sie auf und trottete schweren Schrittes zu Funkensterns Gruppe hinüber.

»Und wieder einer weniger«, murmelte Nebeljunges neben ihr. Der dunkelgraue, fast schwarze Kater wirkte noch niedergeschlagener als sie. Es hatte ihn schwer getroffen, dass sein bester Freund Funkenpfote sich gegen Terra gestellt hatte.

»Ja«, antwortete Sprenkeljunges. Ein Blick genügte ihr, um zu wissen, dass Funkensterns Gruppe jetzt um einiges stärker war. Um ihn hatten sich fast alle erwachsenen Krieger versammelt: Efeubein, Spritzklang, Vogelschweif und jetzt auch noch Tannennadel. Nur Luchsohr, Aqua und Wirbelwasser glaubten noch an Terras Unschuld. Wobei letztere immer noch mit ihren Verletzungen zu kämpfen hatte.

»Der WindClan ist entzweit«, ertönte auf einmal die Stimme von Weises Reh. Die beiden Geschwister drehten sich zu ihr um. »Das kann so nicht weiter gehen. Wenn Luchsohr seiner Gefährtin folgt, hat praktisch der ganze WindClan sich gegen Terra verbündet.«

»Du musst mit ihm reden!«, drängte Sprenkeljunges. Voller Sorge beobachtete sie, wie der Stellvertreter unruhig von einer Pfote auf die andere trat. Er könnte jederzeit überlaufen!

»Ich?« Die junge Kätzin schien überrascht zu sein. »Warum ich? Er wird nicht auf mich hören! Ich bin viel zu jung und unerfahren!«

»Mutter hat gesagt, dass du jetzt unsere Heilerin bist«, miaute Nebeljunges.

»Ja, das stimmt. Ich heile Wirbelwassers Wunden und versorge Keets Verletzung von den Feuerstöcken der Zweibeiner.« Ihr Blick flackerte hinüber zu Funkensterns Gruppe. »Ich mache mir nur Sorgen um Funkenpfote. Seine Schramme könnte sich entzünden. Weiser Falke hat mir gesagt, dass das gefährlich ist.«

»Aber das Heilersein bedeutet nicht nur das!« Sprenkeljunges wurde leicht nervös. Luchsohr schien kurz davor zu sein, zu Tannennadel zu rennen.

»Ich habe auch noch Träume vom SternenClan, wo...«

»Das meine ich nicht!«, unterbrach die gesprenkelte Kätzin Weises Reh. »Du bist dafür da, Streitigkeiten unter den Clan-Gefährten zu lösen, wenn der Anführer damit nicht klarkommt! Schattenstern, und auch Luchsohr, müssen sich anhören, was du zu sagen hast, wenn es um das Wohlergehen des Clans geht!«

Die Heilerin riss erschrocken die Augen auf. »Ich kann doch nicht zum ganzen WindClan sprechen!«

»Es reicht, wenn du nur mit Luchsohr redest«, beruhigte Sprenkeljunges sie. »Und zwar jetzt sofort!«

Etwas zu grob stieß sie Weises Reh in die richtige Richtung. Die rotbraune Kätzin mit dem schwarzen Fleck auf der Brust stotterte einige Widersprüche, die Sprenkeljunges aber gar nicht mehr hörte. Der WindClan darf nicht auseinanderfallen! Das ist Schattensterns Lebenswerk! Alles ist hierauf hinausgelaufen! Wir haben so viele Gefahren überstanden! Es kann jetzt doch nicht einfach vorbei sein!

»Los, ruf ihn!«, forderte sie die Heilerin auf.

»Er wird doch sowieso nicht auf mich hören...«

»Luchsohr! Weises Reh möchte mit dir sprechen!« Verwundert schaute Sprenkeljunges zu Nebeljunges. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass ihr Bruder ihnen gefolgt war. Als sie ihn fragend ansah, zuckte er nur mit den Schultern und deutete auf Luchsohr, der sich zu ihnen umgedreht hatte. In seinen gelben Augen stand ein unsagbarer Schmerz geschrieben.

»Was gibt es?« Seine Stimme war unglaublich traurig.

»Ich... Also...«, stotterte Weises Reh. Plötzlich stellten sich ihre Ohren auf. Ihre grünen Augen fixierten einen Punkt hinter Schattensterns Stellvertreter. Sprenkeljunges folgte ihrem Blick. Da ist nichts! Die junge Kätzin schien auf einmal zu wachsen. Sie strahlte eine unheimliche Selbstsicherheit aus, die vorher gar nicht vorhanden war.

»Der WindClan muss zusammenhalten!«

Alle drei Katzen sprangen erschrocken zurück. Das war nicht die Stimme von Weises Reh! Sie hörte sich viel älter und klüger an. Als würde eine uralte Katze zu ihnen sprechen und nicht die rotbraune Heilerin.

Mit einem Schlag schrumpfte Weises Reh wieder zusammen. Sie schwankte kurz und kippte dann um. Etwas Staub wurde aufgewirbelt, als ihr Körper auf dem Boden aufschlug.

»Nein!« Sprenkeljunges befürchtete schon das Schlimmste und stürzte zu ihr. »Weises Reh? Weises Reh!«

Endlich rührte die junge Kätzin sich. Ihre grünen Augen öffneten sich. »Was ist passiert?«

»Du hast gesagt, dass der WindClan zusammenhalten muss«, miaute Luchsohr mit belegter Stimme. Der gelbbraune Kater wirkte verunsichert.

»Wirklich? Ich kann mich nicht daran erin...« Die Heilerin stockte mitten im Satz und fixierte wieder einen Punkt hinter Luchsohr. »...nern.«

»Was ist da? Was siehst du?«, fragte Sprenkeljunges. Ihr Pelz kribbelte vor Aufregung.

»Eine... Eine Katze.« Langsam kam Weises Reh wieder auf die Pfoten ohne dabei die unsichtbare Gestalt aus den Augen zu lassen. »Sie winkt uns zu.«

»Was will sie?«, erkundigte sich nun Nebeljunges. Er sah die Heilerin fasziniert an.

»Ich weiß nicht.« Die rotbraune Kätzin legte den Kopf schief. »Sie bewegt ihren Mund, aber ich kann sie nicht hören.«

»Der WindClan muss zusammenhalten«, murmelte Luchsohr auf einmal. Mit einem Ruck setzte er sich in Bewegung. Geradewegs auf Funkensterns Gruppe zu.

»Was macht er da?«, rief Nebeljunges entsetzt. »Ich dachte, er würde auf Weises Reh hören!«

Je näher der gelbbraune Kater den anderen Katzen kam, desto mehr von ihnen sahen auf. Efeubein hatte das Nackenfell angriffslustig gesträubt. Spritzklang neben ihm wirkte nicht weniger bedrohlich, obwohl sie sonst immer so nett und feinfühlig gewesen war. Vor zwei Tagen erst hatte sie sich auf Bitte ihres Gefährten hin Funkensterns Gruppe angeschlossen.

»Das tut er auch«, miaute Sprenkeljunges und rang sich ein Schnurren ab, obwohl ihr ganzer Pelz vor Anspannung gesträubt war. »Er versucht, mit Funkenstern zu reden.«

Aus dem Augenwinkel bemerkte die gesprenkelte Kätzin, wie Weises Reh einige Schritte zurück trat. In ihrem Gesicht spiegelte ein Gefühl wieder, das sie nicht einordnen konnte. Sie wirkte stolz, verzweifelt und schockiert zugleich.

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Lied zum Kapitel: Audiomachine - Remember Not To Forget

Warrior Cats - Schwarze SonneGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt