Wolfsmond wusste nicht, was sie tun sollte. Die Krallen von Bär und der Zornigen waren überall. Zwar wich sie ihren Schlägen aus, doch irgendwie schafften die feindlichen Krieger es doch, sie zu treffen. Sie spürte, dass sie aus mehreren Wunden blutete, durfte aber nicht aufgeben. Nicht jetzt! Es ging um ihr Leben!
Sie hassen mich, dachte sie. Das machte sie noch wütender. Sie hassen mich, weil ich nicht zu ihnen gehöre. Weil ich anders bin. Weil der Große Stern mich ausgewählt hat und keinen von ihnen.
Von irgendwo her drang ein lautes Kreischen an ihr Ohr. Sie hatte keine Zeit, um sich nach dieser Katze umzudrehen. Das wäre ihr Ende. Und mit einem Mal war Luchsohr an ihrer Seite. Er verpasste der Zornigen einen so heftigen Schlag mit der Pfote, dass sie gegen ihren Gefährten taumelte und mit ihm zu Boden ging.
Wolfsmond schaute den gelbbraunen Kater an ihrer Seite überrascht an. »Danke«, keuchte sie. Sie musste schrecklich aussehen, doch Luchsohr schien das nicht zu kümmern. Er drängte sie weg von dem aggressiven WirbelClan-Pärchen, das allmählich wieder auf die Pfoten kam.
»Ich muss den WindClan aus diesem Chaos herausführen«, miaute Luchsohr ihr zu. »Ich weiß zwar nicht, warum sie uns plötzlich angegriffen haben, aber es sind einfach zu viele! Und sie können kämpfen! Obwohl der Große Stern doch behauptet hat, dass er das verboten hat...«
»Du gehst?«, fragte Wolfsmond und versuchte, ihre Traurigkeit zu verbergen. Ihr Herz wurde zu einem winzigen Klumpen zusammengedrückt. »Und was ist mit mir?«
»Es... Es tut mir leid«, stotterte der gelbbraune Kater und wich ihrem Blick aus. Er war so nah... Sie konnte sehen, dass seine sonst spitzen Ohren nun zerfetzt waren. Wahrscheinlich vom Kampf gegen Funkenstern.
»Was tut dir leid?« Sie wagte es nicht, ihn wütend anzuschreien. »Wirst du mich hier zurücklassen? Nur, weil ich angeblich die neue Anführerin des WirbelClans bin? Ich habe das nur gemacht, um einen Frieden zu ermöglichen. Und ich habe versagt! Die WirbelClan-Katzen hassen mich! Hast du das nicht gesehen?«
»Nicht alle hassen dich«, sagte er leicht verzweifelt. »Einige kämpfen auch für uns. Tatze zum Beispiel, die Kätzin mit den drei Beinen. Und Nacht.«
»Zu wenige«, grummelte Wolfsmond. Sie versuchte, Luchsohrs Blick einzufangen, doch es gelang ihr nicht. Also beobachtete sie den Kampf, der hinter ihm tobte. Und stutzte. Da waren zwei Katzen, die immer wieder aus dem Grasmeer schossen, einen Feind attackierten, und erneut zwischen den Halmen verschwanden. Wer ist das?
»Ich weiß nicht, ob ich dich jemals geliebt habe, wie du mich, Wolfsmond«, miaute Luchsohr auf einmal. »Aber du bist mir teuer geworden. Du hast ein gutes Herz. Lass mich gehen.«
Wolfsmond glaubte, in ein unendlich tiefes, schwarzes Loch zu fallen. Ich liebe dich, du Mäusehirn!, wollte sie ihm am liebsten ins Gesicht schreien. Ich weiß, dass ich mir keine Hoffnungen machen sollte, aber ich liebe dich trotzdem! Früher, beim ErdClan, hatte ihre Mutter ihr erzählt, dass eine Legende besagt, ErdClan-Katzen würden sich nur einmal verlieben und danach nie wieder. Ich wünschte, die Legende wäre eine Lüge...
»Rette den WindClan«, brachte sie nur heraus und sah ihm nach, wie er sich durch das Getümmel kämpfte und laut »Rückzug! Rückzug!« schrie. Wolfsmond konnte sich nicht rühren. Ihre Pfoten waren am matschigen Boden festgewachsen. Wie im Traum sah sie, dass der Großteil der WindClan-Katzen sich freikämpfte und ihrem Zweiten Anführer folgte. Die drei Wölfe ebenfalls. Nur am Rande fragte sie sich, wo Schattenstern hin war und warum es auf einmal so wenige Katzen waren...
»Der Große Stern!«, jaulte jemand.
Alle drehten sich in Wolfsmonds Richtung. Was glotzt ihr so, dachte sie bei sich, doch dann fühlte sie die Wärme einer anderen Katze neben sich. Sie brauchte den Kopf nicht zu drehen, um zu wissen, dass der Große Stern an ihrer Seite stand. Wie immer in Begleitung seines Wächters Knurrkralle.
»Der Große Stern verlangt zu wissen, was hier passiert ist und warum gekämpft wurde statt den WindClan nach einer Erklärung für das Geschehene zu fragen«, erhob Knurrkralle nun auch die Stimme über das WirbelClan-Lager.
»Soll Wolfsmond doch antworten!«, knurrte die Zornige und sträubte ihr Fell. »Sie ist angeblich unsere Anführerin, obwohl sie nicht mal zu uns, den Verbündeten, gehört! Ich bin mir sicher, dass sie weiß, wer der Mörder ist, es aber verheimlicht! Vielleicht ist sie es sogar selbst!«
»Ich frage mich, warum der Große Stern gar nicht über den Tod seines Sohnes zu trauern scheint!«, fügte der Rote hinzu und fletschte die Zähne. »Vielleicht arbeitet der Große Stern mit dem WindClan zusammen und hat Adlerschwinge absichtlich umbringen lassen!«
»Warum hätte der Große Stern das tun sollen?«, wandte eine schlammbedeckte Kätzin aus dem DonnerClan ein.
»Um seinen zweiten Sohn, Schwarzpfote, zu seinem Nachfolger zu machen!«, fauchte der Rote und deutete auf den schwarzen WirbelClan-Kater, dessen grüne Augen wild funkelten. »Jeder weiß, dass der Große Stern Habichtmond nicht mag. Warum sollte der Große Stern also wollen, dass eines ihrer Jungen sein Nachfolger wird?«
»Ist das wahr, Vater?«, wollte Schwarzpfote nun wissen. Er war auf die Pfoten gesprungen und starrte den Großen Stern fassungslos an. »Hast du dieses Chaos nur veranstaltet, um Adlerschwinge loszuwerden? Liebst du mich mehr als ihn?«
Doch der Große Stern antwortete nicht.
»Sag was!«, fuhr Schwarzpfote den Anführer an. »Irgendwas! Du schuldest uns eine Erklärung!«
Doch der Große Stern schwieg.
»Es sind Katzen gestorben! Deine Katzen! Und du hast den WindClan trotzdem geduldet und ihm erlaubt, weiter in unserem Lager zu bleiben! Wie erklärst du das?«, fauchte Rose und peitschte wütend mit dem Schweif.
Endlich regte der Große Stern sich und flüsterte Knurrkralle etwas zu, woraufhin dieser erschrocken nach Luft schnappte. Fassungslos beobachtete Wolfsmond, wie der schwarz-weiße Anführer sich umdrehte und zwischen den Halmen verschwand. Stille legte sich über die Lichtung, die voller verwirrter WirbelClan-, DonnerClan-, BlitzClan- und SturmClan-Katzen war.
»Was hat der Große Stern gesagt?«, brach ein riesiger BlitzClan-Kater mit schlammbedecktem Fell das Schweigen.
Knurrkralle trat nervös von einer Pfote auf die andere. Sein Blick huschte hin und her als würde er nach einer Fluchtmöglichkeit suchen, die es jedoch nicht gab. Genervt drehte Wolfsmond sich zu ihm um.
»Was hat er gesagt?«, zischte sie ihn an.
Knurrkralle hatte die gelben Augen vor Angst weit aufgerissen. »Ich kann nicht, ich kann nicht...«, jammerte er.
»Rück raus mit der Sprache!«
Wolfsmonds ausgefahrene Krallen zeigten ihre Wirkung. Der Wächter machte einen Satz zurück und wandte sich zitternd an die wartenden Katzen: »Der Große Stern tritt zurück. Sein Sohn Schwarzpfote ist nun der neue Große Stern.«
Wolfsmond traute ihren Ohren nicht. Und sie verstand vieles gleichzeitig:
Sie hatte auf einen Schlag alles verloren.
Sie hatte niemanden mehr, der sie vor dem Hass und der Wut der WirbelClan-Katzen beschützen konnte.
Und sie musste fliehen, bevor der neue Große Stern auf die Idee kam, nun ihr alle Morde anzuhängen.
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Ich freue mich schon voll darauf, die nächsten Kapitel zu schreiben O.o Haltet euch fest und habt ein Taschentuch bzw. etwas, das ihr kaputtmachen könnt, parat O.o
Der Zeichenwettbewerb ist jetzt erstmal geschlossen. Danke an alle, die mitgemacht haben! Eure Bilder sind alle so schön geworden :) Es wird voll schwer sein, die irgendwie zu bewerten O.o Ich werde euch nochmal Bescheid sagen, sobald ich die Ergebnisse habe :)
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Warrior Cats - Schwarze Sonne
ФанфикшнACHTUNG! Ihr müsst erst »Warrior Cats - Finstere Wolken« und »Warrior Cats - Dunkle Sterne« gelesen haben, bevor ihr hiermit anfangt! Endlich hat der WindClan unter Schattensterns Führung den Zweibeinerort hinter sich gelassen und die Überbleibsel d...
