Verschwiegene Geheimnisse

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Als Sprenkelpfote die Augen öffnete, war es unglaublich dunkel. Erst dachte sie, es wäre Nacht, doch selbst dann hätte es wenigstens das Licht der Sterne und des Mondes geben müssen. Sie versuchte, irgendwas zu erkennen, doch vergebens. Unsicher trat sie einen Schritt vor, bereit, jeden Moment ins Leere zu stürzen. Aber ihre Pfoten ertasteten festen Boden. Gras.

»Hallo?«, rief sie in die Finsternis hinein, bekam aber keine Antwort. Wo bin ich hier bloß gelandet? Dann fiel ihr alles wieder ein. Der Angriff, der Kampf, Wirbelwasser. Was war mit ihr geschehen? Und der Mörder. Sprenkelpfote erschrak. Ich weiß jetzt, wer es ist. Aber... Ich kann es niemandem sagen. Ich bin...

»Du bist tot«, ertönte eine Stimme aus der Dunkelheit.

Sprenkelpfote erstarrte.

»Keine Sorge, ich werde dir nichts tun.«

»Wer bist du?«, fragte sie und versuchte, wenigstens einen Umriss der Katze auszumachen, die sie angesprochen hatte. Vergebens.

»Wer ich bin?« Es war eindeutig ein Kater, der da sprach. Seine Stimme erinnerte sie an jemanden. Etwas an der Tonlage kam ihr vertraut vor. »Ich bin deine Antwort.«

»Meine Antwort auf was?«

Plötzlich wurde es etwas heller. Sprenkelpfote konnte nicht erkennen, wo das Licht herkam. Es war einfach da. Aus der Dunkelheit vor ihr schälte sich eine muskulöse Gestalt. Das Fell war so leuchtend rot wie ihr eigenes – nur ohne Sprenkel. Und die Augen... Das rechte war von einer grässlichen Narbe entstellt, die sich bis zur Brust hinunter zog. Allmählich dämmerte es ihr.

»Du bist mein Vater«, hauchte sie.

»Ja.« Der rote Kater stand auf und ging langsam auf sie zu. Sprenkelpfote wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte. Sie kannte ja nicht mal seinen Namen! Aber als er sich zu ihr hinunter beugte und ihr zärtlich die Schnauze auf die Stirn legte, konnte sie nicht anders, als ihren Kopf in seinem Fell zu vergraben.

»Ich habe gehört, dass deine Mutter dir nie von mir erzählt hat«, miaute ihr Vater. »Das bricht mir das Herz. Ich kann mir vorstellen, wie hart das für dich und deine Brüder gewesen sein muss. Ich selbst habe meine Eltern nie gekannt. Sie sind, kurz nachdem ich geboren worden bin, gestorben.«

»Du hast immer über uns gewacht?«, fragte Sprenkelpfote.

»Immer.«

»Aber warum hat Mutter uns nie was von dir erzählt?«

Das schien ihn zu kränken. Er trat ein paar Schritte zurück und sah sie so traurig an, dass sie es bereute, überhaupt gefragt zu haben. Schließlich seufzte er: »Ich habe in meinem Leben einige Fehler begangen. Sie sind unverzeihlich. Aber auch deine Mutter hat nicht immer recht.« Er zögerte und sagte nach einer Weile: »Hat sie dir je erzählt, wie ich gestorben bin?«

Sprenkelpfote schüttelte den Kopf.

»Sie hat mich ermordet.«

Die kleine Kätzin schnappte erschrocken nach Luft. »Unmöglich!«

»Warum sollte ich dich anlügen? Du bist meine Tochter.«

Warum sollte er mich anlügen? Aber warum sollte Mutter mir all das verschweigen? Warum hat sie uns nie etwas über Vater erzählt?

»Ich weiß, ich hätte früher zu dir kommen sollen«, unterbrach ihr Vater ihren Gedankengang. »Das kommt alles so plötzlich...« Auf einmal riss er sein einziges, gelbes Auge weit auf und fixierte etwas hinter ihr.

Sprenkelpfote fuhr herum, konnte jedoch nichts entdecken. Als sie sich wieder umdrehte, war ihr Vater verschwunden. »Warte! Wo bist du hin?« Verzweifelt rannte sie hin und her, unschlüssig, wohin sie sich überhaupt wenden sollte. »Sag mir wenigstens, wie du heißt!«

Warrior Cats - Schwarze SonneGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt