»Ich habe eine Überraschung für dich.«
Sprenkelpfote schaute Flammenzorn verwundert an. »Eine Überraschung?«
Ihr Vater nickte. Sein leuchtend roter Pelz war neben ihrem eigenen Fell das einzige Helle in diesem dunklen Wald, in dem sie sich in ihren Träumen trafen. Die Bäume erschienen ihr aber jedes Mal freundlicher und sie verspürte nicht mehr die Angst und Verunsicherung, die sie beim ersten Besuch noch hatte. Nun drehte Flammenzorn sich zu den Schatten unter den Bäumen um und rief: »Komm heraus!«
Sprenkelpfote folgte dem Blick ihres Vaters und riss erstaunt die Augen auf. Ihr Herz hämmerte wie verrückt und sie sprang vor Aufregung auf die Pfoten. Die Gestalt eines schwarzen Katers mit blauen Augen tauchte zwischen den düsteren Baumstämmen auf. Sein Fell sah um einiges gepflegter aus als letztes Mal. Er strahlte eine fast schon unheimliche Selbstsicherheit aus und als er sich neben Flammenzorn stellte, war er fast auf gleicher Höhe mit ihm.
»Dunkel... junges!« Es fühlte sich falsch an, diesen stattlichen Kater bei einem Jungennamen zu nennen, aber Sprenkelpfote wusste nicht, was angebrachter gewesen wäre. Ihr Bruder musterte sie mit seinen blauen Augen. Sein Blick war seltsam kalt.
»Ich heiße jetzt Dunkelherz«, erwiderte ihr Bruder.
»Du... Du hast schon deinen Kriegernamen! Das ist ja... wunderbar!«, stotterte sie leicht verunsichert.
»Du etwa noch nicht?« Dunkelherz wirkte erstaunt und schaute fragend zu Flammenzorn.
»Ich kann ihr leider noch keinen Kriegernamen geben«, sagte der leuchtend rote Kater. »Sie hat dem WindClan Loyalität geschworen. Es ist die Aufgabe ihrer Mutter, ihr einen Kriegernamen zu geben.«
»Aber sie hat ihn sich doch schon lange verdient!«, brauste Dunkelherz auf. »Sie hat den Mörder entlarvt und so das Leben vieler Katzen gerettet! Wo war unsere Mutter, als sie das getan hat? Bestimmt hat sie sich mit ihren eigenen Sachen beschäftigt. Es fehlt ihr an Entschlossenheit!«
»Mutter war schon entschlossen«, wandte Sprenkelpfote vorsichtig ein. Sie hatte ihren Bruder nicht so... anders in Erinnerung. »Sie wollte Frieden, aber all ihre Ideen haben nicht geklappt.«
»Sie will Frieden, mag die Nachfahren des DonnerClans aber auch nicht so richtig, oder?«, fragte Dunkelherz mit zusammengekniffenen Augen. »Sie hat dich doch angeschrien, als du ihr erzählt hast, dass du mit Fliegenpfote unterwegs warst. Und du traust dich nicht, sie zu fragen, ob du dich dem WirbelClan anschließen kannst, weil du fürchtest, sie würde sowieso ›Nein‹ sagen.«
»Das... stimmt«, gab sie zu und senkte den Kopf.
»Ich habe deinem Bruder alles über dich erzählt«, miaute Flammenzorn und erklärte so gleichzeitig, woher Dunkelherz all diese Sachen wusste. »Ihr habt euch schon lange nicht gesehen. Sicher habt ihr euch Vieles zu erzählen. Ich ziehe mich mal zurück.« Er strich Sprenkelpfote zum Abschied mit dem Schweif über den Rücken und verschwand zwischen den Bäumen. Für einen kurzen Moment glaubte die Schülerin, dort die Gestalt einer weiteren Katze zu sehen, war sich aber nicht sicher.
»Und?« Dunkelherz setzte sich ihr gegenüber hin und schaute sie erwartungsvoll an.
»Was ›Und?‹?«, fragte Sprenkelpfote und kam sich blöd vor. Das selbstbewusste Auftreten ihres Bruders verunsicherte sie enorm. Hat Vater ihn so erzogen oder doch eher Funkenstern? Wohin hat er sich überhaupt zurückgezogen?
Auf einmal wurde Dunkelherz' Gesichtsausdruck weicher und er schnurrte. »Wie geht es dir? Was kann ich denn sonst fragen, du Mäusehirn?«
Sprenkelpfote verkniff sich ein erleichtertes Aufatmen. Das ist mein Bruder wie ich ihn in Erinnerung habe.»Ganz gut. Und dir?«
»Auch gut.« Er verstummte kurz und miaute dann: »Funkenstern und ich haben einen Ort gefunden, wo es mehr oder weniger geschützt ist. Er hat mir das Jagen und Kämpfen beigebracht. Er ist ein guter Mentor. Und Vater natürlich auch.«
Das Fell der Kätzin prickelte vor Neugier. »Wo ist dieser Ort?«
»Am Rand des Zweibeinerorts«, antwortete Dunkelherz und schien den Schock seiner Schwester nicht zu bemerken. »Der Stamm der tanzenden Knochen wird ja jetzt von der Schlitzschwester angeführt, aber sie ist nicht so brutal und gnadenlos wie Blut und Splitter. Sie hat uns erlaubt, dort zu bleiben, wenn wir einen Anteil unserer Beute an ihre Stammeskatzen abgeben. Bisher hat es gut geklappt.«
»Wenn du zum WindClan zurückkommen würdest, müsstest du gar keine Beute abgeben«, versuchte Sprenkelpfote ihren Bruder zur Rückkehr zu bewegen. Ich vermisse ihn so sehr!
»Ist Schattenstern immer noch die Anführerin? Ist Terra immer noch eine WindClan-Kriegerin?«, fragte er mit ungewöhnlich harter Stimme.
»Ja, aber...«
»Dann komme ich nicht zurück.« Er schaute ihr direkt in die Augen. »Unsere Mutter ist nicht so gütig wie sie zu sein scheint. Sie hat mich, ihren eigenen Sohn, verbannt, obwohl ich nur das getan habe, was ich für richtig hielt: Ich habe versucht, Funkenstern dabei zu helfen, den WindClan zu übernehmen. Er wäre ein viel besserer Anführer. Und Terra, Terra hat unsere Großmutter kaltblütig umgebracht! Sag nicht, du hast das einfach so hingenommen! Sie hat es doch sogar zugegeben!«
»Ich verstehe, dass du enttäuscht bist«, erwiderte Sprenkelpfote. »Aber jeder kann sich verbessern! Schattenstern kann sich verbessern! Terra hat bereits bereut, was sie getan hat und ist mit der unrechtmäßigen Verbannung schon genug bestraft worden!«
»So siehst du das vielleicht«, entgegnete Dunkelherz kühl. Er stand mit einer solchen Plötzlichkeit auf, dass die gesprenkelte Kätzin zusammenzuckte. Langsam fing er an, in Kreisen um sie herum zu schleichen. Schließlich setzte er sich neben sie und flüsterte ihr ins Ohr: »Du bist meine Schwester und wirst sie auch immer bleiben. Deswegen sage ich dir eins: Wenn du deinen Clan retten möchtest, musst du dem Ruf der Kätzin folgen, die nach Funkenlichts Kriegerzeremonie im Lager aufgetaucht ist.«
Sprenkelpfote stellte aufmerksam die Ohren auf. »Du weißt, wer sie ist? Sie kam mir so bekannt vor...«
»Ich weiß nicht nur, wer sie ist. Ich bin ihr auch schon begegnet. Und ihren Freunden. Und besonders ihrer Mutter.« Dunkelherz erhob sich wieder auf die Pfoten und stupste sie zum Abschied mit der Nase an. »Folge einfach ihrem Ruf. Dann wird alles gut werden.«
»Und die Nachfahren des DonnerClans?«, rief sie ihm hinterher, während er schon in Richtung der dunklen Bäume davon trabte. »Wir müssen doch die Verbündeten davon überzeugen, auch nach dem Gesetz der Krieger zu leben!«
»Vertrau mir einfach. Ich bin doch dein Bruder!« Bei diesen Worten verschmolz sein schwarzer Pelz mit der Dunkelheit.
***
»Hast du deinen Auftrag ausgeführt, Dunkelherz?«
»Ja, Vater. Sie sollte nun dem Ruf der Kätzin folgen.«
»Hoffentlich reicht das, um deiner Mutter das Ende zu bereiten.«
»Du bist dir sicher, dass die Schlitzschwester noch weiß, wie man einer Katze alle neun Leben gleichzeitig nimmt?«
»So etwas vergisst man nicht, Dunkelherz. Aschenhaar hat gute Arbeit geleistet, als er die Schlitzschwestern zu seinen Verbündeten auserkoren hat. Eine Schande, dass er seinen Rachedurst nicht vollständig kontrollieren konnte. Sonst wäre aus ihm ein ausgezeichneter Krieger der Finsternis geworden.«
»Dafür hast du ja mich, Vater.«
»Du bist jetzt schon der beste Krieger, den ich kenne. Um einiges besser als Aschenhaar. Ich bin mir sicher, dass du deine Rache an Schattenstern und Terra bekommen wirst. Du musst nur mit Bedacht handeln. Deine Schwester ist sich noch nicht sicher, ob sie uns wirklich vertrauen kann. Sie ist hin und her gerissen.«
»Sie wird schon erkennen, dass unsere Seite die einzig richtige ist.«
»Diese Einstellung gefällt mir, Dunkelherz. Und jetzt komm, Stachelkralle wartet schon darauf, dir einen weiteren Kampfzug beizubringen.«
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Lied zum Kapitel: End Of Silence – Warrior Princess ft. Julie Elven
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Warrior Cats - Schwarze Sonne
FanfictionACHTUNG! Ihr müsst erst »Warrior Cats - Finstere Wolken« und »Warrior Cats - Dunkle Sterne« gelesen haben, bevor ihr hiermit anfangt! Endlich hat der WindClan unter Schattensterns Führung den Zweibeinerort hinter sich gelassen und die Überbleibsel d...
