Schwere Entscheidungen

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Der Vollmond wies ihnen den Weg. Wolfsmond führte den WirbelClan schweigend zum Holzsitz. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass sie ihr den Vortritt lassen würden. Deswegen hatte der Aufbruch sich etwas verzögert. Ihr Fell kribbelte. Sie wusste zwar, warum, aber sie wollte es sich nicht eingestehen.

Der Holzsitz war nur ein schwarzer Schatten vor dem Nachthimmel. Aus dem Inneren drang bereits leises Miauen. Kein Fauchen oder Knurren. Zum Glück. Aber würde das so bleiben? Diese Katzen sind wirklich seltsam drauf, dachte sie. Sagen, dass es verboten ist, zu kämpfen, und tun es dann doch. Ihre Gedanken wanderten zum Großen Stern. Zu seinen letzten Worten. Sie konnte ihn verstehen.

Bis kurz vor dem Aufbruch noch hatten die Krieger des WirbelClans darüber diskutiert, wen sie als Anführer haben wollten. Wolfsmond hatte schweigend dabei gesessen und ihnen zugehört. Trotzdem hatte sie den Moment verpasst, in dem die Wahl letztendlich auf sie gefallen war. Was ist dein Plan für mich, SternenClan?, dachte sie. Ich bin dem ErdClan keine gute Anführerin gewesen. Warum sollte ich es jetzt für den DonnerClan sein? Ich mag diese Katzen nicht mal!

Geschickt schlüpfte sie durch die Lücke ins Innere des Holzsitzes. Sofort verstummten alle Gespräche. Alle Augen richteten sich auf sie. Wolfsmond hielt sich nicht damit auf, herauszufinden, ob es feindselige oder respektvolle Blicke waren, sondern eilte sofort zum Holzstapel und kletterte nach oben.

Dort warteten bereits zwei weitere Katzen. Sie war nicht überrascht, Vogel zu sehen. Die braun-weiß gefleckte Kätzin starrte sie vorwurfsvoll an. Die gelben Augen funkelten wütend. Offenbar gefiel es ihr nicht, Wolfsmond hier zu sehen. Hatte sie darauf gehofft, dass der WirbelClan sich für jemand anderes entscheiden würde? Die andere Katze war ein riesiger Kater vom BlitzClan. Wolfsmond kannte seinen Namen nicht, hatte ihn aber kämpfen sehen. Er war unglaublich stark und sein langes, hellorangenes Fell wirkte fast majestätisch.

Wolfsmond richtete den Blick auf die Katzen, die sich unter ihnen versammelt hatten. Sie hatte gehofft, dass Schattenstern ebenfalls kommen würde, aber der WindClan war die letzten Tage ungewöhnlich ruhig gewesen. Bestimmt waren sie mit ihren eigenen Sachen genug beschäftigt. Ihr Blick blieb an Weises Reh hängen. Die WindClan-Heilerin hatte darauf bestanden, bei der Versammlung dabei zu sein. Warum auch immer.

»Hat der WirbelClan sich doch tatsächlich für die Katze entschieden, die uns alle ins Unglück gestürzt hat«, miaute Vogel so laut, dass alle Katzen sie hören konnten. »Schämt ihr euch nicht?«

»Sie ist vernünftiger als du, Vogel!«, ertönte die scharfe Stimme von Nacht.

»Sagt die, deren Gefährte ein kaltblütiger Mörder war!«

Nachts Fell sträubte sich, doch sie hatte genug Kontrolle über sich, um nicht vollkommen auszurasten.

»Versuchst du auf diese Weise, dir Freunde zu machen?«, wandte Wolfsmond sich an Vogel. »Da muss ich dich enttäuschen: So funktioniert das nicht.«

Die Kätzin mit der gespaltenen Nase peitschte verärgert mit dem Schweif. »Mein Clan steht geschlossen hinter mir! Jede einzelne Katze! Und ich habe auch Katzen in anderen Clans, die für mich stimmen werden!«

Wolfsmond kniff misstrauisch die Augen zusammen. Ist das eine Andeutung darauf, dass sie andere Katzen bestochen hat? Mit was? Beute? Versprechen? Auch welche aus dem WirbelClan? Sie versuchte, sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen. Aber sie hatte eine Wahl getroffen: Ich kann nicht zulassen, dass der DonnerClan von ihr angeführt wird. Sie warf einen abschätzenden Blick auf den BlitzClan-Kater. Er hatte bisher noch nichts gesagt, aber sein grimmiges Gesicht sprach nicht gerade für einen sanften und besonnenen Charakter. Also liegt es bei mir.

Warrior Cats - Schwarze SonneGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt