Stumme Warnungen

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Spinne hielt sie nicht auf, als sie zu der weißen Kätzin mit den eisblauen Augen stürzte. Es war wirklich Seelenpfote. Sprenkelpfote traute ihren Augen nicht. Sie war davon ausgegangen, dass beide Schwestern während oder nach dem Kampf am alten Stein getötet worden waren. Noch ein Beweis dafür, dass Mutter viel zu oft falsche Entscheidungen trifft. Sie hätte eine Möglichkeit finden müssen, Traumschweif und Seelenpfote aus den Klauen von Blut und Splitter zu befreien!

»Seelenpfote?«, fragte sie erneut. Doch die weiße Kätzin reagierte nicht. Sie schien in einer Art Trance zu sein. Ihre Augen starrten ins Leere. Nur ihre Ohren zuckten leicht beim Klang von Sprenkelpfotes Stimme.

»Sie ist gebrochen«, miaute Spinne, der an ihre Seite getreten war.

»Gebrochen? Was heißt das? Warum ist sie so... seltsam?«

»Splitter hat sie zu seiner Gefährtin gewählt«, erklärte der Kater. »Er hat ihren Willen brechen lassen, damit sie seinen Befehlen gehorcht ohne sie zu hinterfragen. Nachdem er im Kampf am alten Stein gestorben ist, hatte sie niemanden mehr. Die Schlitzschwester hat sie verscheucht und dann haben wir sie gefunden. Sie ist jetzt eine von uns.«

Ihren Willen gebrochen... Sprenkelpfote konnte nicht glauben, was sie da hörte. Dabei war sie früher so gesprächig gewesen. Zwar nicht so sehr wie Traumschweif, aber trotzdem. Sie war nett und freundlich zu allen. Was hat Splitter nur aus ihr gemacht...

Ein überraschtes Miauen riss sie aus ihren Gedanken. »Was wollt ihr?«

»Entschuldige, Laufherz«, sagte Spinne und trat zurück. »Unsere Besucherin hat nur deine Mutter erkannt.«

»Mutter?« Sprenkelpfote wirbelte herum. Die Augen weit aufgerissen. Vor ihr stand die fremde Kätzin, die nach Funkenlichts Kriegerzeremonie aufgetaucht und dann geflohen war. Sie wirkte nicht weniger überrascht, jemanden aus dem WindClan hier zu sehen. Ihr Maul öffnete und schloss sich, ohne dass sie etwas sagte.

»Laufherz ist die Tochter von Seelenpfote und Splitter«, durchschnitt Spinne die Stille. »Kennt ihr euch etwa auch?« Seine blauen Augen wurden schmal und er fixierte Laufherz. »Warst du etwa wieder außerhalb des Zweibeinerorts? Du weißt, dass das verboten ist!«

»Ich... Ich wollte nur... Ich dachte...«, stotterte die junge Kätzin.

»Du bist zu uns gekommen«, miaute Sprenkelpfote verwirrt. »Warum?«

Der eisblaue Blick der Kätzin wanderte umher. Sie trat von einer Pfote auf die andere. Offensichtlich nervös. Sie sah Sprenkelpfote bittend, fast flehend an. Spinne legte misstrauisch die Ohren an, sagte jedoch nichts. Auf einmal reckte er aber den Hals und schaute in Richtung des Lochs, durch das sie zuvor gekommen waren.

»Funkenstern und Dunkelherz sind zurück«, stellte er fest und wandte sich an Sprenkelpfote. »Komm. Du hast doch nach deinem Bruder gesucht.«

Die Schülerin nickte und folgte dem langgliedrigen Kater. Aus dem Augenwinkel bemerkte sie noch, dass Laufherz warnend den Kopf schüttelte und sich dann über ihre Mutter beugte, um ihr etwas ins Ohr zu flüstern. Warum verhält sie sich so komisch?, überlegte Sprenkelpfote. Erst kommt sie zu uns und haut ab, als wir sie entdecken und jetzt möchte sie nicht sagen, warum sie überhaupt da war.

Spinne führte sie aus dem hölzernen Zweibeinernest hinaus auf die Wiese. Er lief auf einen Baum zu, in dessen Schatten zwei Katzen saßen. Sprenkelpfote erkannte Funkenstern und Dunkelherz. Ihr Bruder entdeckte sie zuerst. Fröhlich schnurrend sprang er auf die Pfoten und rannte auf sie zu. Er wirkte viel offener und weniger grimmig als im Traumwald, in dem sie ihm begegnet war.

»Du bist meinem Rat also gefolgt!«, rief er freudig und bedeutete Spinne mit einem beiläufigen Schwanzschnippen, sie alleine zu lassen. Der Kater neigte gehorsam den Kopf und ging. Sprenkelpfote schaute ihren Bruder beeindruckt an.

Warrior Cats - Schwarze SonneGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt