Verdächtiges Fehlen

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»Es tut mir leid.«

Wolfsmond sah nicht auf, als Schattenstern ihren Bau betrat. Ein Bau? Es ist einfach ein riesiges Nest aus Federn zwischen kratzenden und harten Grashalmen... Dennoch überraschten sie die Worte ihrer, nein, nicht mehr ihrer, sondern der Anführerin des WindClans.

»Was tut dir leid?«, fragte sie mürrisch.

»Dass ich dich praktisch dazu gezwungen habe, die Gefährtin des Großen Sterns zu werden«, miaute Schattenstern und ließ sich ihr gegenüber nieder. »Aber anders hätte es keinen Frieden zwischen uns gegeben.« Sie hielt kurz inne. »Aus demselben Grund habe ich Terra und mit ihr Hechtkralle verbannt.«

»Anführer müssen manchmal harte Entscheidungen treffen«, sagte Wolfsmond nur. Nach Sprenkelpfotes und Nebelpfotes Schülerzeremonie hatte sie ihre neuen Clan-Gefährten angebrüllt, damit sie sich beruhigten. Damit hatte sie sich nicht gerade beliebt gemacht. Die zwei Schüler und ihre Mentoren blieben vorsichtshalber auch noch vom Lager fern und sie stimmte sich mit Schattenstern ab, um Patrouillen nur dorthin zu schicken, wo die vier WindClan-Katzen sich gerade nicht aufhielten.

»Du weißt, dass wir aus deinen Katzen den neuen DonnerClan erschaffen müssen?«, kam Schattenstern zur Sache.

»Sie sind nicht meine Katzen.«

»Du bist ihre Anführerin. Somit sind sie deine Katzen.«

Wolfsmond sah der schwarzen Kätzin direkt in die blauen Augen. »Was verlangst du von mir?«

»Sprich mit dem Großen Stern«, forderte Schattenstern. »Du bist jetzt seine Gefährtin und deine Worte haben Gewicht. Erzähl ihm von den alten Clans, vom SternenClan, vom Gesetz der Krieger...«

Wolfsmond schwieg. Er wird nicht auf mich hören.

»Du wirst es tun«, sagte Schattenstern kalt. »Und zwar bald. Ich möchte nicht, dass Himmelglanz' Mörder wieder zuschlägt und wir uns das Vertrauen der WirbelClan-Katzen nochmal erarbeiten müssen.«

»Du glaubst also auch nicht, dass es Terra war?« Wolfsmond spitzte die Ohren.

»Natürlich nicht«, erwiderte die schwarze Kätzin. »Funkenstern hat behauptet, sie hätte meine Mutter getötet. Aber meine Mutter hat an den Kämpfen teilgenommen und ist dabei gestorben. Ich habe immer gedacht, es wäre der letzte Feuerstern – früher hieß er Gelbkralle – der sie ermordet hat. Und ich werde meine Meinung nicht ändern. Als ich meine neun Leben empfangen habe, gab meine Mutter mir das Leben des Vertrauens. Ich vertraue Terra und in meinen Augen ist sie unschuldig. Hätte der SternenClan mich nicht vor ihr gewarnt, wenn sie eine Mörderin wäre?«

Der SternenClan hat dich auch nicht vor uns gewarnt, hätte Wolfsmond beinahe gewarnt, konnte sich aber gerade noch rechtzeitig zurückhalten.

»Der Mörder muss aus dem WirbelClan kommen«, schloss Schattenstern. »Eine von deinen Katzen hat Himmelglanz und Regenmond ermordet.«

Sie sind nicht meine Katzen!

»Wer?«, fragte Wolfsmond.

»Ich weiß es nicht«, antwortete die WindClan-Anführerin ehrlich. »Aber Verdächtige gibt es immer. Komm mit.«

Ihr gefiel zwar nicht, dass Schattenstern sie herumkommandierte, aber sie folgte ihr trotzdem auf die Lichtung. Der Schnee vom letzten Tag war schon geschmolzen. Nur eine dünne Eisschicht überzog die plattgetrampelten Grashalme.

Tatze, die dreibeinige Kätzin, die fast an ihrer statt Anführerin geworden wäre, bediente sich am Frischbeutehaufen und trottete zu Spritzklang hinüber, um die Maus mit ihr zu teilen. Schwarzpfote, der Sohn des Großen Sterns, tauchte aus dem Schülerbau auf und zischte sogleich den Renner an, der ihm über den Weg lief. Der schweigsame Krieger mit den langen Beinen machte einen erschrockenen Satz nach hinten.

Warrior Cats - Schwarze SonneGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt