Totale Auslöschung

575 45 69
                                        

Noch bevor sie im DonnerClan-Lager ankamen, wusste Terra, dass etwas nicht stimmte. Es gab keine Kampfgeräusche, kein Schreien von Katzen in Not und kein schmerzhaftes Jaulen. Sie hielt gehorsam an, als Schattenstern den Schweif hob. Ihre Ohren zuckten unruhig hin und her. Irgendwas ist hier falsch, dachte Terra und warf Hechtkralle einen fragenden Blick zu. Der blaugraue Kater sah genauso ratlos aus wie sie.

»Warum ist es so still?«, hörte sie Funkenlicht hinter sich fragen. Der frisch ernannte Krieger hatte sich voller Eifer in seinen ersten richtigen Kampf gestürzt. Dass es nun so ruhig war, machte ihn nervös.

»Bestimmt ist es nichts«, antwortete Nebelpfote seinem besten Freund im Flüsterton und bekam von Efeubein einen leichten Schlag über die Ohren. Sie sollten leise sein.

Die WindClan-Katzen machten Platz, als Wolfsmond sich von der Spitze der WirbelClan- und BlitzClan-Krieger löste, um zu Schattenstern zu gehen. Die beiden Kätzinnen beredeten etwas. Auf einmal ging ein kaum hörbares Raunen durch die Menge. Terra verstand erst nicht, was überhaupt los war, als auch ihr der Geruch in die Nase zog. Blut. Und Tod. Erschrocken riss sie die Augen auf.

Im selben Moment hatten Schattenstern und Wolfsmond ihre Besprechung offenbar beendet, denn sie setzten sich in Bewegung. Leise schlichen die Katzen weiter in Richtung des DonnerClan-Lagers. Mit jedem Pfotenschritt verstärkte der Gestank sich, bis er beinahe unerträglich war. Dann sahen sie die erste Leiche. Eine Kätzin mit schlammbedecktem Fell und zerfetzter Kehle. SturmClan, ging es Terra durch den Kopf.

Als sie den Rand der Kuhle erreichten, musste die WindClan-Kriegerin sich zusammenreißen, um sich nicht zu übergeben. Überall lagen Katzen, tote Katzen. So übel zugerichtet, dass es ihr schmerzte, hinzusehen. Der Geruch des Todes hatte, obwohl es tiefe Nacht war, Raben und Krähen angelockt. Die schwarzen Vögel saßen auf den Leichen, pickten nach ihren Augen und gruben ihre Schnäbel in das zerschundene Fleisch. Terra hörte, wie einige Krieger bei diesem Anblick würgten und davoneilten, um sich irgendwo weiter weg zu erbrechen.

»Wie konnte das passieren?«, keuchte sie fassungslos und entsetzt zugleich.

»Das sind alles nur SturmClan-Katzen«, murmelte Hechtkralle. »Alle haben Schlamm im Fell.«

Blendfeuer hatte das gehört und trat zu ihnen. Rote Krallenspuren zogen sich knapp über seinem Auge durch das weiße Fell. »Wo ist dann der DonnerClan hin?«

Einige WirbelClan- und BlitzClan-Katzen hatten sich mittlerweile auf das Leichenfeld gewagt. Sie verscheuchten die Aaskrähen und Raben und drehten die toten Katzen um. Vermutlich auf der Suche nach bekannten Gesichtern. Einige stießen spitze Schreie aus, andere standen einfach nur zitternd da.

»Goldmond ist nicht dabei!«, rief Bär Wolfsmond zu.

»Vielleicht ist sie geflohen«, vermutete eine BlitzClan-Kätzin. »So wie Streifenmond.«

»Sie ist nicht geflohen«, ertönte plötzlich eine Stimme von der anderen Seite der Kuhle. Das Gras wogte hin und her und gab dann den Blick auf eine Kätzin frei, deren Nase in der Mitte gespalten war. Terra erkannte Vogel. Die gefleckte Kriegerin hatte nach dem Tod von Habichtmond praktisch die Führung über den DonnerClan übernommen. Rechts und links von ihr raschelte es und weitere DonnerClan-Katzen tauchten auf.

»Wo ist sie dann hin?«, wollte die BlitzClan-Kätzin wissen.

»Die viel bessere Frage ist«, zischte Rose, »was ihr mit dem SturmClan gemacht habt!«

Vogel fixierte die rote WirbelClan-Kätzin mit einem stechenden Blick. »Der SturmClan hat das bekommen, was er verdient hat. Den Tod.«

»Wo ist Goldmond?«, fragte die BlitzClan-Kätzin wieder, diesmal mit einem scharfen Unterton.

Warrior Cats - Schwarze SonneGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt