Der fast zustande gekommene Kuss zwischen Break und mir stand uns lange im Weg. Seitdem war die Beziehung zwischen uns echt komisch. Die meiste Zeit ging er mir aus dem Weg. Es geschah damals alles so schnell. Ich musste mir erst mal klar über meine Gefühle werden, bevor ich ihn küssen konnte. Bisher war er für mich nicht mehr als ein guter Freund. Und ich dachte, ich wäre für ihn auch nur eine gute Freundin. Hatte er sich da was eingebildet? Bei uns lief doch gar nichts im romantischen Sinn? Oder? Meine Gedanken drehten sich nur noch um diese Ereignisse auf der Lichtung. Nicht nur der Kuss, sondern auch was danach geschah. Wie war es nur möglich innerhalb einer Sekunde von der einen Seite der Lichtung auf die andere zu gelangen? Und was war mit der Prophezeiung? Zuerst dachte ich mir, dass ist nur eine Geschichte und nichts Spannendes für uns, aber je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir das eventuell ein neuer Krieg ausbrach, wenn das Kind von Roy Sombre sich für die böse Seite entschied. Was wenn er wieder kommt und ganz Lythix einnimmt? Fliehen wir dann alle in eine der anderen Galaxien? Wohl kaum. Wir würden solange gegen ihn kämpfen bis er endgültig besiegt war. Aber was wenn man ihn nicht besiegen konnte? Was wenn er zu mächtig war? Welche Kraft beherrschte Roy Sombre überhaupt? Und wie mächtig war ich inzwischen eigentlich? Ich beherrschte nicht nur das Element Feuer, sondern auch das Element Wasser und meiner Vermutung nach seit neuestem auch das Element Luft. Anders konnte ich mir nicht erklären, wie das was auf der Lichtung passiert war, passieren konnte. Ich war gerade auf dem Weg zur Bibliothek um mir das Buch Luftkräfte zu besorgen. Wenn meine Vermutung stimmte, dann müsste ich es mit diesem Buch herausfinden können.
Ich stand vor dem Bücherregal, als ich eine Gestalt wahrnahm. Eine Breite und große Gestalt. Die Statur von einem Mann. Beobachte der mich etwa? Ich ging unauffällig zu ihm hin. Nun stand er mit dem Rücken zu mir. Aber seine Statur kam mir bekannt vor. Ohne zu überlegen, tippte ich dem Mann einfach auf die Schulter. Er drehte sich um. Mir stockte der Atem. „P...P...Prinz...Edward?" fragte ich mit Erstaunen in den Augen. „Ja."
Ich nahm seine Hand und schleifte ihn mit mir. Weg von all den anderen Schülern, in eine dunkle Ecke der Bibliothek, wo uns niemand sehen konnte. „Was machst du hier?" ich war ein bisschen gereizt. Er könnte mein Geheimnis auffliegen lassen. „Ich habe dich gesucht. Du warst vor einer Woche in einem Café hier in der Stadt und da habe ich mich gefragt, was du hier machst und mich nach dir erkundigt. Nur anscheinend kennt dich hier niemand, was echt seltsam ist." Ich verdrehte die Augen „Mich kennt hier niemand, weil ich hier zur Schule gehe. Als Lia, ein ganz normales Mädchen! Verstanden?" „Du verheimlichst deine Herkunft?" „Ja. Es ist sicherer, wenn das niemand weiß. Keiner aus einer königlichen Familie hatte bisher Kräfte. Würde sich das herumsprechen würde es anfangen, probleme zu geben und wenn der große Rat davon wüsste, dürfte ich nicht mehr zur Schule gehen, weil es zu gefährlich wäre." „Boa, der große Rat geht mir so langsam echt auf die Nerven." Er verdrehte seine Augen. „Hast du in letzter Zeit mitbekommen, was der große Rat jetzt schon wieder will?" fragte er mich. „Nein, ich war lange nicht mehr auf dem Saturn und du weißt ja, dass ich es erst erfahren darf, wenn ich im Schloss bin. Alberne Regel, wenn du mich fragst." Er nickte mir zustimmend zu. „Der Große Rat hat verlangt, dass sich jedes Mitglied aus den Königlichen Familien preis gibt. Das heißt, auch du musst dich vor ganz Lythix zeigen!" Ich traute meinen Ohren nicht mehr. Das konnte der Rat nicht verlangen. Ich habe mein Geheimnis all die Jahre lang gut gehütet und auf einmal kam so ein Rat und machte mir alles zunichte? Nein, nicht mit mir. Ich musste so schnell wie möglich zum Saturn.
Ich verabschiedete mich von Prinz Edward und ging geradewegs zum Büro von Direktorin Magicxa. Sie kannte natürlich mein Geheimnis. Immerhin war sie es, die mich entdeckt und hierher geholt hatte. Eigentlich erfahren Magicas von ihren Kräften schon sehr früh. Im Durchschnitt ab ihren dreizehnten Lebensjahr. Bei mir war das anders. Ich war 17 und hatte meine Kraft immer noch nicht entdeckt. Eines Tages war dann die große Jahresversammlung der Planeten, dieses Jahr auf den Saturn. Dort mussten alle wichtigen Persönlichkeiten von Lythix sich versammeln. Auch Direktorin Magicxa. Ich stand in unseren riesigen Schlossgarten und betrachtete die Feuerblumen. Da kam auf einmal Direktorin Magicxa zu mir hin. Sie meinte, dass sie großes Potenzial in mir sah und glaubte, dass ich einfach nur ein Spätzünder wäre. „Streck doch mal deine Hand aus" meinte sie zu mir. Ich gehorchte ihr. Sie pflückte eine der Blumen und legte sie mir auf die offene Handfläche. Keine Sekunde später ging sie in Flammen auf.
Ich konnte mir bis heute nicht erklären, wie sie das wissen konnte. Als ich vor ihrem Büro stand zögerte ich kurz. Ich hörte Stimmen. Ein Streit? Ich wollte nicht lauschen, also beschloss ich wieder zu gehen und später nochmal wieder zu kommen. Doch auf einmal wurde dir Tür vor mir aufgerissen und ein wütender Mann trat hinaus. Er sah mich kurz mit einem abschreckenden Blick an und verzerrte sein Gesicht. Dann ging er einfach. Wie unhöflich.
Direktorin Magicxa sah erschöpft aus. „Komm rein Lia, was kann ich für dich tun?" Sie setzte sich auf ihre kleine Couch und bot mir den Platz neben ihr an. „Tut mir leid Professorin. Soll ich später wieder kommen?" „Nein, nein. Alles gut. Erzähl mir ruhig, was dir auf dem Herzen liegt" Sollte ich sie auf den Mann ansprechen? Aber vielleicht würde sie mir eh nichts sagen. Und dann würde ich sie nur noch mehr erschöpfen. Ich beschloss, besser nichts dazu zu sagen. „Ich brauche eine Unterrichtsbefreiung für hoffentlich höchstens eine Woche!" Sie sah überrascht aus. Also wusste sie noch nichts von der neuen Forderung des großen Rats. „Es ist etwas passiert. Der große Rat hat eine absurde Forderung gestellt, die mein Geheimnis auffliegen lassen könnte. Ich muss zum Saturn um mit meiner Mutter zu reden. Vielleicht finden wir eine Lösung." Ich sah Verständnis in ihren Augen aufblitzen. Das war ein gutes Zeichen. „Dann darfst du natürlich zum Saturn reisen."
Ein paar Tage später machte ich mich auf den Weg zum Saturn. Ich wurde von der königlichen Garde ein paar Kilometer entfernt von der Akademie abgeholt. Ganz alleine durfte ich nicht reisen. Es wäre ja zu gefährlich. Schon wieder so eine Regel, die mich nervte. „Eure Majestät." Meine königliche Leibwache empfing mich. Eigentlich brauchte ich keine, aber nach dem, was mit meinen Geschwistern passiert ist bestand meine Mutter darauf. Aber Kazimeryah war mehr eine Freundin als wie eine Leibwache. „Hallo, Kazi." Ich wollte sie umarmen, aber das konnte ich nicht, wenn alle anderen Wachen dabei waren. Es war ein langer Flug bis zum Saturn. Aber als ich aus dem Fenster unseres Raumschiffes blickte, sah ich endlich den ersten Ring meines geliebten Planeten vor mir. Und dann flogen wir endlich immer näher an die Oberfläche des Saturns. Ich sah ein Blütenmeer voller Titan- und Feuerrosen. Die zwei Symbole des Saturns. Auch auf unseren Wappen sind beide Rosen ineinander Verschlungen abgebildet. Dann kam endlich die erste Siedlung. Caemis. Die weit entfernteste Siedlung von der Hauptstadt entfernt. Und dann nach nochmal zwei Stunden fliegen sah ich sie endlich. Unsere Hauptstadt Tiluana. Und hinter ihr erstreckte sich ein riesiges Schloss. Mein Zuhause.
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Erbin der Elemente (Tales of Elements 1)
FantasyDas Leben der 18. Jährigen Lia ist geprägt von Geheimnissen. Sie muss ihre Kraft und ihre Königliche Identität, vor ihren Freunden geheim halten. Nicht so einfach, wenn man auf eine Akademie für Magicas geht. Menschen mit Magischen Kräften. Doch als...
