Kapitel 20: Die Wölfe

509 20 7
                                        


„Rennt" Areo wollte schon weglaufen, da hielt ich ihn auf. „Wenn wir nur weglaufen, können diese Wesen uns immer noch einholen. Wir müssen gegen sie kämpfen und sie besiegen." „Ich stimme Lia zu" „Ich auch." Break und Aelin teilten meine Meinung. Schließlich überzeugten wir auch Areo. Doch in seinen Augen konnte ich immer noch die pure Panik sehen.

Inzwischen waren die Wesen so nah angekommen, dass man ihre Felltöne unterscheiden konnte. Ganz vorne lief das größte Wesen. Sein Fell war weiß. Es fletschte seine Zähne. Alle anderen folgten ihm. Es musste das Alphatier sein. Das Tier, welches das Rudel anführte.

Ich spann meinen Bogen, der Pfeil richtete sich geradewegs auf das Alphatier. Er entgleitete den Bogen und landete im Herz des Wesens. Es war augenblicklich tot. Die anderen Wesen, blieben abrupt stehen. Sie waren überrascht von dem plötzlichen Tot ihres Alfas. Ein Wesen schlich zum Leichnam. Es war Jung. Mit seiner Schnauze stupste es den Leichnam an.

DA wurde mir erst bewusst was ich getan hatte. Ich hatte ein Lebewesen getötet. Ohne mit der Wimper zu zucken. Ohne mir bewusst zu sein, dass es Familie hatte. Es war nur hungrig gewesen, wollte seine Familie ernähren. Was hatte ich nur getan? Doch das schlimmste war das ich im ersten Moment, keinerlei Emotionen gefühlt hatte.

Das Rudel sammelte sich wieder. Nun waren sie noch wütender. Mit einem rasenden Tempo schossen sie auf uns zu. Break, Areo und Aelin zogen ihre Waffen. Sie machten sich bereit für den Kampf. Doch ich blieb einfach nur regungslos stehen. Ich war wie erstarrt.

„Lia?" Aelin riss mich aus meiner Trance. Die Wesen kamen immer näher. Sie hatten jetzt schon fast das Ende der Brücke erreicht. Es handelte sich nur noch von Millisekunden bis sie uns erreichten. Ich zog einen neuen Pfeil aus dem Köcher. Doch er fiel mir auf den Boden. Meine Hand zitterte unaufhörlich. So konnte ich nicht schießen. Ich verstaute den Bogen wieder auf meinem Rücken und nahm stattdessen mein Schwert.

Und das keine Sekunde zu spät. Kaum war es in meiner Hand, wurde ich auch schon von einem der Wesen angesprungen. Eds wurde von meinem Schwert aufgespießt. Klappernd fiel auch mein Schwert zu Boden. Die Wesen standen jetzt mit gefletschten Zähnen vor uns. Ihre Blicke bohrten sich in meine Augen. Ich hatte ihren Alfa getötet, daher war ich ihr Hauptziel. Aelin, Break und Areo waren schon mitten im Kampf. Mein Schwert lag vor meinen Füßen. Meine Hand zitterte zu stark, als dass ich schießen könnte. Ich fühlte mich so verloren, wie noch lange nicht mehr. So schwach.

Auch mein Feuer wollte mir nicht gehorchen. Wollte ich einen Feuerball erschaffen, wurde daraus eine kleine Flamme.

Inzwischen hatten die anderen alle Wesen besiegt. Die meisten waren geflüchtet. Andere leicht verletzt. Doch keines war tot. Nur die beiden die aus meiner Hand gestorben sind. Wegen mir. Nur noch das kleine Junge war da. Es kauerte neben den Leichnam des Wesens, welches von meinem Schwert aufgespießt wurde. Das Junge hatte weißes Fell, mit grauen Sprenkeln. Das gleiche Weiß wie vom Alfa. Die gleichen Sprenkel wie vom zweiten Wesen. Ich hatte seine Familie ermordet. Seine Mutter und seinen Vater. Nun war es ganz alleine.

Das Rudel hatte ihn zurückgelassen. Er konnte nirgendwo mehr hin. Ich spürte wie meine Augen feucht wurden. Nur wegen mir, hatte es keine Familie mehr.

„Lia?" Break sah mir meinen Kummer an. Er kam zu mir und zog mich in seine Arme. „Schhh, schhh. Es ist nicht deine Schuld." Wie konnte er das sagen? Wir hatten genau gesehen, dass ich den Pfeil abgefeuert hatte und dass ich das Schwert erhoben hatte. Abrupt löste ich mich wieder von Break. Ich brauchte keinen Trost. Den verdiente ich nicht.

Stattdessen ging ich zum jungen hin. Je näher ich kam, desto mehr zog es sich zurück. Es schmiegte sich voller Furcht an seine Mutter. Die Angst sah man in seinen Augen. „Ich tue dir nichts" lockte ich ihn an. Dabei hockte ich mich vor ihm. Gleichzeitig hielt ich ihm meine Hand entgegen, sodass er dran schnüffeln konnte. Zuerst zögerte er, kroch weiter zurück. Irgendwann jedoch, merkte es, dass ich keine Gefahr war. Es streckte mir seine Schnauze entgegen. Anfangs schnüffelte er nur meine Hand ab. Doch schon kurz darauf schmiegte es seine Schnauze in meine Handfläche. Er war immer noch ängstlich, doch vertraute mir jetzt schon ein bisschen mehr. Hier konnte es nicht bleiben. Es gab zu wenig Ernährung und ich bezweifelte das ihm das Rudel wieder aufnehmen würde. Daher beschloss ich es mit zu nehmen. Ich hatte ihm seine Familie genommen, also erschuf ich eine neue.

Ich streckte meine Arme auf und das Junge sprang drauf. Als es in der Reichweite meines Gesichts war, leckte es auf einmal meine Wange ab. Ein Kichern erklang aus meiner Kehle. „Du brauchst noch einen Namen" Ich überlegte wie es wohl heißen könnte. „Spot" fiel mir als erstes ein. Ich mochte den namen und auch er schien er zu gefallen. Also nannte ich ihn Spot.

Ich wendete mich an Aelin und Areo. „Wir glauben herausgefunden zu haben, wo sich der Edelstein versteckt." Aelin riss die Augen auf. „Wo?" Sie fragte so schnell, dass ich mich erschrak. „Früher gab es eine Statue, die das Wahrzeichen der Stadt war. Sie stand für Freiheit. Vorhin habe ich sie gesehen. Dabei fiel mir ein Schimmern ins Auge. Ich glaube dieses Schimmern, war vom Edelstein." Areo blickte sich um. „Wo ist diese Statue?" Break antwortet indem er auf das Meer zeigte. „Im Wasser, auf einer kleinen Insel." „Worauf warten wir dann noch? Wir müssen zu dieser Statue."

Aelin war schon auf dem Weg, als sie sich nochmal zu uns umdrehte. „In welcher Richtung ist die Statue?" Break, Areo und Ich fingen an zu lachen und auch Aelin stimmte mit ein. „Ich glaube, wenn wir dieser Straße hier folgen kommen wir bis zum Ufer, von wo aus man früher zu ihr gelangte."

Erbin der Elemente (Tales of Elements 1)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt