1« BONUSKAPITEL || Tears

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[Das längste Kapitel, das ich jemals geschrieben habe! 7340 Wörter! Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen und möchte mich bedanken, dass schon so viele diese Geschichte gelesen haben. ❤️]

Zitternd rutschte ich an den Fliesen der Badezimmerwand ab und ließ mich auf den kalten Boden sinken.

Ein krankhaftes Wimmern tönte aus meinem tiefsten Inneren und brachte mein Herz zum Stillstand.

Haltlos begann ich zu weinen.
Schrecklich, quälend zu weinen.

Das konnte nicht sein.
Das konnte nicht sein.
Das durfte nicht sein.
Das sollte nicht sein.
Das sollte nicht sein!

Ich krümmte mich auf dem Boden zusammen, warf das Messer aus meiner Hand und ließ es an die Wand prallen.
Ich wollte das nicht!

Ein kleiner Schrei entwich mir, dann rannen nur noch Tränen aus mir und ließen meinen Körper erbeben.

Ich biss mir in die Handfläche.
Ich hatte mich lange nicht mehr selbstverletzt, aber heute schien es mir ideal. Gerade jetzt, schien es mir perfekt. Ich brauchte das dringend. Ich konnte nicht atmen. Ich brauchte Luft!

Keuchend riss ich meine Haut von meinen Zähnen und öffnete meinen Mund um einen tiefen Atemzug zu nehmen und meine Zähne dann gleich wieder in meiner Handfläche zu versenken.

Der Schmerz kam Sekunden zu spät, aber er breitete sich wie ein Lauffeuer in mir aus und stillte meine Sinne.
Der körperliche Schmerz war so viel besser, als das böse Ding in meinem Körper, das von nun an Teil meines Lebens sein sollte.

Das konnte nicht sein.
Das konnte nicht sein.
Das durfte nicht sein.
Das sollte nicht sein.
Das sollte nicht sein!

Ich starrte wimmernd auf meine Handfläche und ließ mit einem zweiten Atemzug haltlos Blut fließen.
Eine dicke Bisspur, um die sich lila verfärbte Haut malte, brannte sich in meine Augen und ich hasste mich für das, was ich soeben getan hatte.

Ich hatte es schon wieder getan.
Ich hatte meine Schmerzen mit Schmerzen betäubt.

Aber verdammt! Wie sollte ich das sonst machen?
Wie konnte ich mir sonst helfen?
Wie sollte ich das sonst ertragen?

Ich konnte das nicht.
Ich wollte das nicht.

Wie oft sollte ich sterben, bis ich endlich tot war?

»Tears? Schatz, bist du da drinnen?«

Nein.
Nein, hier drinnen war die Hülle.
Hier drinnen ermordete sich eine Puppe.

»Ist alles in Ordnung?«

Nein.
Nein, bei der Hülle war gar nichts in Ordnung.
Nein, hier drinnen ermordete man eine Puppe.

»Tears?« Er rüttelte an der Tür.

Ich sah hypnotisiert auf das quellende Blut in meiner Handfläche.
Es rann von meiner Hand, lief tief über meinen Arm und wie ein Wasserfall auf den weißen Boden.

Oh, goldener Tod wo bist du nur?

Ich grinste wie eine Irre.
Die Puppe lachte leise.
Sie lachte, bis sie ein Schwall der Realität übergoss und sie wie vom Blitz getroffen auf ihre Beine sprang.

Im Spiegel erschien ihr Gesicht.
Sie sah wie ich aus. Sie war ich. Aber sie war nicht ich.

Ich sah sie hasserfüllt an, sah an ihr hinab und auf ihren Körper.
Da drinnen sollte es sein?
Da drinnen sollte der Tod sein?

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