Die Pause war angebrochen und obwohl ich so schnell wie möglich mit Jungwoo aus dem Raum gehen und gemeinsam die Cafeteria ansteuern wollte, ohne dabei weiterhin mit einer bestimmten Person konfrontiert zu werden, war mein Kumpel anscheinend einfach eine zu gute Seele.
Jungwoo hatte darauf bestanden, Jaehyun gleich nach dem Mathekurs zu fragen, ob er mit uns kommen wollte und ich ließ es über mich ergehen, als Jaehyun Jungwoos Einladung dankend annahm.
Wir waren nun also zu dritt auf dem Weg zur Cafeteria. Während Jungwoo neben uns vermutlich versuchte, so unauffällig und ruhig wie möglich zu wirken, ging es nun zwischen Jaehyun und mir erst richtig los.
Der Jüngere hatte mir die gesamte restliche Stunde unter die Nase gerieben, wie schlecht ich in Mathe war. Das und die anderen Vorwürfe, die Jaehyun mir vorhin an den Kopf geworfen hatte, konnte ich unmöglich auf mir sitzen lassen. Dafür war ich zu stolz. Vielleicht war das der Grund dafür, wieso wir mittlerweile auf sachliche Argumente verzichteten und uns nur noch wie zwei Streithähne aufführten.
"Entschuldige mal, was heißt hier Lügner?! Du hast gar keine Ahnung!" protestierte ich lautstark und Jaehyun lachte nur abwertend auf: "Jetzt krieg' dich mal ein, Mister 'Ich brauch keine Hilfe von dir'! Du hast so 'ne große Klappe, dabei bist du einfach nur ein Schisser!"
"Wer hat hier von uns die große Klappe? Du kannst ja nicht aufhören mir die ganze Zeit irgendeinen Scheiß vorzuwerfen!"
"Genauso wie du es nicht lassen kannst, meinen Worten aus dem Weg zu gehen und alles abzustreiten! Außerdem wird es mal Zeit, dass dir jemand ins Gesicht sagt, dass du eingebildeter bist als ein Porträt aus der Renaissance!"
Ich stöhnte genervt auf und beschleunigte meinen Gang. "Ich kenne dich gerade mal 24 Stunden und habe echt den Eindruck, noch nie so einen nervigen Menschen getroffen zu haben"
Meine Einstellung dem Hellbraunhaarigen gegenüber war ein einziges Auf und Ab.
Als wir vorhin über den gestrigen Tag gesprochen hatten, hatte ich zwischenzeitlich tatsächlich den Eindruck, Jaehyun meinte es die ganze Zeit über gut mit mir. Er hatte sich nicht einfach weggedreht oder mich ignorant verurteilt, wie Menschen wie Eunji es taten, stattdessen hatte er mir seine Hilfe angeboten und es immer noch nicht aufgegeben, nachdem ich ihn das erste Mal abgewiesen hatte.
Doch gleichzeitig war der Neue wahnsinnig provokant und machte genauso gut den Eindruck eines kompletten Arschs. Während er sich vor meinen Freunden absolut engelsgleich gab, war nur ich bisher derjenige gewesen, der die weniger freundliche Seite von Jaehyun erlebt hatte.
Und womöglich war ich nicht ganz unschuldig daran, dass er mir gegenüber so angepisst war. Schließlich hatte ich ihn gestern zunächst angeschrien, weggeschickt und dann ignoriert, ohne mich ihm vorzustellen. Und nachdem ich kurz Anstalten gemacht hatte, fast ihm gegenüber schwach zu wirken, hatte ich ihm heute direkt wieder gesagt dass ich keine Hilfe gebraucht hatte.
Ja, vermutlich lag es an mir.
Wollte ich es mir eingestehen und mich entschuldigen?
Definitiv nicht.
Wir waren inzwischen in der Cafeteria angekommen. Jungwoo hatte es tatsächlich noch geschafft irgendwie zwischen uns zu gehen und uns dazu zu bringen, mit dem Diskutieren aufzuhören, da wir sowieso zu keinem Ende gekommen wären. Jaehyun und ich schweigten uns von nun an also nur noch an und es war vermutlich auch besser so. Schließlich wussten die anderen nicht, dass wir uns so unsympathisch waren.
Wir steuerten den Tisch an, an dem bereits einige unserer Freunde saßen.
"Hey, hey, hey! Da seid ihr ja!" empfing uns Mark, der auf dem Tisch saß und die Arme begrüßend ausgebreitet hatte. "Wir sind keine Promis, Mark" lachte Jungwoo abwinkend, da sich bereits einige Schüler an anderen Tischen zu uns umgedreht hatten. Der Blondhaarige sprang vom Tisch herunter, wonach er sich locker auf den Stuhl neben Haechan fallen ließ und seinen Arm auf dessen Schulter ablegte."Na hör mal, der gutaussehende neue Schüler hängt bei uns ab, das ist schon Prominenz genug" grinste er und Jaehyun schüttelte bescheiden lächelnd mit dem Kopf, während ich nur die Augen verdrehte. Da war er wieder, der Engel.
Wir setzten uns, Jaehyun und ich diesmal nebeneinander, uns weiterhin meidend."Wie war dein erster richtiger Tag bis jetzt? Hoffentlich nervt es dich nicht, dass du bei solchen Crackheads wie uns sitzen musst" fragte Johnny von der anderen Seite des Tisches und ich blickte zu dem Jungen neben mir, als sein Lachen ertönte.
"Keine Sorge, ich.. ich bin froh, dass ich so schnell Anschluss finden konnte. Ihr seid wirklich freundlich und.. zuvorkommend.." antwortete Jaehyun mit sanfter Stimme, blickte in die Runde lächelnder Gesichter und sein Blick blieb zuletzt kurz vor meinem Gesicht stehen, als er die letzten Worte zögernd aussprach. Ich räusperte mich und sah auf meine Hände.
"..und der Tag verlief bis jetzt recht gut. Mathe ist zwar nicht mein Lieblingsfach, aber es ist erträglich" - "Aber besser als unser Taeyong bist du mit Sicherheit" lachte Haechan und Mark nickte. "Der Typ ist echt so grottenschlecht" kicherte er und die beiden klatschten grinsend ein. "Als wärt ihr selbst besser, ihr Spinner" sprach Taeil und ehe ich mich versah, begannen alle, sich untereinander zu unterhalten und durcheinander zu reden, natürlich, wie es das Schicksal wollte, bis auf Jaehyun und mich, die genau in der Mitte saßen.
Wir sahen beide jeweils in eine andere Richtung und während Jaehyun seinen Kopf auf seiner Hand abstützte, musste ich seufzen. Die Chance auf einen normalen Start, auf ein normales Kennenlernen, hatten wir definitiv verspielt. Dafür war es viel zu unangenehm zwischen uns.
Ich wollte nicht mit ihm reden! Wieso auch? Er meinte schließlich, sich einmischen zu müssen, hätte er es gleich sein lassen, wäre jetzt nicht diese Anspannung zwischen uns!
Yuta, welcher uns gegenübersaß, bemerkte vermutlich die merkwürdige Atmosphäre und zwischen Jaehyun und mir, denn er hob verwirrt eine Augenbraue und deutete leicht mit einem Finger zwischen uns beiden umher.
"Ähm, sagt mal.. ist zwischen euch beiden alles okay?" Ich blinzelte ein paar Mal und sah unsicher zu Jaehyun, als auch mein Sitznachbar seinen Kopf zu mir drehte und unsere Augen sich trafen. Schnell brachen wir den Blickkontakt ab und sahen zu Yuta.
"J-Joa, warum nicht?" stotterte ich und griff nach der Wasserflasche in meinem Rucksack, um einen Schluck zu trinken und der peinlichen Situation aus dem Weg zu gehen. Jaehyun setzte sich währenddessen nur aufrecht hin und tat genauso unwissend wie ich.
Yuta blieb allerdings weiterhin misstrauisch und sah zwischen uns hin und her. Was ich jedoch nicht erwartet hatte, war sein nächster Satz.
"Ihr seht so aus als ob irgendwas Merkwürdiges zwischen euch abgeht..
Seid ihr beide gay oder so?"
Ich verschluckte mich augenblicklich am Wasser und spuckte versehentlich einen Teil davon aus, während Jaehyun sich, sichtlich irritiert von Yutas plötzlicher Frage, räuspern musste. Obwohl alle am Tisch in ihre Gespräche vertieft gewesen waren, hatte der Japaner es geschafft, jeden Einzelnen seine Worte hören zu lassen. Somit lagen also alle Augen und Ohren auf Jaehyun und mir.
Peinliche Stille.
Als ich gerade, immer noch sprachlos und errötet, überlegte, wie ich Yuta am deutlichsten klarmachen konnte, wie falsch er mit seiner Vermutung lag, verließ Jaehyuns Lippen jedoch eine Antwort, die mein Gesicht noch mehr glühen ließ und das Fass definitiv zum Überlaufen brachte.
"..was, wenn wir es wären?"
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well that escalated quickly
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trust issues - jaeyong
FanfictionAufgrund seiner schweren Vergangenheit verspricht Taeyong sich selbst, sich nie zu verlieben, um nicht verletzt zu werden. Als sein Leben grauer und trostloser nicht sein könnte, tritt plötzlich ein Junge in sein Leben, welcher dieses komplett auf...