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Nachdem ich den gesamten gestrigen Tag damit verbracht hatte, mir alle zweifelhaften Gedanken zu Jaehyun aus dem Kopf zu schlagen, war Marks und Yutas Verschwörungstheorie wieder genauso schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht war.

Zwar spukte die angespannte Situation von uns im Flur immer noch in meinem Kopf herum, doch vermutlich waren wir nach dem Chaos davor einfach etwas durcheinander gewesen.

Auch wenn Mark und Yuta versucht hatten, mich davon zu überzeugen, dass Jaehyun bereits deutliche Zeichen von sich gegeben hatte, glaubte ich ihnen nicht.

Er hatte doch nicht einmal einen Grund, mich interessant zu finden.

Außerdem war es sowieso für alle besser, würde da nichts sein.
Es war allein ein Wunder, dass ich Jaehyun in meinem Freundeskreis inzwischen akzeptierte, doch mehr als Akzeptanz? War ich dazu überhaupt in der Lage?

Vermutlich deuteten Mark und Yuta alles falsch und ich machte viel Wind um gar nichts.

Jaehyun war eben ein beschützerischer, sorgsamer Mensch, das hatte ich doch von Anfang an gewusst. Er würde sich bei anderen vermutlich genauso bemühen wie bei mir.

Es war alles in Ordnung zwischen uns, es ging mir bestens.

Und trotzdem saß ich hier an unserem Tisch in der Cafeteria und schlürfte unsicher ununterbrochen meine Erdbeermilch, als meine Freunde nach und nach aufstanden und schließlich nur noch Mark, Jaehyun und ich aufgrund unserer jetzigen Freistunde zurückblieben.

Die beiden unterhielten sich momentan nur über irgendwelche westlichen Essensgerichte, doch während ich stumm blieb, spürte ich zwischendurch, wie Jaehyun mehrmals zu mir sah und mich für eine Weile musterte.

Mein Blick ging hingegen nur ins Leere und ich überlegte, wie ich mich nun ihm gegenüber verhalten sollte, um die merkwürdige Situation von gestern einfach abzuhaken.

"Tae?" riss Mark mich lachend aus meinen Gedanken und deutete auf die Milchpackung in meiner Hand.

"Meinst du nicht, die ist langsam alle?"

Erst jetzt viel mir auf, dass ich die letzten Sekunden aus der schon längst leeren Box geschlürft hatte.

Ich entfernte meine Lippen von dem Strohhalm und räusperte mich ertappt.
"Sorry" brachte ich kleinlaut heraus und Jaehyun, welcher mir gegenüber saß, musste kichern.

Ich sah zur Seite und spielte mit meinen Händen, die ich auf dem Tisch abgelegt hatte.

Wieso war ich eigentlich so peinlich?

Als ich gerade davon ausging, dass die beiden ihr Gespräch nun wieder fortsetzten, spürte ich plötzlich eine ganz leichte Wärme auf meiner rechten Hand und richtete meinen Blick auf den Tisch vor mir.

"Taeyong," begann Jaehyun, dessen Hand gerade tatsächlich meine berührte oder eher leicht streifte, vor Mark, mitten in der Cafeteria.

Ungläubig sag ich zu ihm auf und bereute es fast schon wieder, als seine dunkelbraunen Augen mich erneut so fokussiert musterten.

"Alles in Ordnung? Du wirkst abwesend"

Mein Handrücken begann, zu kribbeln und ich versuchte, die aufkommende Hitze in meinem Gesicht zu ignorieren: "J-Ja, alles okay"

Jaehyun runzelte die Stirn. "Bist du sicher? Ist irgendwas passiert, ist es wegen Jooheon?" - "Nein, e-es ist wirklich nichts passiert!"

Mein Gegenüber zögerte. "Hey, aber wenn noch etwas ist.. Du.. Weißt, dass du mir vertrauen kannst, oder?" meinte er  mit ruhiger, tiefer Stimme und mein Herz blieb für einen Moment stehen.

trust issues - jaeyongWo Geschichten leben. Entdecke jetzt