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"Wir müssen überlegen, wo er überall sein könnte." Dann fiel mir der alte Spielplatz ein vor dem geschlossenen Kindergarten. Ob man auch dort ins Haus kommt?

"Sagt mal, kennt ihr ... oder besser wusstest ihr, dass er ein Platz hat, wo er seine Aggressionen ablässt? Nach seinem Spruch, hier kann man gut seine Wut ablassen, muss er schon öfter da gewesen sein."

"Und wo soll das sein?"

"Ein alter Kindergarten. Ich habe den Namen nicht mehr erkannt. Ist circa fünfzehn bis zwanzig Minuten von hier entfernt."

"Das Piñatas."

"Ja. Das würde zu den restlichen Buchstaben passen. Warte mal. Du kennst den?"

"Naja. Ich kenne die Gegend von früher. Ich war schon paar Mal hier. Nicht so wie Mason."

"Gut Kay. Dann lauf voraus. Und wehe du lässt uns im Stich."

"Nein. Das würde ich nicht. Ich bin dir was schuldig. Und ... will, dass du mir vertraust. Tut mir leid, dass ich so viel Scheiße baue. Ich überlege manchmal einfach nicht."

"Das solltest du dir aber angewöhnen!" Irgendwie unheimlich, dass er so war. Ich kannte ihn nur als Großkotz und immer mit einem dämlichen Spruch auf Lager.

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Am Kindergarten angekommen, wollte ich sofort rein. Aber Kaylin hielt mich auf.

"Warte. Nicht so voreilig. Ich weiß ja nicht ob uns jemand verfolgt. Die Leute vom Scream suchen ihn doch. Und ich ..."

"Ja." Grinste Cody gehässig.

"Ja, die scheinen dir auch gedroht zu haben nicht wahr?"

"Ja. Sie wissen, dass ich das angezettelt habe. Und das Mason mein Bruder ist. Ich soll meinen Bruder ihnen aushändigen, sonst bin ich dran. Aber ... das kann ich nicht."

Wenigstens eine gute Seite an ihn. Also muss er sein Bruder doch irgendwie lieben.

"Ist doch jetzt egal! Die wissen jetzt eh wo wir hin wollen, wenn sie uns verfolgen. Ihr bleibt draußen und bewacht vorder und Rückseite des Gebäudes. Kay du kommst mit zum Hinterhof und bewachst den. Da solltest du auch sicher sein."

"Sollte ich nicht ..."

"Nein Cody. Er will sich beweisen. Und da ich ihn nicht vertraue, dass er einfach abbaut, kommt er mit." Unterbrach ich Cody. Denn ich wusste sofort, was er wollte.

Er nickte etwas widerwillig und sichtbar genervt, tat aber mir den Gefallen.

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Am Hinterhof sah ich schon ein Indiz, das er hier sein musste. Blut. Und es war relativ frisch. Vielleicht ein paar Stunden alt. Dann suchten wir ein Eingang. Vorne war es ja komplett zu. Wenn da nichts wäre, wäre er eh nicht hier.

"Ich hab was!" Kaylin wank mich zu sich.

"Hier ist auch Blut. Er scheint verletzt zu sein. Oder ist es von dem Typen, den er ..."

"Halt die Klappe!" Dann schaute ich mir die Öffnung an. Da würde wirklich ein Mensch durchkommen. Und auch ein Mann wie Mason. Es war eine kaputte Luke, die in den Keller führte. Viel Geröll außenrum und stark überwuchert. Kaum zu sehen.

"Ich geh rein. Pass hier auf." Ich wollte nicht mehr warten und kletterte in den alten Keller. Hoffentlich ist er hier, - war mein Gedanke.

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Als ich durch den Keller durchlief und im Hauptgebäude stand. Sah ich erst mal kaum was. Ich schlich durch den Flur, in dem ich stand. Geräusche von Ratten und Käfern waren zu hören. Ich schaute in einige Räume, aber nirgends war was zu sehen von Mason.

"Mason?" Rief ich einmal leise und unsicher. Ich hatte panische Angst. Es war echt gruselig. Dann hörte ich was von der Treppe. Irgendwas rumpelte. Ich erschrak und ließ einen kleinen Schrei von mir. Dann hielt ich mir die Hände vor dem Mund und nahm allen Mut, zusammen dort rauf zu gehen. Langsam trat ich auf die Stufen. Knurrend trugen sie mich Stück für Stück bis nach oben.

"Mason. Bitte." Wimmerte ich ängstlich.

Dann hörte ich wieder, was und als ich um die Ecke trat, wurde ich gepackt und in einen Raum gerissen. Ich wollte schreien, aber mir wurde der Mund zugehalten. Etwas unsanft wurde ich gegen die Wand gepresst. Dann starrte ich in seine wunderschönen Augen.

"Mason!" Ich fiel ihm förmlich um den Hals und Tränen vor Erleichterung und Freude strömten über meine Wangen.

"Prinzessin ... woher ..."

"Ich habe daran gedacht, was du gesagt hast." Lächelte ich ihn an. Als ich ihn so ansah, sah ich dann aber, dass er eine Platzwunde hatte und das Auge angeschwollen. Er schien sich auch die Hand verletzt zu haben, sie war provisorisch verbunden.

"Mason, du musst zu einem Arzt." Aber er hörte nicht. Er drückte mich fest an sich und ich hörte Verzweiflung in seinen folgenden Worten.

"Es tut mir leid. Ich bin nicht das, was ich vorgab. Das, was du dir erhoffst. Ich bin ... nicht gut für dich. Ich habs dir gesagt!"

"Du brauchst nur Hilfe. Eine andere Umgebung. Jemand der ... du ..." Ich hielt kurz inne und dann erfasste ich sein Gesicht. Sanft lächelte ich ihn entgegen.

"Nein Mason ... ich muss mich entschuldigen. Ich konnte dir einfach nicht helfen. Ich bin die, die eher nichts für dich ist. Aber ich gebe dich nicht auf. Ich werde es versuchen. Weiter und weiter ... denn ... ich Lie..."

Aber er unterbrach mich mit einem Kuss. Das brachte mich noch mehr zum Weinen. Ich will nicht, dass er so redet. Das er einfach bei mir bleibt.

"Es tut mir leid. Das wird der letzte sein." Sprach er mit viel Trauer in seinem Blick. Ich wusste, es war ein Abschied und das machte mich mehr als traurig. Ich wollte das nicht und redete mich wieder in Rasche.

"Was? Nein. Du willst mich doch nicht verlassen? Wir packen das!. Ich weiß, das es so ist ... du bist stark. Und ich kann dir helfen ... irgendwie .. ich meine ..." Er legte wieder eine Hand auf meinen Mund und lächelte.

"Ich hoffe ... Ich will, das du bei Cody bleibst. Ich werde gehen. Versuchen mich zu ändern. Für dich. Ich will noch nicht aufgeben. Ich will dich nicht enttäuschen. Ich liebe dich. Aber ich kann es einfach nicht. Du gehörst zu ihm.

"Wer? Wer soll dir denn helfen? Wenn es nicht mal die Liebe schafft. Wo willst du hin?" Schluchzte ich.

"Ich bin näher, als du denkst." Dann lief er fort. Er war schneller unten, als ich reagieren konnte. Ich lief hinterher, aber fiel einmal hin. Ich kam auf dem Arm auf, den ich mir vorher schon verletzt habe und blieb kurz liegen. Dann weinte ich und wusste nicht, was ich tun sollte. Ich war vollkommen verzweifelt und schrie einmal aus vollem Herzen. Das muss Kaylin gehört haben.

"Mäuschen? Wo bist du?"

Ich antwortete nicht, aber mein Schluchzen zeigte ihm den Weg. Er hockte sich neben mich und wollte mich aufheben, aber ich schlug auf ihn ein. Wut, Trauer und Verzweiflung vermischten sich. Als er aber schaffte, meine Hände abzufangen, drückte er mich an sich.

"Ich hab ihn gesehen, er rannte mich förmlich um. Ich gehe aber mit. Ich verspreche, ich pass auf ihn auf. Für ihn. Für dich. Das bin ich dir auch noch schuldig. Zum Termin erscheine ich natürlich."

Dann schluckte er kurz schwer und schien echt bedrückt zu sein.

"Ich ... ich habe nie jemanden umgebracht. Oder gesehen, wie es jemand tut. Es ... ich muss Mason wirklich helfen. Es tut mir leid, dass es so gelaufen ist."

Ich vertraute ihm noch nicht, aber musste es so hinnehmen. Er schien wohl nur ein Möchtegern zu sein. Große Klappe nichts dahinter. Wahrscheinlich war es nicht nur das Erlebnis mit dem toten Kerl. Auch, dass er zwischen Fronten geriet, hat ihn wohl angst gemacht. Dann muss er vorher immer Glück gehabt haben.

Nach dem ich mich beruhigte, half er mir hoch, um endlich aus dem alten Gebäude zu entfliehen. Ich musste auch mit Cody reden. Ich war gespannt, was er von allen hielt.

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