16: Peinlichkeiten.

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Übermüdet quäle ich mich am nächsten Morgen um 06:45 Uhr aus dem Bett. Die Schlummertaste meines Handyweckers wurde schon dreimal immer abwechselnd von Jakob und mir betätigt, da keiner von uns aufstehen will.

Als der Wecker um 06:50 Uhr wieder klingelt und ich immernoch auf dem Bett sitze, schlage ich die Bettdecke zur Seite. Wenigstens schon ein Schritt mehr.

Ich schaue zur Seite. Weiter als Jakob bin ich alle mal. Schlafend liegt er auf seinem Bauch und es sieht nicht so aus als hätte er vor heute noch aufzustehen.

"Jakob..." Mit einem kleinen Schubser versuche ich ihn zu wecken. Keine Reaktion. "Wir müssen aufstehen Jakob!"  Versuche ich es erneut. Vergebens.

Seufzend schubse ich ihn noch einmal, nur leider ohne meine Kraft zu Kontrollieren.

Mit einem Mittellauten Wumms fällt er auf den Boden und fängt an laut zu brummen. "Das hast du mit Absicht gemacht...!" Nuschelt er verschlafen und setzt sich auf.

"Stimmt doch gar nicht." Lüge ich ihm vor obwohl es sehr wohl Absicht war. "Jetzt steh auf!"

"Jaja." "Jaja heißt Leck mich am Arsch!" "Versuchs doch!" Grinsend steht er auf und schlendert ins Bad. "Halt aber- Ich wollte zuerst gehen!!"

Lachend macht er die Tür hinter sich zu. Kurz darauf höre ich die Klospülung und gleich darauf das rauschen der Dusche.

Nach zwei Minuten stehe ich endgültig auf und bahne mir meinen Weg zum Kleiderschrank. Wie kann nach nichtmal zwei Tagen schon so viel Unordnung entstehen?

Für alle die noch verwirrt sind wieso wir so früh morgens aufstehen, wir haben eine Fahrt zum Great Barrier Reef plus Tauchen gebucht und das Boot fährt um 08:00 Uhr los.

Als ich was passendes gefunden habe, schäle ich mich aus meinem Schlafanzug. Geduscht habe ich gestern Abend schon deswegen muss das nicht mehr erledigt werden.

"Oh... sorry... das-... ich-... woah..."

Geschockt drehe ich mich um. Jakob steht in der Badtür nur mit einem Handtuch bekleidet. Ich starre ihn an. Er starrt mich an. Ich starre ihn an. Oh verdammt wie ich ihn anstarre! Warte was?! Wir starren uns an! Länger als dass man noch behaupten könnte es wäre unabsichtlich gewesen! So ein Mist auch! Wieso muss alles an ihm perfekt sein?

Er hat zwar keine besonder auffälligen Muskeln beziehungsweise keinen krassen Sixpack aber dennoch ist deutlich zu sehen, dass er nicht sehr unsportlich ist.

Sein Hautton gleicht einer Mischung aus Sand und Vollmilchschokolade.

Als ich versuche wegzuschauen bleiben meine Augen an seiner mit feinen Härchen besetzten V-Line hängen.

Du musst aufhören Louisa! Aufhören! Sofort!

Ich schüttle meinen Kopf und schaue in sein Gesicht, wobei ich merke, dass er auch die ganze Zeit gestartet hat.

Knallrot wie Oma's Erdbeermarmelade drehe ich mich zum Schrank, ziehe mir schnell das T-Shirt über und schlüpfe in die Hose. Dann drehe ich mich wieder um.

"D-das tut mir sehr leid, Lou... ich ähm- ich hab meine Hose vergessen-... deswegen..." Auch verdammt rot schnappt er sich seine Hose und verschwindet wieder im Bad.

Heiliges Auberginenmuß Was war da denn bitte los.

Als er aus dem Bad kommt huschen ich schnell an ihm vorbei um mir die Zähne zu putzen und noch schnell auf die Toilette zu gehen bevor wir los müssen.

Ich verlasse das Bad und kaum stehe ich im anderen Raum wird etwas weiches auf meine Lippen gedrückt. Konsistenz: Weich wie Kissen aus Samt. Geschmack: Zahnpasta und Kaffee.

Lächelnd erwidere ich den Kuss während meine Hände wie von alleine auf seine Schultern wandern. Seine rechte Hand streicht eine meiner losen Haarsträhnen hinter mein Ohr. Er grinst.

"Ich musste dir noch sagen wie gut du aussiehst"

Ich lache leicht. "Danke"

Zum Glück hatte ich vorhin mein Shirt halbwegs vor meiner Brust, wenn nicht hätte er meine ganze Narbe gesehen.

"Immer wieder gerne, kleine Lou! Und jetzt komm Schneewittchen! Es ist schon halb acht und wir müssen noch den Hafen, oder wo auch immer das Boot losfährt, finden!"

Enthusiastisch reißt er die Tür auf. "Ich will deine Begeisterung ja nicht drosseln aber vielleicht sollten wir an Handys, Geld, Schlüssel und den ganzen anderen unwichtigen Kram denken!" Meine ich halb sarkastisch, halb belustigt, schnappe mir seinen Rucksack und setze ihm seine Baseballcap auf.

Schmollend schaut er auf den Boden. "Ich wollte nur heiß sein!"

Jetzt ist es endgültig vorbei. Lauthals lache ich los und, glücklicherweise, lässt Jakob sich mitreißen.

Man sagt immer die besten lachanfälle sind die bei denen man fast stirbt weil man keine Luft mehr bekommt. Das mag stimmen. Aber nur bei gesunden Menschen.

Mein Herz fängt an wild zu schlagen und gegen meinen Brustkorb zu pressen. Augenblicklich höre ich auf zu lachen und schnappe nach Luft, was immer schwerer zu funktionieren scheint.

Meine Augen Tränen, mein Körper schwitzt, meine Hände zittern. Meine rechte Hand drückt auf mein Herz als wolle sie es am rauskriegen hindern.

Ich bin so fokussiert nicht aufzugeben, dass ich nicht merke wie Jakob die ganze Zeit meinen Namen flüstert, meine Hand hält und mich verzweifelt ansieht.

Mittlerweile bin ich zu Boden gerutscht an den Türrahmen gepresst. Erleichterung steigt in mir auf als ich merke wie meine Atmung wieder langsamer wird und mein Herz aufhört um Hilfe zu schreien.

Zwei Minuten später kann ich wieder normal atmen. Ich wische mir den Schweiß von der Stirn und atme tief durch.

"Oh scheiße..." Murmelt Jakob vor mir. "Wir müssen besser aufpassen Lou..." Ich nicke. "Meinst du du schaffst das jetzt heute oder sollen wir das absagen?"

Ich schüttle den Kopf. "Das wird schon." "Bist du dir sicher?" Ich nicke. Das ist zwar gelogen aber ich werde sicherlich nicht einen ganzen Tag im Bett liegen wegen nur einem Anfall! Das habe ich mein Leben lang gemacht!

Langsam stehe ich wieder auf. Ein kurzer Stich durchfährt mein Herz, das war es dann.

Jakob drückt mir einen Kuss auf die Stirn und setzt mir seine Cap auf. Dann nimmt er meine Hand, geht mit mir nach draußen und schließt unsere Tür zu.

"Na dann wollen wir mal die Fähre finden." Lächelt der Traumtyp mit dem Wuschelkopf mich an.

Immernoch leicht benommen von meinem Anfall lächle ich zurück und folge ihm ohne weiteres nach draußen.

𝐴𝑢𝑓 𝑀𝑖𝑐ℎ 𝑊𝑎𝑟𝑡𝑒𝑛 𝐷𝑖𝑒 𝑆𝑡𝑒𝑟𝑛𝑒 ✔︎Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt