Kapitel 22

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Kein Wecker klingelte. Das wunderbare Gefühl einfach liegen bleiben zu können, auszuschlafen und alleine im eigenen Zimmer zu sein war kostbar.
Irgendwann stand ich getrieben von Hunger und gequält von einer vollen Blase auf und machte mich fertig. Auf dem Weg vom Badezimmer zurück im mein Zimmer begegnete ich meiner Mutter auf dem Flur.

>>Guten Morgen Mum<< ich drückte ihr einen Kuss auf die Wange.

>>Ah guten Morgen Zoe! Der Tisch ist schon gedeckt, ich mach gleich die Bohnen warm und dein Vater brät Spiegelei dazu, ich hoffe du hast Hunger?<< fragte sie.

Ich nickte eifrig.

>>Magst du sonst noch irgendetwas, außer das übliche?<< ergänzte sie.

>>Ein Apfel wäre perfekt, ansonsten bin ich glücklich<< antwortete ich und verschwand in dann in mein Zimmer.

Ja ein Apfel wäre perfekt, aber von glücklich war ich grad weit entfernt. Trotzdem versuchte ich mich auf die Zeit mit Mino zu fokussieren, denn er hatte sich schließlich auch gefreut und ich wollte ihm nichts vermiesen. Die Minuten, die mir blieben bis das Frühstück fertig war nutzte ich für einen Rundgang durch das Apartment. Natürlich war ich hier aufgewachsen, jedoch war es auch stets interessant zu entdecken, was sich alles verändert hatte. Im Büro, welches hauptsächlich von meinem Vater genutzt wurde, stieß ich auf ein neues Bild. Es war eine grandiose Fotografie der Bibliothek von Dublin. Mein Vater war fasziniert von Bibliotheken auf der ganzen Welt und hatte diese Faszination auf mich übertragen. Andere besuchten Kirchen auf ihren Urlaubsreisen, wir erfragten uns jedes Mal den Weg zu einer ansehnlichen Bibliothek. Dies erklärte auch, wieso man bei uns in fast jedem Raum ein Regal, teils groß, teils klein, gefüllt mit Büchern vorfand. Viele hatte ich bereits selbst gelesen und verfügte über eine stolze Menge, aber meinen Vater einzuholen würde definitiv noch einige Jahre beanspruchen. Ich strich über die Buchrücken der Bücher im Regal neben dem Bild. Hier fanden sich neben fachlichen Werken für seinen Job auch Geschichtsbücher sowie einige Kochbücher. Unter anderem das alte Buch seiner Mutter, meiner Oma. Nach ihrem Tod hatten es die beiden Brüder vermacht bekommen und Charles überließ es seinem Bruder. Aus diesem alten, man könnte fast sagen zerfledderten, Buch, welches handschriftliche Rezepte beinhaltete, nahm mein Vater beispielsweise das gestrige 'Irish-Stew'. Gerade als ich es mir noch kurz mit einem Buch über die industrielle Revolution und ihre Konsequenzen im Sessel gemütlich machen wollte rief mich meine Mutter aus der Küche. Ich stellte das Buch zurück und machte mich auf den weg.

Während wir uns über das Frühstück hermachten erzählte meine Mutter von den neuen Läden, die in unser unmittelbaren Umgebung neu eröffnet hatten.

>>Ach Zoe, erinnere mich dran, dass ich dir gleich noch Geld gebe. Du und Mino ihr sollt schließlich weder verhungern noch euch langweilen!<< sagte sie dann.

>>Danke, aber um Spaß zu haben brauchen wir sicherlich kein Geld Mum.<< ich lächelte in Gedanken daran wie Mino und ich uns für jeden kleinsten Stein im Park oder witzig laufende Taube faszinieren konnten.

Langweilig wurde uns tatsächlich nie. Selbst dann nicht, wenn wir einfach nur nebeneinander herliefen, die Menschen um uns herum beobachteten und schwiegen.

>>Ach das weiß ich doch, nimm es aber bitte trotzdem.<< erwiderte sie. >>Als ich gerade die Zeitung von unten geholt habe bin ich übrigens Heather und James begegnet. Sie sind die neuen Nachbarn, Zoe. Die beiden schienen ihren morgendlichen Spaziergang schon hinter sich zu haben.<<

Morgendlicher Spaziergang. Das hörte sich nach einem spießigen Ritual an.

>>Was machen sie denn beruflich?<< fragte ich aus reiner Neugierde.

Thoughts - Wenn die Liebe anders denkt (gxt) (GirlxTeacher)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt