Langsam schlenderte ich den Weg zum Aussichtspunkt hinauf, den wir zuvor mit dem Bus gefahren waren. Oben angekommen sah ich erneut auf meine Uhr die exakt den vereinbarten Zeitpunkt anzeigte. Ich setzte mich auf eine Bank unter einem Baum und wartete. Immer wieder sah ich mich um, blickte den Weg hinab auf der Suche nach Jenny.
Irgendwann, nach einer halben Stunde gab ich auf, ich starrte nur noch auf die Brücke, die sich vor mir erstreckte und fragte mich, ob Jenny mich nur hereingelegt hatte um zu schauen, wie sehr ich das tat, was sie sagte und wie naiv ich doch war. Oder hatte sie schlicht und ohne Hintergedanken unsere Verabredung vergessen?
Es machte mich traurig hier so alleine zu sitzen, als einzige gerade mit niemandem reden zu können. Vorhin am Hafen war es mir egal, da hatte die Vorfreude auf jetzt gesiegt. Doch was genau war denn jetzt? Mein mittlerweile fast einstündiger, still-stummer Monolog?
Gerade als ich aufstehen und umkehren wollte. Setzte sich jemand außer Atem neben mich. Jenny. Ich wusste nicht ob ich jetzt wütend darüber sein sollte, dass sie mich sitzen gelassen hatte oder eher besorgt über die Gründe ihrer Verspätung.
Jenny drehte sich zu mir und nahm meine Hand, ich schätzte sie sah mir meine Enttäuschung in gewisser Weise an.
>>Hör zu Zoe, es tut mir unglaublich Leid, dass ich so spät komme, aber...<< sie pausierte, da ich sie einfach nur ansah ohne eine wirkliche Regung zu zeigen und nutzte die Zeit um, noch immer nach Luft schnappend, einzuatmen.
>>Aber?<< wiederholte ich.
>>Aber ich habe Maikel gesagt, er solle mir um kurz vor acht Bescheid sagen, da ich verabredet wäre. Das hat er aber vergessen und deshalb bin ich zu spät.<< rechtfertigte sie sich und schaute mich erwartungsvoll an.
>>Tss, vergessen<< spottete ich, wohlwissend, dass es nicht Jennys nur Schuld war, ich es aber an ihr ausließ. Naja, im Grunde war es ihre Verantwortung auf die Zeit zu achten, aber ich war ihr ungern böse.
>>Zoe bitte. Es tut mir doch leid was soll ich noch sagen. Ich bin den ganzen Weg hierher gerannt, sie mich doch an.<<
Erneut musterte ich sie und tatsächlich sah sie aus als wäre sie soeben einen Marathon in ungeeigneter Kleidung gelaufen. Trotz ihrer ausgeprägten Sportlichkeit, war sie wirklich außer atem. Ich weiß nicht was in dem Moment in mich gefahren war, woher ich den Mut nahm, aber ich hob die Hand, die sie zuvor noch gehalten hatte und strich ihre Haare wieder glatt, richtete sie an Ort und Stelle. Jenny lächelte und drehte sich ebenfalls zur Brücke.
Einige schweigende Minuten vergingen, doch ich merkte, wie Jenny scheinbar auf einemGedanken kaute.
>>Weißt du Zoe. Ich habe es mir geschworen, damals.<< Jenny starrte geradeaus.
>>Was geschworen?<< fragte ich.
>>Als ich angefangen habe als Lehrerin zu arbeiten und sogar schon im Studium, da habe ich mir geschworen mich nie in einen Kollegen zu verlieben, oder gar in einen Schüler.<< sie seufzte, als würde sie letzterer Gedanke anekeln.
Ich wusste dergleichen würde sie sagen, früher oder später hätte sie mir so oder so erzählt, dass sie sich in Mr 'ich bekomm sie alle' Densham verliebt hatte. Mir ihrer, 'wir haben uns etwas angefreundet', Schülerin konnte sie sowas ja erzählen.
>>Weißt du Zoe, das macht alles nur so unglaublich kompliziert. Bei Schülern ist es sogar verboten, bei Kollegen nur nicht gern gesehen.<< fuhr sie fort.
Kaum hielt ich es noch auf meinem Platz. Ich wollte eigentlich nur weg um nicht gleich in Tränen auszubrechen wie ein kleines Kind. Jenny sah mich als gute Freundin, der sie so etwas erzählen konnte, das war nett, aber nicht, was ich wollte. Ich drehte mich zu mir, spürte den Kloß in meinem Hals.
DU LIEST GERADE
Thoughts - Wenn die Liebe anders denkt (gxt) (GirlxTeacher)
RomantikaEine Liebesgeschichte zwischen einer Schülerin und ihrer neuen Lehrerin. Doch kann das überhaupt funktionieren? Jenny Blake ist die neue Klassenlehrerin von Zoe und ihren Mitschülern, die gemeinsam ein Internat am südlichsten Zipfel Englands besuche...
