Kapitel 3

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Ein etwas längeres Kapitel über den Anfang eines interessanten ersten Schultages :) viel Spaß beim lesen!


„Fahr mal schneller du lahme Ente!" meckerte ich meinen besten Freund an. Wir waren auf dem Weg zur Schule und Maxi war mit dem Rad und ich mit dem Skateboard unterwegs. Ich hielt mich provisorisch an seinem Gepäckträger fest und ließ mich vom ihm ziehen, da wir schon relativ spät dran waren und ich mit dem Board einfach lange nicht so schnell war, wie er mit dem Fahrrad. In dem Tempo das er gerade fuhr, wäre ich aber wohl sogar zu Fuß schneller gewesen.
„Halt bloß den Mund dahinten!" prustete er und ich lachte.
„Puh, da sind wir. Leg das Board einfach hinter den Busch da, da findet es keiner." sprach Maxi, als wir die Schule erreichten. Ich tat wir mir geheißen.
„Die nächsten Tage fährst du schön selber Fahrrad. Das war echt sau anstrengend!" schnaufte Maxi und wieder lachte ich ihn aus. „Jaja, mal sehen ne." Er verdrehte die Augen.
„So." ich sah auf meine Uhr. „7:55. Wir sollten uns vielleicht beeilen." schlug ich vor und Maxi guckte erschrocken.
„Verdammte Axt, ich hab jetzt den Schröder! Der hackt mir jeden Finger einzeln ab wenn ich schon wieder zu spät komme!" fluchte er panisch.
„Kein Stress, ich finde den Weg ins Sekretariat schon alleine, sag mir nur in welche Richtung." beruhigte ich ihn.
„Ganz sicher?" fragte er misstrauisch und ich nickte.
Schnell erklärte er mir den Weg und verabschiedete sich mit den Worten: „Viel Erfolg! Vielleicht hast du ja Glück und du kommst in meine Klasse, ansonsten treffen wir uns bei den Tischtennisplatten,  ok?"
Ich nickte verstehend und machte mich selbst auf den Weg in die beschriebene Richtung. Die Schule war viel kleiner als meine alte in Afrika, dementsprechend fand ich mich auch schnell zu Recht. Beeilen tat ich mich trotzdem, auf einen schlechten Eindruck direkt am ersten Tag konnte ich gänzlich verzichten.
Vorsichtig klopfte ich an die Tür, welche mit ,Sekretariat' beschriftet war. Eine freundlich aussehende Dame bat mich herein und hieß mich herzlich in der Schule willkommen. Sie war wirklich freundlich und erklärte mir erst den Aufbau der Schule und gab mir dann meinen Stundenplan für das erste Halbjahr. Dankend lehnte ich ihr Angebot, mich in die Klasse zu begleiten ab, ich wollte nicht direkt mit einem peinlichen Auftritt ins Halbjahr starten.
Freundlich bedankte ich mich nochmal für alles und marschierte in Richtung Raum 1.22, zur Klasse 9c. Als ich vor besagter Tür stand, wurde mir ein wenig mulmig zur Mute. Mein Selbstbewusstsein war plötzlich wie weggeblasen und insgeheim wünschte ich mir, Maxi hätte mir gesagt in welche Klasse er ging, dann hätte ich jetzt mit einer 1/3 Wahrscheinlichkeit gar keinen Schiss gehabt.
Ok, das schaffst du, sprach ich zu mir selbst, atmete noch einmal tief durch und klopfte dann an der Tür, nur um direkt danach einzutreten.
Ca. 30 Augen von Teenagern unterschiedlichster Arten glotzten mich an, dazu noch die des Lehrers. Er unterbrach die peinliche Situation erst nach ein paar Sekunden, in welchen ich verwirrt und überfordert in der Tür stand und probierte mit der Situation klar zu kommen. Ich verschaffte mir einen Überblick über die Klasse, konnte Maxis Gesicht aber nicht finden. Wäre ja auch zu schön und einfach gewesen.
„Ahhh, du musst Malemba sein! Komm rein, nicht so schüchtern, nicht so schüchtern, na los." sprach er aufmunternd.
Ich tat was er mir sagte und stellte mich vor die Klasse, der Lehrer tat es mir gleich.
„So liebe Klasse, das ist Malemba Nkulu, sie ist gerade erst aus Amerika hergezogen!" lächelnd sah er erst zur Klasse, welche mich immer noch anglotzte als wäre ich ein Alien und dann zurück zu mir.
„Afrika." sagte ich.
„Bitte was?"
Der Lehrer, dessen Namen ich noch nicht kannte, blickte verwirrt zu mir runter.
„Ich komme aus Afika." erläuterte ich meine Aussage.
Verdutzt blickte der Lehrer aus der Wäsche, fasste  sich dann aber wieder.
„Richtig, richtig, das habe ich wohl durcheinander gekriegt." er lachte unsicher.
Bitte lass ihn nicht sagen ich soll mich vorstellen, bitte lass ihn nicht sagen ich soll mich vorstellen, bitte, bitte, bitte...
„Willst du dich nicht mit ein paar Worten vorstellen? Damit die Klasse dich schonmal ein bisschen kennenlernen kann, vielleicht etwas über deine Hobbies oder so"
Um gottes Willen, mein Schicksal wollte mich heute wohl wirklich verarschen.
Genervt holte ich Luft und sagte:
„Hallo, ich bin Malemba, man nennt mich aber eigentlich nur Male. Ich bin zwar in Deutschland geboren, habe aber die letzten 13 Jahre in Afrika gelebt und"
„Wieso kannst du dann Deutsch?"
„Wieso bist du so blass, ich dachte in Afrika ist es heiß?"
Unterbrachen mich zwei, beide saudumm aussehende Mädchen in der zweiten Reihe.
„Nicht einfach reinrufen Cheyenne! Und das war eine sehr unhöfliche Frage Alina, also wirklich!" kommentierte der Lehrer empört, aber ich winkte ab.
„Ist schon in Ordnung, so dumme Fragen bin ich gewohnt." ich lächelte die zwei Tussen unfreundlich an „Ich bin auf eine deutsch und englischsprachige Schule gegangen und ich denke ich bin wohl einfach ein blasser Hautton? Keine Ahnung, auf jeden Fall fahre ich noch gerne Skateboard und spiele seit 10 Jahren Fußball." schloss ich meine Vorstellung ab und wieder rief jemand rein, diesmal ein dunkelhaariger Junge.
„Tut mir leid, der Pediküre-Fußball-Verband ist leider letztes Jahr pleite gegangen!"
Die Klasse lachte und ich schaute ihn böse an. Was ein Arschloch. Ich konnte eigentlich jede Art von Kommentar lustig beiseite schieben, aber so klischeehafte, sexistische Aussagen konnte ich bei Leib und Seele nicht ertragen.
„Gut, setzt dich da hinten in die letzte Reihe, ja? Ruhe bitte!" sprach der Lehrer, doch die Klasse ignorierte in komplett.  Er war wirklich maßlos überfordert, das konnte selbst ich, nach 5 min Aufenthalt schon erkennen. Trotzdem folgte ich seiner Anweisung und nahm in der letzten Reihe Platz, neben einem freundlich dreinblickenden Mädchen.
„Hey" flüsterte sie, während der Lehrer, dessen Name ich immer noch nicht wusste, mit dem Unterricht begann.
„Hey" erwiderte ich lächelnd. Sie war mir direkt deutlich sympathischer als die beiden Mädchen aus der 2. Reihe.
„Ich bin Vanessa, freut mich dich kennenzulernen."
Ich erwiderte ihren freundlichen Blick.
„Freit mich auch!" antwortete ich. „Sind die Mädchen da vorne wirklich so dämlich oder tun die nur so?"
Vanessa musste ein Lachen unterdrücken.
„Ich kenne die beiden schon seit der 5. Klasse und ich weiß es immer noch nicht!"
Auch ich kicherte jetzt.
„Eigentlich kann man gar nicht so dumm sein. Also das ist ja nicht möglich." fügte sie noch hinzu.
Wieder lachte ich.
„Du hast übrigens nen mega coolen Namen! Ist das afrikanisch?" fragte Vanessa interessiert.
„Das ist ehrlich gesagt ne lustige Geschichte."
„Na dann erzähl mal!" forderte Vanessa, also erzählte ich.

Wir quatschten noch die ganze Stunde über und ich fand einiges über Vanessa raus und sie auch über mich. Sie war wirklich lustig, ehrlich gesagt das erste Mädchen mit dem ich mich wirklich verstand, das war zumindest was mir mein  erster Eindruck bisher sagte, aber ich hatte wirklich ein gutes Gefühl bei ihr.
Sie erschien mir sehr ehrlich und war ganz begeistert als ich ihr von meiner verrückten Mutter und meinen Fußball Geschichten erzählte. Sie beichtete mir das sie Fußball auch cool fand, sich aber nie getraut hatte das zu sagen. Ich verstand das zwar überhaupt nicht, bot ihr aber an ihr ein paar Tricks beizubringen, was sie freudestrahlend annahm.
Es klingelte zur Pause.
„Willst du mit zu meinen Freunden kommen? Damit du nicht alleine bist?" bot mir Vanessa freundlich ab, aber ich schüttelte den Kopf.
„Danke für das Angebot, aber ich bin mit meinem besten Freund verabredet!"
Sie nickte verständnisvoll.
„Alles klar, dann bis später. Wir haben gleich in 2.14!" informierte sie mich noch und ging dann in die Pause.
Nachdem ich meine Sachen gepackt hatte folgte ich ihren Weg, vollkommen in Gedanken versunken. Das lief doch eigentlich echt gut! Gut, die beiden Tussen und der dunkelhaarige Junge waren jetzt nicht wirklich mein Fall, aber ich war zuversichtlich...
Plötzlich wurde ich aus den Gedanken gerissen, als sich jemand beim durch die Tür gehen an mir vorbeidrängte und mich damit zu Boden stieß. „Was zur.." schimpfte ich, als ich meine Sachen zusammensammelte und mich aufrichtete.
Ein paar Meter vor mir stand eben der dunkelhaarige Junge, der den dummen Kommentar über Mädchenfußball gebracht hatte. Er hatte mich geschubst! Böse funkelte ich ihn an, doch er wendete sich einfach ab ohne sich zu entschuldigen und lief in Richtung Pausenhof. Ich wurde direkt noch 3 Mal wortlos zu Seite gestoßen, weniger doll, aber trotzdem nicht unbedingt sanft. Die ersten beiden schenkten mir keinerlei Beachtung, sondern liefen dem dunkelhaarigen hinterher, als ob es um ihr Leben ginge. Nur der letzte, ein Junge mit erdbeerblonden Locken drehte sich im laufen noch einmal um und rief mir eine Entschuldigung zu. Immerhin.
Ich schüttelte den Kopf. Was zu Hölle war denn mit dieser Schule los?! Ich fasste mich wieder und ging in Richtung verabredeter Tischtennisplatte.

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