Die vier Freunde waren so eifrig darin vertieft Informationen über Riesenkraken zu suchen, dass sie die Zeit komplett vergaßen. „Wie lang hat die Bibliothek eigentlich geöffnet?", fragte James irgendwann, als er für einen Moment den Blick von einem äußerst aufschlussreichen Buch hob, in dem er einiges zu den Hauptnahrungsmitteln von Riesenkraken gefunden hatte. „Oh", bemerkte Sirius, der anscheinend gerade zum ersten Mal auf den Gedanken gekommen war, dass die Bibliothek nicht Tag und Nacht geöffnet war, „Keine Ahnung. Wir könnten ja die alte Pince fragen." „Sicher, dass das eine gute Idee ist?", fragte James zögernd, „Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie jede Art von menschlichen Lebewesen hasst, vor allem wenn sie unter 60 sind und es wagen zu reden." „Da hast du höchstwahrscheinlich recht, alle außer Remus", meinte Sirius und sah diesen vielsagend an. Der verdrehte die Augen und sagte dann grinsend: „Ihr seid vielleicht Helden - im Zug gegen Slytherins kämpfen und dann Angst vor einer Bibliothekarin haben!" „Geh und walte deines Amtes, junger Freund", wies Sirius ihn mit geschlossen Augen und hoch erhobener Nase an, während er mit einer Hand in die Richtung wedelte, in der sich ungefähr Madame Pinces Schreibpult befinden musste, an dem sie kleinlich darüber Buch führte, wer sich wann welchen Band auslieh. Remus schnaubte und machte sich auf den Weg. Er schob sich suchend zwischen den hohen Regalreihen hindurch, bis er Madam Pince entdeckte, tief gebeugt über eine ihrer zahllosen Listen. „Ähm, Verzeihung Madame Pince", begann er zögerlich. Sie hob den Kopf und zeigte, zu seiner großen Überraschung, den Anflug eines Lächelns, das ihre strengen Züge etwas seltsam aussehen ließ. Sieht so aus, als hätte Sirius recht gehabt, dachte James amüsiert, der das Geschehen durch einen Spalt zwischen den Büchern beobachtete, während Remus und fragte: „Können Sie mir sagen wann die Bibliothek heute schließt?" „Natürlich, heute bis sieben Uhr. Ihr habt also noch...", sie sah kurz auf ihre kleine Armbanduhr, „dreieinhalb Stunden Zeit." Sie hob den Kopf und zeigte nochmal ihr seltsames Lächeln, als Remus sich freundlich bedankte und sich auf den Weg zurück zu seinen Freunden machte. Sein Gesicht nahm plötzlich einen erschrockenen Ausdruck an und sobald er nicht mehr in Madame Pinces Sichtweite war, begann er zu rennen. „Leute!", flüsterte er eindringlich, sobald er um die Ecke gebogen war hinter der die anderen noch immer saßen und Riesenkraken studierten, „Es ist halb vier!" „Na und?", fragte Peter, aber James hatte begriffen was er meinte und sprang auf. „Verdammt!", rief er, „McGonagall wollte uns um drei unsere Stundenpläne geben!" Sirius fluchte und erhob sich so überstürzt, dass sein Stuhl umkippte und knallend zu Boden fiel. Da Madame Pince das zweifellos gehört hatte, hatten sie nun einen weiteren Grund zu rennen. Genau das taten sie. Dabei versuchten sie dann möglichst leise zu sein, allerdings nicht um Madame Pinces willen, sondern um ihrer selbst willen, da sie so die Hoffnung hatten, dass diese sie bei ihrer Flucht nicht würde aufhalten können. Da fiel ihnen auch erst auf, dass die Bibliothek von ihnen abgesehen leer war. Großartig, alle anderen waren in ihren Gemeinschaftsräumen und die Bibliothekarin hatte niemanden sonst auf den sie sich konzentrieren konnte. Sie erreichten die Tür, sprangen auf den Gang und ließen die Tür krachend hinter sich zufallen. Ohne anzuhalten, rannten sie direkt weiter, auf schnellstem Wege zum Gryffindor Turm.
Die Freunde sahen das Porträt von Weitem und gaben noch mehr Gas, während die anderen Gemälde an den Wänden sie missbilligend beobachteten. Schwer atmend kamen sie vor dem geheimen Zugang an und wollten der fetten Dame, schon ehe sie ihnen ihre Frage stellen konnte, das Passwort sagen, aber sie kamen nicht dazu, denn in diesem Moment schwang das Gemälde zur Seite und mit einem Mal stand ihnen Professor McGonagall gegenüber. Überrascht blickte sie auf die keuchenden Jungen vor ihr hinunter, hatte sich jedoch schnell wieder gefangen und setzte eine strenge Miene auf. „Guten Tag, Professor", brachte James hervor und versuchte seinen Atem unter Kontrolle zu bringen. „Guten Tag Mr. Potter, Mr. Black, Mr. Pettigrew, Mr. Lupin", antwortete McGonagall kühl, „darf ich fragen wo Sie herkommen und was so wichtig war, dass es Sie davon abgehalten hat Ihre Stundenpläne abzuholen?" Sirius, dessen Spezialgebiet anscheinend Ausreden waren, antwortete: „Wir wollten uns ein wenig auf den Unterricht vorbereiten und waren deshalb in der Bibliothek, da haben wir dann einfach die Zeit vergessen. „Tut uns wirklich leid, Professor", fügte Peter hinzu und McGonagall runzelte misstrauisch die Stirn und sagte: „Na gut...", gab sich aber keine Mühe ihre Skepsis zu verbergen. „Dann werde ich Ihnen nun Ihre Stundenpläne geben, aber Sie werden nicht noch einmal ein von Lehrern arrangiertes Treffen verpassen. Und nun richten Sie sich bitte auf den Beginn des morgigen Unterrichts ein oder... machen Sie weiter damit." Sie sah die Vier noch einmal skeptisch an und verschwand dann mit den Worten: „Einen angenehmen Tag noch" die Treppe hinunter. „Ihnen auch!", rief Peter über die Schulter. Sie reagierte nicht und er wandte sich wieder zu seinen Freunden um. „Seht mal", sagte Remus gerade und deutete auf den Stundenplan, „wir haben morgen gleich in der ersten Stunde Verwandlung mit McGonagall. Dann sollten wir nach diesem Auftritt gerade wirklich nicht verschlafen!" „Oh ja", stimmte Sirius zu, „am Ende zieht sie uns noch Punkte ab, die scheint mir nicht jemand zu sein, der irgendwen bevorzugt. Auch nicht ihr eigenes Haus." Die anderen nickten betreten. Peter verzog missmutig den Mund und sagte: „Ich fürchte wir müssen uns jetzt wirklich ein wenig vorbereiten. Am Ende fragt die uns morgen was und wenn wir dann keine Ahnung von irgendwas haben... Mit ihr sollten wir uns glaub ich besser nicht anlegen." „Da gebe ich dir absolut recht", murmelte James und dann schwiegen alle einen Moment, wie keiner von ihnen so recht wusste, was sie nun als nächstes tun gedachten. „Wollt ihr jetzt noch irgendwann rein oder habt ihr vor noch ein Weilchen da rum zu stehen?", unterbrach die fette Dame ihr Schweigen. „Achso, nein wir würden gern rein. Bittersüße Säuredrops.", sagte Remus entschuldigend und das schwere Bild schwang zur Seite.
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James Potter und die Rumtreiber - Der geheime Plan
FanfictionNichts gibt es in Hogwarts mehr als Geheimnisse. Einige davon sind mehr als erwünscht, andere nicht nur ebenso unerwünscht, sondern auch gefährlich... James Potters erstes Jahr in Hogwarts beginnt aufregend und soll auch so bleiben! Neben neuen Freu...