Vor lauter Aufregung über diese neue Errungenschaft, hätten die Jungen um ein Haar das Frühstück verpasst, das, wie alle Mahlzeiten zu dieser Zeit, an dem kleineren runden Tisch stattfand. Zum Glück waren alle freudig und ein wenig aufgedreht, denn es wäre James nicht geheuer gewesen, wenn Hawk durch ihre Aufregung bemerkt hätte, dass sich ein Umstand zu ihrem entscheidenden Vorteil geändert hätte. So aber fielen sie in der allgemein ausgelassenen Stimmung nicht auf. James war wahnsinnig glücklich, das war das mit Abstand beste Geschenk, das er je bekommen hatte und sie konnten es zurzeit mehr als gut gebrauchen, auch wenn er den beiden Bedingungen seines Vaters vermutlich nicht würde gerecht werden können – zumindest einer davon nicht. Auf jeden Fall beschloss er, seinem Vater später noch einen Brief zu schreiben, den er Edward mitgeben und ihn bitten würde, den Brief heimlich abzuliefern. Da spürte er auf einmal einen kurzen Stoß in den Rippen. Er wandte den Kopf und konnte gerade noch einen Laut der Empörung unterdrücken, als er Remus' Gesichtsausdruck sah. Er warf ihm einen kurzen, durchdringenden Blick zu und nickte dann leicht nach links, bevor er sich wieder seinem Brot mit Rührei widmete. Unauffällig folgte James seinem Blick. Was immer Remus ihm hatte zeigen wollen, war offensichtlich nicht für aller Augen bestimmt, obwohl es alle vor der Nase hatten. Und als sein Blick vorsichtig über die Mitglieder der kleinen Runde glitt, erkannte er auch schnell was Remus ihm hatte zeigen wollen. Narcissa stocherte auffällig lustlos in ihrem Essen. Immer wieder sah sie auf die Uhr, als warte sie darauf, dass das Essen endlich vorbei ging. Sie fühlte sich merklich unwohl und Anspannung ließ sie ihren schmalen Kiefer aufeinanderpressen. James senkte schnell wieder den Blick, bevor Professor Hawk oder einem von Narcissas Verwandten auffiel, dass er sie beobachtete. Kurz darauf huschte seine Aufmerksamkeit zu Hawk, einerseits um zu überprüfen, ob er seinen Blick bemerkt hatte und andererseits um zu sehen, wie er sich verhielt. An diesem Morgen war die Konversation etwas heiterer, da alle gut gelaunt und scheinbar zufrieden waren. Also fiel es nicht sehr auf, dass sich James in der Runde umsah, während er nach seinem Becher mit Kürbissaft griff. Er gab vor, einer angeregten Unterhaltung zwischen McGonagall und Flitwick zu lauschen, während sein Blick, als er den Kopf wieder auf seinen Teller senkte, bei Hawk landete. Bildete er sich das ein, oder war auch bei ihm eine gewisse Anspannung zu sehen? Auf jeden Fall versuchte er eindeutig Blickkontakt zu Narcissa herzustellen, aber diese hielt den Kopf weiterhin gesenkt. Missmutig kaute Hawk auf einem Stück Toast herum und gab es auf. James ließ sich währenddessen in keiner Weise anmerken, dass er etwas ungewöhnlich fand, sondern beschäftigte sich weiter mit seinem Essen. Unter dem Tisch, kickte er Sirius leicht vors Schienbein und rollte seine Augen kurz in Richtung Narcissa, während er den Kopf wandte um zu überlegen, was er sich als Nächstes auftat. Auch Sirius hatte schnell verstanden und machte unauffällig Peter neben sich auf sie aufmerksam – ein winziges Lauffeuer, eine leise Buschtrommel und schon wussten alle vier Freunde Bescheid, ohne dass sonst jemand etwas bemerkt hatte. Abwechselnd beobachteten sie Narcissa, Hawk und die anderen und James stellte fest, wie unterschiedlich das Verhalten der Beteiligten war. Narcissa zog sich nervös zurück, während sich Andromeda bergeweise Essen hineinschaufelte und Bellatrix ungewöhnlich viel Tischkonversation betrieb, wenn auch allein, da ihre Verwandten wohl zu angespannt waren, um ihr zu antworten. Das Frühstück schien nur einige Minuten gedauert zu haben, als das Essen wieder verschwand, sich alle erhoben und den Saal verließen. James, Sirius, Remus und Peter beeilten sich in den Gemeinschaftsraum zu kommen. Da aber auch die beiden verbliebenen Mädchen beschlossen hatten sich dort aufzuhalten (James hatte den leisen Verdacht, dass das mehr mit Sirius Anwesenheit, als der Gemütlichkeit des Raumes zu tun hatte), verzogen sich die Jungen kurz darauf in den Schlafsaal, den sie ganz für sich hatten. „Sie werden nervös", stellte James fest, sobald die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen war. Sirius nickte und sagte: „Was auch immer sie vorhaben, ich bin sicher sie werden nicht mehr lang damit warten." James sah den gespannten Ausdruck in Sirius Augen und erkannte, dass sein Freund aufgeregt war. Er fieberte dem Beginn des Plans geradezu entgegen. „Du freust dich darauf, kann das sein?", fragte James amüsiert. „Vielleicht ein bisschen", antwortete Sirius und grinste unschuldig. „Du bist echt seltsam manchmal", meinte Remus kopfschüttelnd und vergrub seine Nase in dem Buch, das James ihm geschenkt hatte. „Lass mich seltsam sein, ich freue mich einfach, dass ich diesen arroganten Vollidioten mal richtig eins auswischen kann!", ereiferte sich Sirius und klatschte voll Tatendrang in die Hände. „Wenn wir nicht vorher auffliegen und von der Schule fliegen oder von denen bemerkt werden und am Ende zu Du weißt schon wem verschleppt werden und wer auch immer das ist, ich glaube, dass ich nicht unbedingt scharf darauf bin Bekanntschaft mit ihm zu machen", fügte Peter hinzu und genehmigte sich zum Nachtisch ein paar Schokofrösche. „Peter, jetzt sei doch nicht so pessimistisch, wir wissen doch nicht mal was überhaupt vor sich geht, vielleicht ist es ja auch einfach irgendeine Verschwörer-Bewegung, die um die Häuser ziehen und Flugblätter über das Ende der Welt verteilen will!", wandte James ein und Sirius und Remus lachten. „Tja, wir werden es wohl bald herausfinden", antwortete Peter und zuckte die Schultern, während er sich einen letzten Schokofrosch einverleibte und dann die Schachtel in einen Mülleimer in der Zimmerecke warf. Die leere Packung flog gegen die Wand und landete dann auf dem Boden. Er fluchte leise und machte sich auf den Weg die Pappe in den Mülleimer zu befördern. James begann währenddessen im Kopf den Brief an seinen Vater zu formulieren. Er zog eines der Blätter hervor, die er extra für diesen Zweck mitgebracht hatte und begann zu schreiben.
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James Potter und die Rumtreiber - Der geheime Plan
FanfictionNichts gibt es in Hogwarts mehr als Geheimnisse. Einige davon sind mehr als erwünscht, andere nicht nur ebenso unerwünscht, sondern auch gefährlich... James Potters erstes Jahr in Hogwarts beginnt aufregend und soll auch so bleiben! Neben neuen Freu...