Zurück in Sirius' Zimmer ließen sie sich auf ihre Betten fallen und schreckliche Resignation machte sich breit. James spürte vor allem eine unglaubliche Wut in sich aufsteigen. Er würde von Hogwarts verwiesen werden. Für nichts! Er hatte kein Opfer gebracht, er hatte nichts erreicht, er würde einfach sang und klanglos verschwinden, weil er einen dummen, sinnlosen Fehler gemacht hatte. Aber die Wut, war besser als die Traurigkeit. Damit konnte er umgehen, sie kontrollieren und benutzen. „Vielleicht haben sie es in ihrem Zimmer", schlug er vor und begann im Zimmer auf und ab zu laufen, „Oder Sirius' Mutter hat es." „James", begann Remus vorsichtig, „Ich glaube nicht, dass wir es in drei Tagen noch einmal finden." „Wir müssen!", rief James und fuhr verzweifelt herum, „Wir müssen sie aufhalten, es... Es darf nicht alles umsonst gewesen sein, verstehst du?" Remus nickte niedergeschlagen. „Nichts wird umsonst gewesen sein", sagte Sirius plötzlich mit fester Stimme, „Wir kriegen sie dran, das verspreche ich dir, James." Aus irgendeinem Grund, fühlte James sich jetzt noch schlechter, aber er nickte langsam. „Was sollen wir tun?", fragte Peter und sah seine Freunde verzweifelt an. „Also zuerst-", begann Sirius, wurde aber von einem leisen Poltern unterbrochen. Auf einen Schlag waren sie alle mucksmäuschenstill. Das Geräusch war von unten gekommen, aus der Eingangshalle. Sie verständigten sich mit Blicken, Sirius zog den Tarnumhang hervor und sie alle schlüpften darunter. Ohne ein einziges Geräusch verließen sie das Zimmer und schlichen lautlos die Treppe hinunter. Dann sahen sie den Eingangsbereich. Im Licht eines Zauberstabes unten in der Halle, konnten sie den Schirmständer sehen, der am Ende des langen Ganges hinter der Haustür stand. Der Inhalt war auf dem Boden verteilt und eine schwarz gelockte Person bemühte sich hektisch alles wieder aufzuräumen. Eine leise Stimme fluchte im Dunkeln hinter ihr und murmelte etwas von wegen verfluchter Tollpatschigkeit und Inkompetenz. Dann wurde ein weiterer Zauberstab erleuchtet und Narcissa Black kniete sich neben ihre Schwester und half ihr, die verstreuten Gegenstände aufzuräumen. Als alles wieder eingeräumt war, richteten sich die beiden Schwestern auf. obwohl die Ähnlichkeit zu Bellatrix verblüffend war, war es anscheinend Andromeda gewesen, die den Schirmständer umgeworfen hatte. „Dummes Stück", grummelte Mrs. Black, die die Mädchen begleitete, ein letztes Mal und ging dann voraus auf die Treppe zu. „Tante, das Buch", verlangte eine Stimme aus der Dunkelheit, die eindeutig Bellatrix gehörte. „Angesichts von so viel Unfähigkeit, werde ich das denke ich selbst verwahren, bis ihr zurückfahrt. Zu eurem eigenen Wohl rate ich euch, euch wenn es darauf ankommt nicht so dämlich anzustellen. Denkt immer daran, der Dunkle Lord erwartet, dass ihr erfolgreich seid", tönte Walburga. „Es ist ein Schirmständer umgefallen!", rief Andromeda empört, „Wir haben immer alles richtig gemacht und wir werden euch vor allem wenn es darauf ankommt nicht enttäuschen." „Das will ich euch auch geraten haben", rief Walburga über ihre Schulter, ohne sich noch einmal zu den Schwestern umzudrehen. Haarscharf glitt die Frau an ihnen vorbei. Die Freunde unter dem Umhang hielten die Luft an und starrten durch den dünnen Stoff gebannt auf jede Bewegung, die Sirius' Mutter machte. Das kleinste Geräusch, die kleinste Bewegung könnte sie verraten. Direkt neben ihnen blieb sie stehen. Nur wenige Zentimeter trennten den Stoff des Umhangs von ihrem Arm. Würde sie die Hand ausstrecken, hätte sie sie auf der Stelle packen können und dann hätte es kein Entkommen mehr gegeben. Sie hob das Kinn und ließ konzentriert den Blick die Treppe und die Decke darüber entlangwandern, als wittere sie eine weitere Präsenz. Doch dann schüttelte sie kurz den Kopf und ging erhobenen Hauptes die Treppe hinauf. „Wie ich diese alte Fledermaus hasse", zischte Bellatrix, kurz nachdem sie verschwunden waren. „Und ich erst", antwortete Andromeda. James konnte förmlich hören, wie Sirius ihnen gedanklich begeistert zustimmte. „Ich wünschte wir könnten das mit Mum und Dad machen, statt mit ihr", murmelte Narcissa. Bellatrix schnaubte. „Das war ja klar, ihr macht das doch beide nur, um Mummy und Daddy stolz zu machen, dabei geht es hier um so viel mehr", erklärte Bellatrix und ihre Stimme wurde langsam unheimlich, sie steigerte sich, bis ein Hauch von Wahnsinn darin mitschwang, „Es geht um alles. Der Dunkle Lord zählt auf uns und ich würde mir eher selbst den Kopf abhacken, als ihn zu enttäuschen. Ganz im Gegensatz zu euch." Im Licht der Stäbe ihrer Schwestern war ihr Blick genauso herablassend wie ihre Stimme. Nun war es Andromeda, die schnaubte und sagte: „Du bist echt irre." Bellatrix lachte kurz auf und sie klang tatsächlich amüsiert. „Ich bin nicht irre, ich bin treu ergeben. Und ich bin sicher, ihr werdet es auch irgendwann sein", fügte sie hinzu und ihre Stimme klang versöhnlicher. „Sind wir doch", antwortete Narcissa, „Du weißt, dass wir nie etwas tun würden, das dem Dunklen Lord schadet." Bellatrix lachte wieder auf diese unheimliche Art und sagte: „Nichts tun, das ihm schadet... Das ist nicht genug, aber das werdet ihr bald noch verstehen." Damit ging sie voran und obwohl sie die „alte Fledermaus" hasste, hatte sie doch genau die gleiche Haltung, die von grenzenlosem Stolz sprach. Andromeda und Narcissa sahen einander kurz an und folgten dann ihrer Schwester die Treppe hinauf. Die vier Freunde warteten, bis ihre Schritte verklungen waren und gingen dann ebenfalls zurück in Sirius' Zimmer. Kaum dass die Tür zu war, warf James den Tarnumhang auf sein Bett und ließ sich darauf fallen. „Du hattest recht, Remus", gab er zu, „Wir werden nie wieder an dieses verdammte Buch herankommen."
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James Potter und die Rumtreiber - Der geheime Plan
FanfictionNichts gibt es in Hogwarts mehr als Geheimnisse. Einige davon sind mehr als erwünscht, andere nicht nur ebenso unerwünscht, sondern auch gefährlich... James Potters erstes Jahr in Hogwarts beginnt aufregend und soll auch so bleiben! Neben neuen Freu...