7. Kapitel - Die versteckte Küche

7 0 0
                                    

Nachdem der Unterricht beendet worden war, verdrückten sich James, Sirius, Remus und Peter in eine recht abgelegene Ecke des Gryffindor-Gemeinschaftsraums. „Oh man", stöhnte Remus, als er sich auf ein Sitzkissen fallen ließ, „Montag wird definitiv nicht mein Lieblingstag in der Schulwoche." Die anderen nickten zustimmend und ließen sich ebenfalls nieder. „Aber, Gott sei Dank haben wir heute ja noch was Besseres vor", sagte Sirius und seine dunklen Augen blitzten schelmisch. „Stimmt!", rief James. Sirius hatte die großartige Eigenschaft andere mit seinem Tatendrang anzustecken. „Hast du die Liste dabei?", fragte James Remus. Dieser nickte und zog ein zerknittertes Blatt Papier aus der Tasche seines Umhangs. Darauf waren die liebsten Nahrungsmittel vom sogenannten roten Riesenkraken aufgelistet. Einige davon klangen wirklich seltsam und ziemlich unappetitlich und von den meisten hatten sie noch nie gehört, aber es gab auch einige relativ normale Sachen, die sogar Menschen öfter zu sich nahmen. Also gab es in Hogwarts genau einen Ort, wo sie mit ziemlicher Sicherheit finden würden was sie suchten – die Küche. Die scheint für uns ja ein echter Schlüsselpunkt zu sein, dachte James, während alle einen Moment schwiegen, um zu überlegen. „Ich habe eine Idee", sagte James in die Stille hinein. Alle hoben den Kopf und sahen ihn fragend an. „Kann sein, dass es eine echt blöde Idee ist, aber wie wäre es, wenn nur ein paar von uns zum Abendessen gehen, um etwas für die anderen mitzubringen. Die anderen schleichen sich um die große Halle herum und überprüfen einfach, wo es am stärksten nach Essen riecht. Das müsste ja dann der Eingang zur Küche sein, denn die Küche kann unmöglich luftdicht verschlossen sein." Erwartungsvoll blickte er die anderen an. Sirius sah aus, als würde vor seinem inneren Auge etwas Gestalt annehmen. „Das klingt nicht ganz idiotensicher", sagte er dann, „aber auch nach dem besten und einzigen Plan den wir haben! Also, wer macht was?" „Also ich möchte auf jeden Fall zum Abendessen!", rief Peter sogleich. Remus zuckte die Schultern und meinte es sei ihm egal. Dann sahen sich James und Sirius vielsagend an und James schlug den anderen beiden vor: „Okay, dann würde ich sagen geht ihr beiden zum Abendessen und Sirius und ich sehen uns in der Nähe der großen Halle um. Beziehungsweise riechen uns um." „James", sagte Sirius und sah in kopfschüttelnd an, „du bist ein wundervoller Mensch, aber der war echt schlecht." „Ja, ja, stimmt schon", gab Jams zu, „aber mein brillantes Gehirn ist noch völlig ausgelaugt von diesem genialen Plan!" Da lachten die anderen wieder und schließlich beschlossen sie nach draußen zu gehen, um die Nachmittagssonne zu genießen bis es Abendessen gab und sie anfangen konnten ihren Plan in die Tat umzusetzen.

Als um sechs Uhr derselbe Gong wie an Anfang und Ende der Schulstunden ertönte, wussten die Freunde, dass das Abendessen angerichtet war. Remus, Peter, James und Sirius machten sich sofort auf den Weg und gaben sich Mühe nicht zu schnell zu laufen, um zwischen den anderen Schülern, die auf die große Halle zuströmten nicht aufzufallen. Kurz vorm Eingang trennten sie sich. James und Sirius verdrückten sich vorübergehend in eine schmale Nische unter der Treppe, die zum Speisesaal führte. Als es dann langsam ruhiger wurde und schließlich auch die letzten Schüler in der großen Halle verschwunden waren, schlichen sie heraus. „Okay", flüsterte James und fragte, „teilen wir uns auf?" „Aber wie teilen wir dem anderen dann mit, dass wir etwas gefunden haben?", fragte Sirius. James überlegte. Dann hatte er einen Einfall und schlug vor: „Was ist mit den Geistern? Meinst du die würden uns helfen?" „Also der Fast Kopflose Nick bestimmt!", rief Sirius aufgeregt, „Und wie finden wir ihn jetzt?". Ähm, hallo? Sir Nicholas?", fragte James probeweise. Sirius sah in stirnrunzelnd an, aber da erschien plötzlich direkt vor ihm die durchscheinende Gestalt eines Mannes, dessen Kopf an einem gefährlich dünnen Faden auf seiner Schulter baumelte. Anscheinend hatte sich seine Halskrause mal wieder geöffnet. „Guten Abend, Mr. Potter, Mr. Black", sagte der Geist mit einer Stimme, die seltsam von den dicken Steinmauern widerhallte. Am ersten Abend hier war ihm das gar nicht aufgefallen. Er nickte ihnen zu, was ziemlich komisch aussieht, wenn der Kopf dabei über die Schulter vor und zurück rollt. „Habe ich hier meinen Namen gehört?", fragte der Geist. Sirius war noch völlig perplex, aber James erwiderte: „Ja, wir haben ein Problem und haben gerade überlegt, wer wohl bereit wäre uns seine selbstlose Hilfe anzubieten. Und da musste wir sofort an Euch denken, Sir Nicholas." Der Geist schien zu wachsen und schob sogleich seinen Kopf wieder auf den Hals, als er antwortete: „Da seid ihr beim Geist des Hauses Gryffindor absolut richtig!" James und Sirius grinsten einander erleichtert zu und dann wandte sich James wieder an den Fast Kopflosen Nick und erklärte ihm was sie vorhatten.                                                                          Kurze Zeit später hatten sich James und Sirius wie geplant aufgeteilt. Sie schlichen durch die Gänge, die nach ihrer Kenntnis des Schlosses um die große Halle herum verlaufen mussten. Sämtliche Flure waren leer, da alle beim Abendessen waren. James schloss die Augen und atmete tief ein und aus, in der Hoffnung irgendwo einen Geruch von Essen aufspüren zu können. Langsam schritt er den Gang entlang. Er befand sich im Erdgeschoss, auf derselben Höhe wie die große Halle. Er vermutete, dass die Küche sich eher weiter unten im Schloss befand, da die oberen Stockwerke größtenteils Klassenzimmer darboten. Er war hier seit etwa zwanzig Minuten und schlich mit erhobener Nase dicht an den Wänden entlang, während der Teil von ihm, der nicht mit dem Wahrnehmen jedes kleinsten Geruchs beschäftigt war, inständig hoffte, dass niemand vorbeikäme.

James  Potter und die Rumtreiber - Der geheime PlanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt