22. Kapitel - Die geheime Kammer

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Sie begannen mit einer Besprechung. Sirius zählte alle Geheimfächer auf, die er kannte und sie überlegten gemeinsam, wie groß die Wahrscheinlichkeit war, dass man an dem entsprechenden Ort ein Buch gut verstecken könnte. Schließlich machten sie sich im ganzen Haus auf die Suche, klapperten nacheinander die verschiedenen Geheimfächer ab, die Sirius seinen staunenden Freunden nacheinander offenbarte. Doch sie fanden nichts. Es war zum Verrücktwerden. Jedes Versteck, dass sie aufsuchten schien noch besser geeignet als das Letzte und doch waren sie alle genauso leer wie das zuvor, abgesehen von alten Briefen oder gruseligen Artefakten, deren Sinn sie sich einfach nicht erschließen konnten. Die Stunden, die sie mit Suchen verbrachten vergingen rasch. Außerdem konnten sie nie lange am Stück suchen, da sonst die Gefahr, von Narcissa, Bellatrix oder Andromeda bemerkt zu werden, immer größer wurde.

Irgendwann gaben sie auf. Die Tage vergingen und die Freunde wurden zunehmend frustrierter. Sie verbrachten immer mehr Zeit in Sirius' Zimmer und überlegten hin und her, aber kamen zu keinem Ergebnis. Das Einzige, was sie wirklich wussten war, dass das Buch irgendwo im Haus versteckt war und dass sie es finden mussten, aber ihnen lief die Zeit davon. Das Ende der Ferien würde sich nicht danach richten, ob sie Erfolg gehabt hatten oder nicht. Also konnten sie nichts tun außer weiter zu suchen. James war kurz davor endgültig zu verzweifeln. Er zermarterte sich das Hirn, aber ihm wollte einfach nichts einfallen, bis er irgendwann tatsächlich eine Idee hatte. Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen und in Gedanken erklärte er sich selbst für den dämlichsten Menschen, der je unter der Sonne gewandelt war. „Leute!", rief er und die anderen hoben sofort hoffnungsvoll den Blick, „Wir sind so blöd, wir haben doch den Tarnumhang!" Einen Moment herrschte Stille und an den Blicken von Sirius und Remus erkannte James, dass er nicht der Einzige war, der gerade jeden Glauben an ihre Intelligenz über Bord geworfen hatte, aber Peter rief: „Stimmt! Wahnsinn du bist ein Genie!" „Ja, bin ich wirklich. Ich meine, ich habe nach eineinhalb Wochen bemerkt, dass wir einen gigantischen Trumpf im Ärmel haben, einfach der Wahnsinn", antwortete James trocken. „Ist doch jetzt erstmal egal, dass wir alle offensichtlich dumm wie Brot sind", rief Remus, „wir haben den Tarnumhang und wir haben noch etwa vier Tage Zeit, bevor wir zurück nach Hogwarts fahren. Also worauf warten wir?" „Ich würde sagen, wir lassen uns ab und zu blicken, damit niemand Verdacht schöpft und sonst folgen wir unter dem Tarnumhang meinen drei Lieblingscousinen", schlug Sirius vor, „Am besten nach dem Mittagessen. Wir bringen den Tarnumhang direkt mit und folgen ihnen danach." „Alles klar", sagte James, „dann haben wir jetzt noch ungefähr eine Stunde Zeit, bevor wir auf die Jagd gehen."

Das Mittagessen war wie immer köstlich, aber schrecklich unangenehm, da sich die Blacks bei jeder Mahlzeit auf Neue als selten ungastlich erwiesen. Nachdem Mrs. Black sie alle mehrfach über ihre Familie ausgehorcht hatte, hatten sich die Gespräche schon bald erledigt und am Tisch herrschte nichts als Schweigen. Sie waren froh, als sie endlich entlassen wurden. Sie verschwanden hinter einer abzweigenden Tür und warteten, bis Narcissa, Bellatrix und Andromeda vorbeikamen. Schnell warfen sie sich den Umhang über und schlichen durch die Tür nach draußen. Die dicken, blutroten Teppiche, die im ganzen Haus den Boden bedeckten, waren perfekt, um Leute zu verfolgen, die einen nicht bemerken sollten. Er schluckte ihre leisen Schritte und da sie sich inzwischen in absoluter Einheit bewegten, konnten sie dicht an den Schwestern dranbleiben, ohne dass die davon das Geringste mitbekamen. Im Prinzip waren die Vier ein einziger Geist, der den Black-Schwestern auf Schritt und Tritt folgte. Sie gingen einen Gang entlang, in den James und die anderen bisher noch nie tiefer vorgedrungen waren. Am Ende des Ganges war eine große Flügeltür. Andromeda zog sie auf und hielt sie für ihre Schwestern offen. Sobald beide hindurchgegangen waren, ging sie selbst und zog die Tür mit sich zu. James fluchte leise. Nun würden sie nicht mehr hineinkönnen, ohne dass sie es bemerkten. „Was ist dahinter Sirius?", fragte Remus. Sirius schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn und murmelte: „Ich bin so ein Idiot manchmal." „Das ist uns allen klar, aber wie bist du zu dem Schluss gekommen?", fragte James grinsend. „Das ist die Bibliothek", antwortete Sirius auf Remus Frage und nickte in Richtung der großen Flügeltüren, „Wo würde man niemals nach einem geheimen Buch suchen? In einem offenen Regal mit tausenden von anderen Büchern." „Du hast recht", sagte James, nachdem sie alle kurz geschwiegen hatten, „Da muss es sein, es ist das perfekte Versteck. Außerdem sehen mir die Drei jetzt nicht unbedingt nach der Art Mensch aus, die ihre Ferien zu dritt in einer Bücherei verbringen." „Da hast du allerdings recht", stimmte Sirius zu, „Ich bin mir fast sicher, dass es da drin ist, wir müssen da rein." Also warteten sie. Keiner von ihnen hatte eine Uhr, also konnte niemand sagen wieviel Zeit vergangen war, aber irgendwann waren sie sicher, dass die Schwestern nicht mehr herauskommen würden. „Wollen wir vielleicht langsam mal gehen?", fragte Peter gelangweilt. Seit Stunden war rein gar nichts passiert und durch die dicke Holztür, konnten sie nicht mal hören was drinnen vor sich ging. „Peter wir dürfen das hier nicht verbocken, wir haben nur noch wenige Tage bis wir zurück in die Schule fahren", erklärte Remus leise, „Wir müssen das hier durchziehen, egal wie langweilig es ist." „Oder", wandte Sirius ein, „wir verschwinden jetzt, erholen uns ein bisschen und dann geht einer von uns in die Bibliothek, während alle anderen beim Abendessen sind und wir sagen er fühlt sich nicht wohl." „Ich kann das machen" schlug James vor. Er war nicht besonders scharf darauf einen weiteren Abend mit unangenehmem Schweigen zu verbringen und außerdem, wollte er nichts lieber, als dieses Buch endlich zu finden. Seit Monaten hatte er auf diesen Moment gewartet und nun würde er endlich herausfinden, was die Blacks und Hawk in Hogwarts planten. „Gut", stimmte Sirius zu, „so machen wir es. Das heißt jetzt können wir uns verziehen und was anderes machen." Sirius wirkte erleichtert. Auch er hatte anscheinend unter der Langeweile gelitten, sich aber nicht beschweren wollen. So gingen sie zurück ins Zimmer und unterhielten sich einfach, nicht über den geheimen Plan, aber dafür über alles andere worüber man irgendwie reden konnte.

James  Potter und die Rumtreiber - Der geheime PlanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt