Kapitel 5

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"Sie haben genau zwei Möglichkeiten, Sir. Entweder Sie machen den Deal oder Sie machen ihn nicht", erklärte ich dem älteren Oberhaupt eines großen Autohauses in Europa über FaceTime.

"Es scheint Sie nicht wirklich zu beeindrucken, dass dieser Deal vielleicht keinen Abschluss bekommt" Skeptisch musterte er mich. Der Kerl hatte einen furchtbaren deutschen Akzent wenn er versucht Englisch zu sprechen. Ich lehnte mich in meinem Bürostuhl zurück.

"Ich habe nichts zu verlieren und Sie alles. Ich habe den guten Namen und Sie die furchtbaren Abgaswerte", erklärte ich mit einem süffisanten Grinsen. Dachte der Kerl wirklich ich wüsste nicht, was dort drüben läuft? Angesäuert blickte der Kerl mir entgegen.

"Und mit Ihren Motoren hätten wir dieses Problem nicht mehr?" Ich nickte.

"Unsere Motoren wurden nach internationalen Standards entworfen. Sie sind sogar nach jahrelangem Betrieb keine Gefahr für die Umwelt. Meine Experten können das belegen. Ich kann Ihnen einige Belege und Statistiken mailen wenn Sie wünschen?" Schnell schüttelte er den Kopf.

"Nein, nein. Das wird nicht nötig sein. Ich möchte diese Sache so schnell wie möglich aus der Welt schaffen. Ich nehme den Deal an." Na endlich. Ich legte meine verschränkten Hände auf meinen Schreibtisch.

"Gut. Mein Assistent wird sich mit Ihnen in Kontakt setzen und den Papierkram und alles weitere regeln. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Tag" Damit legte ich auf. Zwei Stunden rumdiskutieren für Motoren auf die er und nicht ich angewiesen war. Der Kerl hatte sie doch nicht mehr alle. Ich rief Noah in mein Büro.

"Er hat dem Deal zugestimmt" Noah nickte und tippte etwas auf seinem Tablet rum.

"Gut, ich leite alles weitere in die Wege", murmelte er und lief fast gegen die Tür, da er so vertieft den Bildschirm seines Tablets anstarrte.

"Übrigens möchte Carla von der Buchhaltung dich sehen" Gott, nicht sie schon wieder. Ich stöhnte genervt auf.

"Schick sie rein, dann hab ich es gleich hinter mir" Lachend verschwand Noah wieder und kurz darauf lehnte sich Carla von der Buchhaltung über meinen Schreibtisch. Sie hatte bestimmt bevor sie reinkam noch schnell einen Knopf an ihrer Bluse geöffnet.

"Miss Schmitt, ich habe eigentlich andere Leute, die sich mit diesen Problemen befassen. Aus diesem Grund habe ich eine Buchhaltung", versuchte ich ihr gerade deutlich zu machen. Sie lehnte sich noch weiter vor um mir einen besseren Blick auf ihren Busen zu gewähren nur leider interessierte dieser mich reichlich wenig. 

"Sie können mich ruhig Carla nennen", erklärte sie mir und setzte ein aufreizendes Lächeln auf. Gott, sie erinnerte mich so sehr an gewisse Mädchen aus der High School. Ich musste den Drang meine Augen zu verdrehen gerade wirklich unterdrücken.

"Außerdem wollte ich Ihnen persönlich zeigen, dass ein Fehler unterlaufen ist. Nicht, dass noch einer sagt, Sie wüssten nicht, was in Ihrer Firma vor sich geht"

"Miss Schmitt, ich weiß ganz genau was in meiner Firma vor sich geht. Denn das ist kein Fehler. Noah hat nicht aus Versehen bei beiden Personen die gleiche Adresse hingeschrieben. Die Beiden sind ein Paar und wohnen jetzt zusammen", erklärte ich ihr. 

"Aber ist das denn erlaubt? Beziehungen zwischen Arbeitskollegen?" Und was hattest du gerade versucht? 

"Was meine Mitarbeiter in ihrem Privatleben machen, geht mich nichts an, solange es sich nicht auf ihr Arbeitspensum auswirkt. Gibt es noch andere wirkliche Probleme oder sind wir jetzt fertig?" Mit leicht geöffnetem Mund musterte sie mich und ich konnte die Zahnräder in ihrem Kopf förmlich drehen sehen um einen neuen Grund zu finden noch länger bei mir zu bleiben. Als sie jedoch keinen fand, schüttelte sie den Kopf und stand auf.

"Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag", verabschiedete ich sie und blickte nicht wieder hoch bis sie die Tür hinter sich geschlossen hatte.

"Noah hat bei zwei Personen die gleiche Adresse aufgeschrieben. Das ist ein gravierender Fehler gewesen, Mr. Brooks", äffte ich sie nach und schüttelte dann den Kopf.

"So gravierend, dass man gleich zum Chef rennen muss", murmelte ich weiter und hörte erst auf als ich eine Pop-Up-Benachrichtigung auf meinem Handy erhielt.

Wheeler bringt mit Artikel Campbell-Fall neu ins Rollen

Scheinbar hat Elizabeth mit ihrem Artikel alten, weißen Männern Feuer unterm Hintern gemacht. Schnell gab ich ihren Namen in die Suchmaschine ein und sogleich fand ich den besagten Artikel. Der Artikel handelt von einer Studentin, Olivia Campbell, die nach einer Party von einem Dozenten vergewaltigt wurde. Die Verteidigung des Dozenten gab an, dass es keine Vergewaltigung war, weil das Mädchen zu dem Zeitpunkt ein Kleid und Spitzenunterwäsche trug. Ich schnaubte. Kein Wunder, dass Liz einen Artikel darüber geschrieben hatte, die Verteidigungsstrategie ist absolut lächerlich. Sie zählte die Prozesse auf, in denen Vergewaltiger durch das Victim-Blaming so gut wie immer straffrei davon gekommen waren. Sie beschrieb die Studentin um die Sympathien der Leser zu wecken und auch Interviews anderer Studenten, die den Dozenten beschrieben, waren dabei. Kein Wunder, dass dieser Artikel so einen großen Aufruhr brachte. Nach diesem Artikel würde die Welt nicht still zu schauen wenn dieser Kerl freigesprochen werden sollte, obwohl ich das bereits jetzt schon bezweifelte. Und ich wusste, dass Liz genau das bezwecken wollte. Ich musste lächeln. Ich war stolz darauf, dass sie endlich gelernt hat sich durchzusetzen und für das einzustehen was ihr wichtig war. 

Die Kommentarspalte unter dem Artikel war voll mit Frauen, die erleichtert waren, dass endlich jemand das ansprach, was seit Jahren ignoriert wurde. Und natürlich voller Männer, die sich komplett angegriffen fühlten, wie immer. Wie bei jedem ihrer Artikel hatte ich gleich den Drang mein Handy zu nehmen und sie anzurufen um ihr zu gratulieren. Und immer legte ich das Handy dann wieder weg, weil wir ja eigentlich keinen Kontakt mehr zueinander hatten.

Someone like youWo Geschichten leben. Entdecke jetzt