Stirnrunzelnd schloss ich die Tür wieder, sodass ich mitten in meinem Büro stand.
"Ja?"
"Ich wollte Sie darüber informieren, dass eine gewisse Elizabeth Wheeler hier eingeliefert wurde und sie hat Sie als Notfallkontakt angegeben", berichtete die nette Frauenstimme. Kurz stockte mir der Atem. Sie hatte mich nach all der Zeit noch immer als Notfallkontakt behalten? Ich schluckte.
"Wie geht es ihr denn? Kann ich sie sprechen? Was hat sie denn?" All diese Fragen prasselten aus meinem Mund und eigentlich wollte ich noch mehr Fragen stellen, doch ich bremste mich selbst.
"Sie ist momentan nicht ansprechbar, tut mir Leid. Sie können jedoch vorbei kommen, dann kann der Arzt Ihnen alles selbst erklären" Ich presste zwei Finger an meine Nasenwurzel und dachte nach. Nicht ansprechbar. Was war denn nur passiert? Ich hatte vor vier Stunden noch mit ihr geschrieben.
"Ja, gut. Ich komme vorbei" Ich ließ mir noch von der Dame den Weg zu Station erklären und legte dann auf. Seufzend verließ ich mein Büro.
"Noah, hab ich morgen wichtige Termine?" Schnell klickte er etwas auf seinem Computer an.
"Nein, soll ich etwas eintragen?" Fragend blickte er zu mir hoch. Ich schüttelte den Kopf.
"Nein. Lass alles frei. ich weiß noch nicht ob ich morgen komme", erklärte ich. Noah grinste.
"Heißes Date?" Seufzend schüttelte ich den Kopf und machte mich bereits auf den Weg zu den Aufzügen.
"Schön wäre es. Ich erzähl es dir ein anderes Mal. Ich muss los" Die Aufzugtüren schlossen sich und ich fuhr mir gestresst durch die Haare. Ich drückte den Knopf um die Türen zu schließen und hielt ihn gedrückt, damit er sich nicht öffnete bis ich in der Tiefgarage war. Auf irgendein scheinheiliges Gespräch mit irgendeinem Angestellten hier konnte ich gerade wirklich verzichten. Als ich schließlich endlich im Auto saß und auf die Uhr sah, stieß ich ein Fluchen aus. Natürlich hatten sie mir erst während der Rush-Hour über Liz Bescheid gegeben. Nur recht langsam konnte ich mir einen Weg durch die Stadt lenken. Nachdenklich kaute ich auf der Unterlippe und fragte mich wohl, was Liz hatte, dass sie nicht ansprechbar war und auf der Intensivstation lag. Ob sie einen Autounfall hatte? Ich verwarf diesen Gedanken gleich wieder. Sie meinte letztens, dass sie zwar ein Auto hätte aber Max das oft für seine Aufträge brauchte und sie fuhr dann mit der U-Bahn. Seufzend nahm ich die Ausfahrt, die Richtung Krankenhaus führte. Warum hatten sie mich angerufen? Hatten sie Max auch benachrichtigt? Warum war ich immer noch in ihrer Notfallkontaktliste, nach allem was ich ihr angetan hatte? Ich parkte und betrat das Krankenhaus. Ich steuerte den Empfang an, wie die Frau am Telefon es mir gesagt hatte. Ich legte meine Hände am Schalter ab, damit niemand sah wie sehr diese zitterten. Die Empfangsdame rief eine Schwester der Intensivstation an, damit diese mich abholen konnte, was diese dann auch tat. Überrascht musterte sie mich.
"Oh, Sie sind also der Cole Brooks" Ich erkannte die Stimme als die, mit der ich telefoniert hatte. Langsam nickte ich als ich neben ihr her ging.
"Als ich den Namen gesehen hatte, war ich mir erst nicht sicher. Es gibt bestimmt einige Männer mit diesem Namen", plauderte sie einfach weiter.
"Bestimmt. Haben Sie noch jemand anderen angerufen?" Sie schüttelte den Kopf.
"Nein, wir konnten nur Sie erreichen" Wieder nickte ich nur.
"Ich sollte wohl ihren Verlobten anrufen", sagte ich während ich schon überlegte wie ich überhaupt an seine Nummer kommen sollte.
"Heißt Miss Wheelers Verlobter Maximilian Cooper?" Neugierig blickte die Schwester zu mir.
"Ja"
"Tun Sie es nicht. Als ich in Miss Wheelers Zimmer war und der Name gefallen ist, hat sie ganz komisch reagiert. Ihr ganzer Körper hat gekrampft und ihre Werte sind alle angestiegen. Außerdem ist er nicht ans Telefon gegangen. Es geht mich ja nichts an, aber da ist irgendetwas nicht in Ordnung" Ich ballte meine Hände zur Faust und lockerte diese gleich wieder. Wenn dieser Kerl auch nur im Mindesten etwas mit der Sache zu tun hatte, konnte er sich auf etwas gefasst machen.
"So hier sind wir" Die Schwester öffnete die Tür und ließ mich eintreten und was ich sah, verschlug mir den Atem. Liz war unter dem ganzen Gekabel fast nicht mehr zu erkennen. Der Kopf war bandagiert, das Gesicht war blau-violett gefärbt, in ihrem Mund steckte ein Schlauch. Allen Anschein nach wurde sie intubiert. Ein Arm war im Gips, der andere nur bandagiert aber auch voller blauer Flecken. Ich wollte eigentlich gar nicht wissen, wie der Rest ihres Körpers aussehen musste.
"Sie können ruhig näher herantreten", schlug die Schwester vor, die sich bis jetzt rücksichtsvoll in einer Ecke des Zimmers positioniert hatte. Mit flauem Gefühl im Magen tat ich dies dann auch. Ihre Augen waren geschlossen.
"Kann sie mich hören?", fragte ich die Schwester. Sie nickte.
"Sie ist nur sediert damit sie nicht gegen die Intubation ankämpft. Aber sie kann alles hören" Ich trat noch einen Schritt vor und strich eine Strähne aus ihrem Gesicht. Dann legte ich meine Hand sanft auf ihre. Ich lehnte mich vor und küsste sachte ihre Stirn wie ich es damals immer getan hatte als ich sie besucht hatte.
"Hallo Liz. Ich bin es. Cole. Warum musst du mir immer so einen Schrecken einjagen?" Die Schwester stellte einen Stuhl bei das Bett auf den ich mich dankbar setzte.
"Wenn Sie wollen, kann ich dem Arzt Bescheid geben, dass Sie da sind. Sie wollen doch bestimmt Informationen?" Ich nickte.
"Ja, das wäre sehr nett", brachte ich noch hervor. Die Schwester verschwand aus dem Zimmer und ließ mich mit Liz alleine. Seufzend musterte ich sie weiter. Kabel verschwanden unter die Bettdecke, wahrscheinlich um die Herztöne zu messen. Eine Menge Infusionen waren mit ihrem Hals verbunden. Ich las die Namen der Medikamente, die da drauf standen, konnte damit aber nicht wirklich was anfangen. Sanft malte ich mit dem Daumen Kreise auf ihrem Handrücken. Es klopfte an der Tür und ich blickte auf. Herein kam ein relativ junger Arzt, der auf sein Klemmbrett sah, sodass ich nur blonde Haare erkennen konnte. Als er schließlich aufsah, dachte ich, ich hätte mich versehen. Doch er war es wirklich. Und er schien mich auch erkannt zu haben, denn er fuhr sich über die Nase, die ich ihm vor einigen Jahren gebrochen hatte.
DU LIEST GERADE
Someone like you
Storie d'amore"Ich habe dich wirklich geliebt, das weißt du" - Cole Brooks Nachdem ihre Beziehung in die Brüche ging, versuchte Elizabeth Cole nicht mehr in die Quere zu kommen. Dies funktionierte auch eine ganze Weile, bis das Schicksal, in diesem Fall ihre Elt...
