Kapitel 4 Das kleine Einmaleins des Updatings ~ Teil 2
Aus den fünf Minuten werden mehrere Stunden, denn wir schlafen einfach ein. Als ich wieder aufwache, dämmert es draußen bereits. Kain hat uns zugedeckt und atmet ruhig in meinen Nacken. Es ist warm und kitzelt. Genauso, wie die Strähne seines schwarzen Haares, die meine Wange streift. Er scheint noch fest zu schlafen, atmet ruhig und tief. Ich höre eine Weile dabei zu, ohne mich viel zu bewegen, horche in meinen Körper hinein und hänge meinen Gedanken nach. Mein Becken pocht leicht und ich glaube, mein kleiner Finger ist eingeschlafen, doch ich spüre es nicht richtig. Es ist auch unglaublich nichtig. Einer meiner zutiefst gehassten Referate steht an, denn diesmal habe ich mich für eine andere Strategie entschieden. Statt es wie immer weit nach hinten zu schieben, habe ich eines der ersten genommen. Frei nach dem Motto weg ist weg. Das Unbehagen durchfährt mich trotzdem und ich schüttele mich leicht, um es zu vertreiben. Dann höre ich schon leises Rascheln und ein kurzes Schmatzen.
„Bereit für eine zweite Runde?", murmelt Kain und gähnt. Nicht sein Ernst.
„Duschen."
„Sex unter der Dusche ist auch okay."
„Keine Chance. Ich glaube, das Laken ist an meinem Hintern festgetrocknet", kommentiere ich und höre, wie er augenblicklich laut zu lachen beginnt. Ich lasse mein Hinterteil demonstrativ über das Laken reiben, bis Kain mich mit beiden Armen umfasst und noch immer lachend an sich drückt. Der tiefe, wohlige Klang lässt mein Inneres vibrieren und eine tiefgreifende Wärme durchschwemmt mich. Er lacht mit dem ganzen Körper und es fühlt sich sonderbar, aber schön an. Ich wehre mich minimal und gebe auf, als mich sein einnehmendes Lachen letztendlich doch ansteckt.
Wir beruhigen uns nur langsam und ich setze mich auf. Kain bleibt auf der Seite liegen und sein Arm in meinem Schoss. Er machte keine Anstalten, ihn wegzunehmen. Ich versuche gar nicht weiter zu entkommen, streiche mir mit beiden Händen über das Gesicht und seufze leise. Ich weiß, dass sein Blick auf den tätowierten Worten auf meinem Rücken liegt. Bisher hat er mich nicht nach ihrer Bedeutung gefragt und ich wüsste auch nicht, was ich ihm antworten soll. Fragen hat er bestimmt. Doch ich keine Antworten.
Es raschelt und er setzt sich nun ebenfalls auf. Ich schaue nach hinten und spüre ihm selben Moment, wie seine Lippen eine Stelle meines Rückens küssen. Er trifft einen Wirbel, sucht einen zweiten und steht auf. Ich frage mich, ob er sich bestimmte Worte ausgesucht hat. Mit dem Fuß schubst er meine Jeans in Richtung Bett, sodass ich auch im Sitzen an sie herankomme. Ich greife sie mir direkt, schwinge meine Beine über die Kante und ziehe sie über. Kain macht das Gleiche mit seiner eigenen, während ich den Rest meiner Sachen zusammensuche.
Nur mit Hose bekleidet, greift Kain nach seinem Handy und schaltet es wieder ein. Es dauert nicht lange und es beginnt wild zu vibrieren und zu piepen. Ich weiß sofort von wem diese ganzen Nachrichten sind und Kains Gesichtsausdruck trägt nicht dazu bei, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Er wirkt zu seinem Glück jedoch ebenso wenig begeistert, wie ich. Seufzend streicht er sich durch die dunklen Haare und legt das Telefon zurück auf den Schreibtisch, bevor er nach seinem T-Shirt greift und es sich über den Kopf zieht. Danach lächelt er mich an, als wäre das gerade nicht geschehen.
„Hast du zufällig noch eine Zahnbürste für mich übrig?", fragt er, obwohl ich mir sicher bin, dass er meinen Blick genau verstanden hat. Ohne ihm zu antworten, gehe ich zu meinem Kleiderschrank. Ich krame eine verpackte Reservezahnbürste hervor, mache mir gedanklich eine Notiz, dass ich eine Neue brauche und reiche sie kommentarlos dem Schwarzhaarigen. Er hält mich an der Hand zurück als ich mich direkt wieder abwende.
„Hey, solltest du nicht rundum zufrieden und voller tanzender, überschwänglicher Endorphine und kleinen lustigen Serotoninen sein?" Kain macht die menschliche Biochemie zu einem absurden Comic, der sich prompt in meinem Kopf abspielt, wie damals die Sendung 'Es war einmal... das Leben'. Aber mit Fehlern. Das einzig Überschwängliche in diesem Raum ist Kains Vorstellungskraft. Ich sehe ihn zweifelnd an. Männer produzieren nach dem Orgasmus vor allem Prolaktin und Oxytocin und machen das Gegenteil von Tanzen und Lachen. Sie schlafen ein, was wir beide eindrucksvoll bewiesen haben.
DU LIEST GERADE
Between the Lines Chapter 2 - It's more than just words
Romance[Fortsetzung von Between the Lines - The wonderful world of words} ~Liebe ist eine Herausforderung und das nicht nur in der Dramödie, die sich mein Leben nennt. Sie ist es vor allem dann, wenn einem lange die Überzeugung prägte, das sie nichts weite...
