Kapitel 12 Tolkien'sche Sprachbefehle für System'kater'strophen ~ Teil 1
Auch den Donnerstag verbringe ich die meiste Zeit in der Bibliothek und bin erstaunlich produktiv, jetzt, wo ich einen schnuckeligen abgeschotteten Platz bei den skandinavischen Sprachwissenschaften ergattert habe. Ich lese etliche Kapitel vor, da ich weiß, wie stark sich der Dozent an die Struktur des Buches hält. Eine der Hausarbeiten beginne ich, bin dann aber unglücklich mit der Struktur und stelle noch mal etliches um, was dazu führt, dass ich mir erneut Literatur suchen muss. Beim Nachhausegehen bemerke ich die Push-up-Nachricht mit dem vereinbarten Daumenemoji, die mir mein Mitbewohner vor einer Viertelstunde zukommen ließ und bleibe abrupt stehen. Das ist ein Scherz. Schon wieder? Ich lasse meinem brunftigen Mitbewohner ein Wut-Smiley zukommen und trete auf der Stelle. Notgedrungen und aus mangelndem Ideenreichtum mache ich einen Abstecher zum Cafè di Santos, aber leider ist die kleine Eisprinzessin nicht zugegen. Stattdessen führe ich eine eher peinliche Small-Talk-Aktion mit ihrem Vater und verlasse das Café mit einem Eisbecher mit extra Sahne, den ich deprimiert auf dem Weg zum Foodstore in mich reinschaufele. Mit beginnenden Bauchschmerzen streune ich durch Regale und habe nach ein paar Minuten lauter Schwachsinn im Korb. Tomatenmark, Cayennepfeffer, Vanillesoße. Die Gemüsechips, die Kain tütenweise verschlingt, auch wenn er glaubt, dass er nach einer Handvoll aufhören kann. Wie im passenden Moment erlöst ein Anruf des Schwarzhaarigen mich aus der zeittrödlerischen Misere und ich gehe direkt ran, ehe ich eine unglückliche Entscheidung zwischen Tofugyros und Sojageschnetzeltem treffe.
„Was denkst du wirkt schneller, Frostschutzmittel oder Arsen?"
„Was für eine Begrüßung, alles okay?", fragt der Schwarzhaarige vorsichtig und leicht überrumpelt. Ich kann hören, wie er den Wasserhahn abstellt und den Kühlschrank öffnet. „Und es kommt auf die Dosierung an. Warum genau schmiedest du Mordpläne?"
„Jeff hat Sex", gebe ich glaubhaft leidend von mir, „Schon wieder!" Jetzt klinge ich doch quengelig. Am anderen Ende der Leitung ertönen Lacher. Ich lehne meinen Kopf gegen die Scheibe, eines der neuen Glaskühlschränke und starre auf die Sojawürstchen.
„Ich verstehe." Wieder ertönt ein schnaubendes Lachen, und ich setze meinen Weg durch die Gänge fort. „Ich würde gern ehrlich behaupten, ich habe Mitleid, aber gerade genieße ich es zu sehr." Schadenfroher Mistkerl.
„Ergötze dich nur an meinem Leid, du wirst schon sehen, was du davon hast." Kain muss schließlich mit mir auskommen und ich bin nah dran, unausstehlicher zu werden. Jeff und sein Gespiele ziehen an meinem Geduldsfaden und in altertümlichen Epen geht das nie gut aus. Ich schlendere weiter zu den Joghurts und haue beinahe einer Jogginghose den Korb gegen das Knie.
„Ich musste das länger durchstehen als du, aber es hat sich gelohnt", lässt mich Kain wissen. Ich schnaube unbeeindruckt auf und begreife erst fünf Sekunden später, was er damit meinte. „Hat Jake nicht eine eigene Wohnung?", fragt er hinterher.
„Hat er. Wohnheim ist näher", gebe ich Jeffs Kommentar dazu wieder, klinge bitter. Kain schnauft, was eindeutig ein unterdrücktes Lachen ist. Schon wieder!
„Wo treibst du dich jetzt rum?", erkundigt er sich und ich höre, wie er Geschirr hin und her schiebt und Tassen klappern lässt.
„Im Supermarkt. Hey, seid ihr vorangekommen mit eurer Datenauswertung?", lenke ich das Gespräch von meinem Missfallen ab. Diesmal bleibe ich vor dem Hygieneartikeln stehen und bewundere die Unmengen an Kondomvarianten. Es sind eindeutig mehr geworden.
„Sind wir. Viele nutzen die Woche noch für Urlaub, daher ist es schön ruhig im Labor und wir kommen besser voran als wir dachten", beantwortet Kain. Auch die Gleitgele sind in ihrer Vielfalt explodiert. Ich greife mir eins, was einen Wärmeeffekt verspricht und stelle es mir eher unangenehm als anregend vor. Trotzdem landet es im Korb. „Vielleicht schaffe ich es früher zurück."
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Between the Lines Chapter 2 - It's more than just words
Romantik[Fortsetzung von Between the Lines - The wonderful world of words} ~Liebe ist eine Herausforderung und das nicht nur in der Dramödie, die sich mein Leben nennt. Sie ist es vor allem dann, wenn einem lange die Überzeugung prägte, das sie nichts weite...
