Kapitel 11 Option Eins – Standardmodell mit komfortabler Knautschzone ~ Teil 1
Es ist nach 1 Uhr als ich das nächste Mal die Bar verlasse und ich nicht mehr zusammenfassen kann, was zwischendurch alles passiert ist. Das große Feuerwerk und der Jahreswechsel sind quasi an mir vorbeigezogen wie die letzten Marvel-Filme. Die ganze Zeit hindurch kann ich das Gejubel der anderen hören, die sich gerade berauscht über die Pfannkuchen hermachen, die nach dem obligatorischen Feuerwerksgucken verteilt wurden. Wahrscheinlich waren die, die mit Baileys und Eierlikör gefüllt sind, als erstes verputzt und die Partymeute leiten nun die zweite Runde ein. Alkohol und Zucker bleiben für immer der beste Anheizer. Ich hätte mir einen mit Vanillepudding sichern und mit rausnehmen sollen. Vanillepudding. Ich kann aktuell an nichts Komplexeres mehr denken. Cremig und vollmundig. Verdammt, ich will Pudding. Ich jammere leise in die Nacht hinein.
Pausenlos ist in der Ferne Feuerwerk zu hören und teilweise auch zu sehen. Ich spüre den tiefhängenden Rauch meinen Hals reizen, rieche das verbrannte Schwefeldioxid. Hinter dem Nachbarhaus geht eines dieser Feuerwerke los, das in Sternenregen übergeht. Die mag ich am liebsten. Also drehe ich mich einmal um meine eigene Achse, um alles zu sehen und schwanke danach merklich. Tief atmend bleibe auf der leeren Straße stehen und schaue gen Himmel. Ich weiß nicht wie lange, aber es ist eine schlechte Idee. Die kühle Luft sollte mir guttun, doch sie sorgt nur dafür, dass ich den Alkohol drastischer spüre. Meine Fingerspitzen prickeln taub, auch wenn ich mir das sicher nur einbilde. Das Blubberzeug zum Anstoßen war ein kompletter Fehler, aber ich konnte es Ezra nicht ausreden, da er vor Begeisterung sprudelte. Ihm scheint der Alkohol überhaupt nichts auszumachen, dabei sehe ich ihn ebenfalls ununterbrochen die Tassen heben.
Uff.
Mein Gehirn fühlt sich an wie ein Igel, den man versehentlich in einen Beutel Watte steckte. Pieksig, aber dumpf. Also im Grund macht der Alkohol genau das, was er soll. Nur meine Gedanken stoppt er nicht, sondern treibt sie voran und geißelt mich damit, denn sie wandern alle Nase lang zu ihm. Zu Kain. Der gerade in den Hulkarmen seines besten Freundes schunkelt, munter Kugelgewichte in die Lüfte schwingt und im Trapez hüpft. Vielleicht nicht in dieser Reihenfolge und höchstwahrscheinlich ohne irgendwelche Gewichte. Aber es ändert nichts daran, dass er bei diesem absoluten Vollpfosten und Stumpfbabbel Marvin ist. All das auch noch, während mein untreuer Langzeitmitbewohner munter neue W-Lan-Kabel verlegt und seinen IT-Kerl neu partitioniert. Oder defragmentiert? Beides?
„Ist das gleichzeitig möglich?", frage ich laut. Ich taumele zurück zum Bordstein und bin eine Weile hin und hergerissen, ob ich mich hinsetzen soll oder lieber doch stehenbleibe, da ich mit schwindender Gewissheit weiß, dass ich sonst nie wieder in die Senkrechte komme. Jedenfalls nicht allein.
Plötzlich werden die Partystimmen wieder lauter. Der beruhigende Nebel dichter, der mich einfängt. Ich schaue zur Bar.
„Hier bist du!" Ezra schließt die Außentür, dämpft die Stimmen und kommt auf mich zu. Er hat meine Jacke in der Hand und schaut mich besorgt an.
„Hi", erwidere ich und habe mich fürs Sitzen entschieden. Eher ungelenk plumpse ich auf die Bordsteinkante und bin froh, dass ich scheinbar schon vorher eine Annäherung zum Boden vorgenommen habe, denn der Weg ist kürzer als angenommen. Irgendwo die Straße entlang schlägt eine Autotür zu.
„Oh, hey, vorsichtig. Alles gut?" Mein alter Klassenkamerad eilt zu mir und legt die Jacke neben uns ab. Seine Hände legen sich an meine Schultern und für einen Moment fühlt es sich an, als würde die Welt um mich herum stehenbleiben. Oder wenigstens langsamer rotieren.
„Nicht aufhören!", murmele ich.
„Aber ich tue nichts", lacht Ezra und obwohl ich es nicht sehe, weiß ich, dass er mittlerweile hinter mir hockt. Ich merke seinen stabilen Körper hinter mir, der mir die Möglichkeit gibt, mich anzulehnen. „Ich glaube, du solltest für heute Schluss machen. Weißt du, wie du nach Hause kommst?"
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Between the Lines Chapter 2 - It's more than just words
Romance[Fortsetzung von Between the Lines - The wonderful world of words} ~Liebe ist eine Herausforderung und das nicht nur in der Dramödie, die sich mein Leben nennt. Sie ist es vor allem dann, wenn einem lange die Überzeugung prägte, das sie nichts weite...
