Option Zwei - Komfortmodell mit justierbarem Anomalienumkehrungseffekt -2-

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Kapitel 14 Option Zwei - Komfortmodell mit justierbarem Anomalienumkehrungseffekt ~ Teil 2

Bedauerlicherweise bleibe ich auch noch stehen und wünschte, meine antisozialen Charakterzüge würden einsetzen. Ignoranz! Prä-Kain war ich sehr gut darin. Wenn nicht sogar meisterhaft. Jetzt bin ich beinahe anständig. Welch Lebenszeitverschwendung.

Abel taucht neben mir auf, in seiner stereotypen, blonden Dümmlichkeit. Er puhlt sich die In-Ear-Ohrhörer aus den Lauschern, während ich nicht verhindere, dass sich meine gesamte Abneigung bemerkbar macht. „Hat man dir schon gesagt, dass du wie die Mischung aus Jokers Schoßhündchen und Batmans Lakai heißt?" Abel lacht schnorrend auf, als hätte er den Scherz des Jahrhunderts gemacht.

„Das hat dich bestimmt nächtelang wachgehalten", entgegne ich trocken. „Was willst du?" Abel schnauft, greift in seinen Rucksack, zieht zwei DVDs und einen USB-Stick heraus.

„Die habe ich gefunden, würdest du die bitte deinem Mitbewohner geben?" Er streckt mir die Sachen ungeduldig entgegen, während ich sie ungläubig beäuge.

„Warum gibst du es Jeff nicht selbst zurück?" Ich nehme ihm die Teile erst ab, als er sie mir gegen die Brust stupst. Titanic und Notting Hill. Ein schnulziger Scherz in Standarddefinition. Jeffs Filmgeschmack war schon immer zum Fürchten, diese alten Schinken auf DVD machen es zu Staatsvergehen.

„Er antwortet nicht auf meine Nachrichten", entgegnet der Blonde. Warum wohl. Ich, an Jeffs Stelle, hätte ihn längst blockiert.

„Wieso gibst du es nicht Kain?", frage ich unbedacht, bereue es sogleich. „Vergiss es, antworte nicht! Mir ist komplett egal, was auch immer für ein hohler Schmarrn aus der Futterluke kommt. Ich gebe es ihm." Statt der Diskussion Raum zu geben, mache ich auf dem Absatz kehrt und halte nach dem nächsten Mülleimer Ausschau.

„Selbst dann, wenn es um Kain und Merena geht?", ruft Jeffs Ex aus. Mein Unvermögen, einfach weiterzugehen, schlägt erneut zu. Dabei schreit alles in mir danach, mich nicht darauf einzulassen. Nichts, was der Blonde sagt, sollte für mich von Interesse sein. Gar nichts. Trotzdem triggert es mich, ihren Namen auch nur in der Nähe von Kains zu hören. Eifersucht ist fürchterlich nutzlos und einfach dumm. Leider liest Abel mein Zögern als das, was es ist; unfreiwilliges Interesse.

„Scheinbar doch interessiert", sagt er selbstgefällig.

„Sicher nicht, hast du kein eigenes Leben oder warum steckst du deine Nase in andere?", maule ich halbgar, nachdem ich beinahe die Hüllen der DVDs zerdrücke. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er ausreichend eigene Problem hat, um die er sich dringend kümmern sollte. Absichtlich bleibe ich von ihm abgewandt stehen. Doch er taucht in meinem Blickfeld auf.

„Ein Reizthema, nicht wahr? Sie kann echt heftig sein. Ich könnte dir Dinge erzählen." Abels stumpfblauen Augen schauen mir triezend entgegen und meine freie Hand ballt sich zur Faust. „Macht dich das wütend?" Beinahe wirkt es, als hätten diese schnöden Glubscher ein Funkeln, doch es ist nur die Reflektion der Straßenlaterne. Ich will mich nicht provozieren lassen, nicht von diesem Dooflöckchen. Aber ich bin auch nur ein Mensch und ein wenig geduldiger noch dazu.

„Geht dir davon einer ab?", stoße ich bissig aus. Abel grinst und es ist eine dieser Gesichtsformationen, die mir einen kalten Schauer über den Rücken jagen.

„Wem nicht? Wild und wütend ist schon geil, unter den richtigen Bedingungen. Du und ich, wir hätten viel Spaß." Abel lehnt sich dichter zu mir. Ich weiche zurück, reiße mich aber zusammen und halte seinem Blick stand.

„Sag mal, dient dein Gehirn einzig als Abstandshalter für deine Ohren? Nicht mal, wenn es den Weltuntergang verhindern könnte."

„Dein Pech." Ich erwidere mit einem Würgegeräusch. Abel bleibt unbeeindruckt, was mich besonders nervt. „Weißt du, ich bin schon ziemlich lange Kains Mitbewohner. Du solltest wissen, dass ich auch jetzt noch einiges mitbekomme. Aber was solls, es interessiert dich ja nicht." Jeffs Ex hebt abwehrend die Hände in die Luft. Damit macht er kehrt, winkt und zieht ab. Ich sehe ihm nach, beiße die Zähne zusammen und werfe die DVDs in den Rucksack, ehe ich eine Ecke von meinem Brötchen abkaue und ins Wohnheim zurückkehre.

Between the Lines Chapter 2 - It's more than just wordsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt