Kapitel 13 Beziehungscoup für Moralapostel und Gefühlszoologen ~ Teil 1
Ich brauche etwas länger, um all den Partyschmu und den mitgenommenen Wahnsinn von mir abzuwaschen. Gleich zweimal seife ich mich unter der Dusche ein und gönne ein paar stiefmütterlich behandelten Stellen eine Rasur.
Zurück im Zimmer liegt Kain bereits durch Ermüdung gebeutelt auf dem Bauch und drückt sein Gesicht ins Kissen. Sein Atem ist gleichmäßig und ich bin mir sicher, dass er schläft. Seine Klamotten sind unachtsam auf dem Stuhl abgeworfen, sein Handy liegt neben der Tastatur.
„So viel zur übersprudelnden Leidenschaft", murmele ich gespielt pikiert und mit einer gewissen Theatralik, als ich den Pullover aufklaube, der von der Lehne gerutscht ist. Ich glätte ihn und lege ihn zurück. Danach krame ich mir ein paar saubere Socken hervor und ziehe sie über, während mein Blick zu Jeffs Bett schwankt. „Begehren...war auch einmal", fahre ich mit der Parodie fort, sehe ein weiteres Mal zu dem Schwarzhaarigen. Für einen kurzen Moment wäge ich ab, ob ich mich einfach in Jeffs Bett hineinlege, da mein Mitbewohner sicher die Nacht durchmacht und der erschöpfte Schwarzhaarige in Ruhe durchschlafen soll. Diese Konstellation gäbe es in diesem Zimmer nicht zum ersten Mal. Allerdings ploppt sogleich das Bild von den vorangegangenen Abenden auf, wie Jake und Jeff inbrünstig kopulieren und schwuppdiwupp entsteht ein dramatisierender Filmabriss, der mehr Unwohlsein zurücklässt als Willen. Ich würde diese Decke nicht mal mit einem Schutzanzug Typ 1 anfassen, schon gar nicht darunter liegen. Das Bett neu zu beziehen, ist mir um die Uhrzeit zu aufwendig und würde nicht ohne Geräusche vonstattengehen, die den anderen Mann wecken. Ich schaue zu dem schlummernden Schwarzhaarigen und alles in mir schreit danach, mich endlich zu ihm zu legen und mich an seinem warmen Körper zu reiben. Es gäbe noch ein paar andere Stellen, die man rubbeln könnte. Ich schüttele den Gedanken schnell davon, während ich mich frage, weshalb ich in der letzten Zeit derartig rattig bin. Ich seufze schwermütig. Kain ist schuld. Ganz klar.
„Spatz", brabbelt Kain unerwartet in die stille Debatte hinein, „Nicht denken, schlafen! Komm her!" Kain streckte seine Hand aus, um nach mir zu winken. Sie fällt aber nach nur zwei deprimierenden Wacklern zurück ins Laken und rutscht dann von der Bettkante.
„Wie romantisch. Das Feuer ist bereits erloschen", sinniere ich halblaut, jedoch nicht weniger theatralisch, in einem lockeren Ton mit genügend Dramatik, „Wofür rasiere ich mich eigentlich noch?" Ich palavere vor mich hin, während ich das Oberteil wechsele, Kains Klamotten auf den Stuhl zusammenrücke und den Wecker ausschalte, der uns sonst in vier Stunden weckt. „Sogar meinen guten Schlafanzug habe ich angezogen, aber...schlafen, das ist es, was er will." Mit einem Ächzen dreht sich Kain auf den Rücken, präsentiert seinen definierten Oberkörper, die muskulösen Arme. Diesen verdammten Bizeps und das dezente Tattoo.
„Bist du fertig, Motzspatz?" Der Biochemiker streicht sich mit beiden Händen über das Gesicht, um das Grinsen zu verstecken. Ich bemerke es trotzdem und seufze effekthascherisch. „Was genau wird das hier?"
„Ich dachte, wir probieren dieses normale Beziehungsdingsbums, bei dem ich dir mehr meiner Gedanken mitteile." Dieses Mehr-Beziehungsdings, um es genauer zu sagen. Mit mehr TuffTuff und Streuseln. Im Grunde nur mehr Aufmerksamkeit meinerseits. Kain hat es verdient.
„Das sind deine Gedanken?", brummelt er und öffnet ein Auge, welches mich verwundert mustert, „Bedenklich! Dingsbums, ehrlich?"
„Seit ich das Wort Dings kenne, kann ich alle beschreiben", ergebe ich lapidar zum Besten, ignoriere den Fakt, dass ich einen wirklich guten Wortschatz besitze, der mir ermöglicht, ohnehin alles zu beschreiben.
„Natürlich. Mir reicht es, wenn du endlich herkommst."
„Ja. Ja. Schlafen, ich weiß", wiederhole ich sein vorangegangenes Kommando foppend. Kains Augen fallen zurück in den Schlafmodus, aber er lächelt kontinuierlich dabei. „Mach Platz", flöte ich übertrieben, rücke mein Oberteil zurecht. Vorsichtig steige ich über Kain rüber, um in meine Nische zu gelangen. Doch ehe ich beide Beine auf der anderen Seite positionieren kann, hält er mich zurück. Erst an der Hüfte, danach wandern beide Hände meine Arme hinauf und wieder hinab. Ich bleibe über ihm sitzen und blicke abwartend in das ruhige Gesicht des anderen Mannes.
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Between the Lines Chapter 2 - It's more than just words
Romance[Fortsetzung von Between the Lines - The wonderful world of words} ~Liebe ist eine Herausforderung und das nicht nur in der Dramödie, die sich mein Leben nennt. Sie ist es vor allem dann, wenn einem lange die Überzeugung prägte, das sie nichts weite...
