Kapitel 10 Kiss. Kiss. Bing. Bong ~ Teil 1
Ich stürme unbedacht drauflos, als ich das Haus verlasse und am Ende des Vorgärtchens ankomme. Meine Innereien brodeln. So sehr, dass ich nicht mal die Kälte merke, die mich nach den wenigen Metern einholt. Es ist ein milder Winter und doch weiß selbst ich, dass dieser spontane Abgang eine schlechte Idee war. Was mache ich hier?
Ich verlangsame meinen Schritt unwillkürlich, spüre den Nachhall meines Impulses, der mich mit voller Wucht einholt. Doch erst an der Straßenecke bleibe ich schlagartig stehen, aber als ein Auto an mir vorbeikommt, gehe ich beschämt weiter, um den Eindruck zu erwecken, ich hätte von irgendwas Ahnung oder ein sinnvolles Ziel. Da ich weder Jacke noch ablenkende Musik habe, höre ich schnell Kains Rufen. Da niemand anderes draußen unterwegs ist, kann ich es nicht mal ignorieren, nicht so tun, als würde ich es nicht hören. Trotzdem reagiere ich erst, nachdem er fast bei mir ist. Er hat meine Jacke unterm Arm und verlangsamt seinen Schritt minimal, als ihn mein Blick trifft. Als wäre ich ein in die Ecke gedrängtes Tier, welches man nur mit aller höchster Vorsicht und einer Tollwutspritze zu nahe kommen sollte.
„Was wird das hier?", fragt er ruhig und ich wende mich wieder von ihm ab, um weiterzugehen.
„Warte doch. Robin!" Ich werde nicht langsamer, Kain dafür wieder schneller und ich merke, wie er mir in einer hastigen Bewegung die Jacke um die Schultern legt. Ich bleibe ad hoc stehen und sie rutscht runter.
„Was wird das?", fragt er ruhig, bückt sich und hebt die Jacke wieder auf. Erneut ist er mir behilflich, hält sie so, dass ich nur noch hineinschlüpfen muss. Diesmal folge ich der stillen Aufforderung. Als nächstes lege ich ihm meine Arme um den Hals, presse mich an ihn und küsse ihn. Das Verlangen ist so roh und territorial, dass ich mich nicht dagegen wehren kann. Ich brauche das Gefühl, ihn so dicht bei mir zu spüren, wenn ich schon nicht entkommen kann. Kain entflieht ein überraschter Laut, der durch meinen Mund gedämpft wird. Dann schmilzt er mit demselben Eifer in den Kuss hinein.
Trotz des eifrigen Versuches, ihm meine Eskalation schmackhaft zu machen, löst er den Kuss auf und lässt dabei seine Augen geschlossen. Kain atmet tief ein.
„Gib mir bitte eine Sekunde, um das Ganze zu analysieren. Ich bin gerade im geringen Maß verwirrt."
„Mach was du willst, ich brauche eine Zigarette", erkläre ich ihm meine Absicht und wende mich von ihm ab. Irgendwo muss es doch eine Tankstelle geben oder einen Kiosk? Ich ziehe mein Handy hervor und laufe, während ich in der Navigationsapp meinen Standort bestimme, los.
„Robin, bleib kurz stehen, okay?"
„Nein", verkünde ich ohne zu zögern, ohne mich umzuwenden. Es dauert etwas, bis die Vernunft einlenkt, also atme ich durch und bleibe dann erst stehen. Erst Sekunden später entschließe ich mich, mich auch umzudrehen. Doch da spüre ich Kains Hand bereits am unteren Rücken, die mich vorwärts drückt.
„Nach links geht's zur nächsten Tanke", erklärt er und führt mich endlich in die richtige Richtung. In der Lesezeit eines Romans wären es etwas 10 Seiten bei gemäßigtem Tempo, trotzdem fühlt sich der Weg endlos an, weil keiner von uns beiden irgendwas sagt.
An der Tankstelle angekommen durchstürme ich die Regale, um direkt zum Verkaufstresen zu kommen. Auf dem Weg taste ich die Jacke nach dem Portemonnaie ab und bin beruhigt, als ich zu mindestens meine Geldkarte lose in der Innentasche finde. Für den Notfall hat mir Jeff letztens verklickert, wie man mit dem Handy bezahlt, aber eigentlich finde ich es sonderbar. Ich nenne dem Verkäufer meine Marke, lege ein Packung Kaugummis und ein Feuerzeug dazu. Danach schaue ich zu dem Schwarzhaarigen, der stillschweigend meinen Panikeinkauf beäugt.
DU LIEST GERADE
Between the Lines Chapter 2 - It's more than just words
Romance[Fortsetzung von Between the Lines - The wonderful world of words} ~Liebe ist eine Herausforderung und das nicht nur in der Dramödie, die sich mein Leben nennt. Sie ist es vor allem dann, wenn einem lange die Überzeugung prägte, das sie nichts weite...
