Beziehungscoup für Moralapostel und Gefühlszoologen -2-

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Kapitel 13 Beziehungscoup  für Moralapostel und Gefühlszoologen ~ Teil 2

„Interessantes Gesprächsthema", witzelt die neugierige Wohnheimbewohnerin, „Stripper. Nicht meine erste Vermutung, aber... nice."

„Ich wiederhole, es war ein Scherz", erläutere ich trocken. Warum springen alle darauf an, als wäre das nicht der nutzloseste Standardplot eines billigen B-Movies? Noch dazu ist Stripper ein Job, wie jeder andere auch. Ich mustere meine blonde Kommilitonin eingehender. Sina trägt kurze Shorts mit knielangen Wollstrümpfen und obenrum einen bequem wirkenden Hoodie. Auch sie scheint gerade aus dem Bett gefallen. Ironischerweise habe ich selbst jedes Mal Szenen von Pornos im Kopf, wenn sie mir in ihren Wohnheimklamotten über den Weg läuft. Ich bin kein großer Fan von den erotischen Filmchen, aber ich habe in der Vergangenheit einige gesehen und in denen gab es stets Frauen, die genauso gekleidet waren wie Sina jetzt.

Sie schnippst und ich schaue ihr wieder ins Gesicht.

„Wirklich nur ein Scherz?" Aufgrund meiner gedanklichen Abwesenheit wiederholt sie scheinbar die Frage, die ich gerade eben nicht mitbekommen habe.

„Wirklich."

„Schade, ich wollte gerade erfragen, wo man dich buchen kann. Von mir gäbe es ein gutes Trinkgeld." Ihr Ernst? Ich atme absichtlich tief ein und laut aus, um ihr meinen Unwillen zu signalisieren. Es hilft nicht. Sinas Augen funkeln foppend und sie tippt mir mit beiden Zeigefingern abwechselnd gegen die Brust. „Sag, was trägst du als Uniform? Machst du den strengen, aber sexy Polizisten? Oder den verruchten Feuerwehrmann? Oh warte, dir stände ein knapper Lederharnisch mit Paddle ausgezeichnet. Du bist drahtig." Sie malt das erdachte Kleiderstück auf meinen Körper auf und schlägt danach eine imaginäre Peitsche. Ich, als Stripper. Ich, als Stripper mit Peitsche. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Der Gedanke ist mehr als absurd, weil ich so gar nicht dem typischen Bild eines Nackttänzers entspreche.

„Und du bist verrückt und nervig."

„Aber auch süß. Damit komme ich für gewöhnlich ziemlich weit", erwidert sie mit lieblicher Stimme. Sie wird damit noch etwas nerviger, weil es nicht ansatzweise arrogant klingt, sondern wie eine Tatsache.

„Sag mal, wovon träumst du eigentlich nachts?", erkundige ich mich, bin voller Skepsis. Bei der Blondine sind eindeutig ein paar Sicherungen durchgebrannt oder es ist der Restalkohol.

„Manchmal von dir in Polizeiuniform. Dieser strenge, richtende Blick. Kain als Feuerwehrmann, mit freiem Oberkörper und feucht glitzernd", zählt sie schamlos auf, „Oder ihr beide zusammen als verrücktes Professorengespann." Mein Gehirn braucht etwas, um es zu verarbeiten. Sie stellt sich Kain und mich zusammen vor?

„Zu viel Informationen", sage ich letztendlich, presse es eher hervor.

„Ich denke, nicht genug, denn du hast noch was an." Sie flirtet unerwartet unverhohlen, zuppelt an meinem Shirt und steht weiterhin dicht bei mir. Zu dicht.

„Was soll das hier werden, Sina?", erkundige ich mich. Sie weiß, dass ich nicht auf sie anspringe. Langsam wird es affig.

„Ich langweile mich", gesteht sie schlicht. Ich raune auf.

„Kannst du dich woanders langweilen?" Vor allem mit jemand anderen. Ich bin eindeutig der Falsche dafür. Die offensive Blondine schüttelt ihre Locken und weicht nicht zurück.

„Du kannst mir dabei helfen, dass ich mich nicht mehr langweile", flüstert sie offensiv, blinzelt kokett. Sie ist mir die gesamte Zeit über derartig nah, dass ich erkennen kann, dass sie im linken Auge einen kleinen braunen Fleck in ihren blauen Iriden hat. Das ist mir vorher nie aufgefallen und bleibt ein Detail, dass ich schnell vergessen werde.

Between the Lines Chapter 2 - It's more than just wordsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt