Seit ganzen 2 Stunden suche ich im Keller nach Sallys verborgenem Kleiderschrank. Glaubt mir, wenn ich euch sage, der Keller ist größer als das Haus zusammen. Das Schloss wurde auf allen Etagen neu renoviert, aber hier im Keller erkennt man noch de alten Strukturen. Dicke Säulen aus Stein halten das Fundament zusammen. An den Mauern gibt es hochgelegenen kleine Fenster, die gerade so etwas Licht ins Dunkel bringen.
Die Auswahl an Gegenständen ist riesig. Von alten Spielsachen hin zu riesigen Gemälden, Dreirädern und Fahrrädern, Gartenmöbel, Werkzeuge und verschlossene Holzkisten ist alles mit dabei.
Die sollten mal ein Flohmarkt mit dem Zeug machen, dann wären sie Billionäre. Wenn die nur einen kleinen Teil ihrer Unmengen an Schuhen spenden würde, wäre viele in den Slums für den nächsten Winter sicherer vor der Kälte.
Entmutigt öffne ich den nächsten Schrank, indem mich eine große, haarige Spinne begrüßt und eine Sammlung von Gewehren. Etwas gruselig, dass man so etwas im Keller hat...
Von oben höre ich Mr. Silvers laute Anweisungen geben. Die Vorbereitungen dauern jetzt schon über 5 Stunden und sind noch im vollen Gange. Der nächste Schrank ist ein Volltreffer. Prinzessinnenkleider in allen Größen und Farben hängen in dem grauen, vermoderten Schrank. Eines ist schöner als das andere.
Ich ziehe mir ein Dunkelblaues mit dünnen Trägern, enger Taille und breitem Rock heraus. Um das Dekolte sind funkelnde Perlen eingearbeitet. Das Kleid ist ein Traum für jede Märchenprinzessin.
Das einzige Problem ist, dass Sally nach ihrer Mutter kommt und absolut schlank ist. Wenn ich in 2 Stunden nicht 10 kg verliere wird es sicher schwer meine Oberweite da rein zu bekommen.
Ich schnappe mir ein paar Kleider von den Farben, die mir gefallen und schleppe sie durch die wuseligen Vorbereitungen vorbei in mein Zimmer.
Da das Blaue mein geheimer Favorit ist, probiere ich es als erstes an. Wie befürchtet passt es nicht um meine Oberweite und Hüften. Ich habe eine wirkliche Sanduhrfigur, definitiv mehr Oberweite als Sally und ein wenig mehr Speck am Bauch. Was sich halt bei all dem Stress eben so ansammelt.
Enttäuscht darüber, dass mir das blaue Kleid nicht passt, probiere ich das Gelbe an. Ich stelle mich vor meinen Schrankspiegel und mustere mich. Gelb lässt mich blass und meine Straßenköterblonden Haare gefärbt wirken. Genervt streife ich mir die Träger von den Schultern, als ich im Spiegel sehe, wie sich die Türe öffnet. Erschrocken halte ich das Kleid an meinen Oberkörper gepresst.
„Nathe!", rufe ich empört.
Ausdruckslos mustert er mich. „Nichts, was ich noch nicht gesehen habe."
„Kannst du nicht anklopfen verdammt?", meckere ich ihn an und verziehe mich ins Bad.
„Da ist aber jemand empfindlich. Ich hätte dir gleich sagen können, das Gelb nicht passt."
Genervt verdreht ich die Augen. Bevor ich das Kleid ganz ausziehen kann, steht er schon im Türrahmen des Bades und betrachtet meine Kleiderauswahl. „Brauchst gar nicht die Augen verdrehen."
„Spinnst du?", rufe ich verärgert und knalle die Türe vor seiner Nase zu „schon mal was von Privatsphäre gehört?"
„Sagt die, die mein Tagebuch gelesen hat?", kontert er durch die Türe hinweg.
Touché.
„Ich will dich nur ein wenig kennenlernen bevor wir zusammen zur Party gehen."
„Da reicht freundliches und respektvolles miteinander reden völlig aus.", motze ich und ziehe das gelbe Kleid schnell aus mit Blick Richtung Türe. „Du hättest die letzten Tage Zeit dafür gehabt."
Ein ungutes Gefühl macht sich in mir breit. Seit unserer letzten Begegnung in der er mich bedroht hat, haben wir uns nicht mehr gesehen und jetzt will er mich auf einmal besser kennenlernen? Etwas stimmt ganz und gar nicht. Aber bevor ich mich diesem Problem widme, muss ich mir erst mal was passendes anziehen bevor ich ihm unter die Augen trete.
Ich habe noch ungefähr 8 weitere Kleider und Farben. Hellrosa, Beige, Rot, Dunkelgrün, Hellblau, weiß, Flieder und Orange.
Wie wenn er meine Gedanken lesen kann, beantwortet er meine Frage: „Nimm das Rote."
Das Rote? Vom Aussehen her gefallen mir die anderen besser...
„Willst du mich bei der Deko abstellen wenn ich zu anstrengend werde?"
Ich kann sein Schmunzeln fast schon vor mir sehen: „Da hast du mich durchschaut."
Ich betrachte das Rote Kleid genauer. Es ist schlichter als die anderen. Spagettiträger, eigene Körbchen für die Oberweite, samtiges Oberteil mit Wasserfallausschnitt und einen bodenlangen, glatten Rock mit leichter Schleppe. Weniger ist mehr... oder? Schnell schlüpfe ich rein und zwänge mich in die Oberweite rein, die nun in dem Kleid unterzugehen scheint. Ich werfe keinen Blick in den Spiegel, er wird schon selbst sehen, dass er definitiv mit seiner Farbauswahl nicht recht hat.
Das Kleid wird am Rücken zugeschnürt, wobei ich mir jetzt keine Mühe gegeben habe, da ich nicht vorhabe es länger als ein paar Sekunden zu tragen.
Ich öffne die Türe und warte nur darauf, dass er zugibt wie falsch er liegt.
„Wow, Cat", sein Blick mustert mich von oben nach unten „... das sieht... noch etwas komisch aus."
Und ich dachte schon es kommt mal zur Abwechslung was Nettes.
„Das Kleid passt mir nicht. Sally ist viel dünner, hat weniger Oberweite...", maule ich und lasse die Schultern hängen.
Er deutet mir an aus dem Bad heraus zu kommen und mich vor den Schrankspiegel zu stellen.
Zugegeben, die Farbe steht mir sehr gut. Da das Kleid hinten noch nicht zu ist, sieht das Oberteil etwas misslungen aus.
Ich spüre wie er seine Hand um meine Hüfte legt und sich neben mich stellt. Er setzt einen arroganten Blick auf und betrachtet uns im Spiegel.
„ Wir werden heute Abend eine gute Show abliefern.", stellt er zufrieden fest und zwinkert mir zu. „Und ich seh dabei noch gut aus."
Ich löse mich aus seinem Griff. „Ich hab nicht vor heute Abend aufzufallen. Ich hab ohnehin keine Lust generell aufzufallen." Ohne darauf zu reagieren tritt er hinter mich und legt meine Haare gebündelt über meine Schulter.
Mit kräftigen Handbewegungen zieht er die Schnüre am Rücken zusammen, sodass das Oberteil sich wie angegossen um meine Taille legt. Meine Figur kommt plötzlich zur Geltung, die Kurven und vor allem die Oberweite, die etwas nach oben zusammengedrückt wird. Ich traue mich kaum Luft zu holen als ich seinen Atem in meinem Nacken spüre. Als er fertig zu sein scheint, wandern seine Hände von den Schnüren zu meinem Becken und bevor ich reagieren kann, zieht er mich an sich heran. Mir verschlägt es die Sprache. Ich kann nur in den Spiegel schauen und versuchen zu realisieren, dass der begehrteste Junge der Schule mich an sich zieht und mein Spiegelbild von oben bis unten abcheckt. Ich, die hier in einem unvorstellbar teurem Kleid stehe weil ich mit ihm auf die Party seiner Familie als Begleitung gehe.
„Wir werden werden heute Abend Spaß haben.", raunt er an meinen Hals, wodurch ein warmer Luftzug mir Gänsehaut beschert. Das hat sich so gut angefühlt... Leicht neige ich den Kopf in die entgegengesetzte Richtung, um ihn mehr Platz an meinem Hals zu geben und dieses Gefühl zu verstärken seinem Atem auf meiner Haut zu spüren.
Ich sehe im Spiegel, wie er sich ein grinsen nicht verkneifen kann. Genau das bringt mich zurück in die Realität und gehe ein Schritt zur Seite um aus seinen Armen zu gelange. Er zwinkert mir und verlässt ohne weiteren Worte mein Zimmer.
Ein heißer Schauer läuft mir über den Rücken. Was macht er nur mit mir? Ich hab ihm doch eindeutig gesagt, dass er mich nicht benutzen soll! Außerdem habe ich mir extra §3 aufgestellt, mich auf keinen der Idioten in der Schule einzulassen.
Ich weiß auch, dass er nur mit mir spielt. Er braucht mich für die Party heute Abend und nutzt mich für irgendetwas aus.
Er ist und bleibt halt ein arroganter Arsch! Was auch immer er heute Abend von mir möchte, ich werde es ihm um keinen Preis der welt geben.
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Between two worlds
Romance„Du schuldest mir was, Swany!" Wie ich diesen dämlichen Spitznamen hasse! Verständnislos lache ich auf: „Man kann sich also nicht mal mehr untereinander helfen, ohne einen Hintergedanken zu haben?!" Nathan Silver kommt schmunzelnd auf mich zu und r...
