Kapitel 5

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Der nächste Tag begann mit einer aufgeregten Chrissy, die neben mir saß, seitdem ich aufgewacht war. Sie hüpfte in ihrem Stuhl auf und ab und sah immer wieder zur Tür, in der Hoffnung Jack würde dort jetzt endlich durch kommen. Aber auch ich konnte nicht abstreiten, dass ich nervös war. Dann klopfte es an der Tür und Chrissy rief ihn rein. Jack stand im Türrahmen, ein breites Grinsen im Gesicht. „Seid ihr bereit?" Ich nickte und ich konnte förmlich die Energie die von Chrissy ausging, spüren. Sie würde vermutlich am Liebsten aufspringen und alleine da hin sprinten, aber leider wusste sie nicht, welcher Raum der Richtige war. Ich hatte mich schon umgezogen, während Chrissy davon geredet hatte, wie aufgeregt sie war. Dieses Krankenhauskleid ging mir langsam auf die Nerven, weswegen ich, zum Leid der Schwerstern, mich immer wieder umzog, meine eigenen Sachen nahm und gesagt bekam, ich solle doch bitte in den vorgeschriebenen Anziehsachen bleiben, was ich natürlich nie tat.
Ich stieg aus dem Bett und nahm die Krücken die neben meinem Bett abgestellt wurden. Ich habe noch nie solche Dinger gebraucht und, so wie ich mich kannte, würde ich vermutlich nicht damit umgehen können. Zumindest fühlte es sich sehr merkwürdig an.
Jack versuchte neben uns zu gehen, musste dann aber doch voraus gehen, damit wir überhaupt zu dem Raum fanden. Als wir davor standen, grinste Chrissy breit und wippte vor Aufregung immer wieder von dem Fußballen auf ihren Hacken. „Okay, ich geh' kurz rein, um sicher zu gehen, dass er wach ist und dann hol' ich euch", meinte Jack, die Hand schon auf dem Türhenkel. Ich nickte und versuchte Chrissy nicht allzu sehr aus zu lachen, sie konnte sich nur gerade so zusammen reißen. Jack verschwand kurz im Zimmer und die kleine Pause nutze Chrissy um einmal tief durch zu atmen und sich zu beruhigen. Ich beobachte das alles nur, ziemlich amüsiert. Und tatsächlich schaffte sie es sich komplett runterzufahren und sich so zu verhalten, als würde sie nicht gleich ihr Idol treffen.

Die Zeit, die Jack darin war, machte mir langsam ein wenig Sorgen und ich hatte Angst unser Besuch würde aus irgendeinem Grund nicht stattfinden können. Aber dann kam er wieder raus und nach dem Lächeln, das sich noch immer auf seinen Lippen befand, zu urteilen, war alles in Ordnung. „Bereit?" Chrissy schüttelte einfach den Kopf und ich musste lachen. Dafür nickte ich und Jack öffnete die Tür. Er ging, mal wieder, voraus in das Zimmer. Ich konnte nur das Ende des Bettes sehen, ansonsten war die Wand davor. Wir wurden tiefer in den Raum geführt und immer mehr kam zum Vorschein. Das Bett wurde länger und langsam konnte ich den Jungen sehen, der darin lag. Und dann konnte ich endlich das gesamte Bild sehen. Um das Bett herum standen Geräte von denen ich keine Ahnung hatte, wofür sie gut waren. Das Einzige, was ich kannte, war der Herzmonitor, dessen Strich regelmäßig auf, ab und wieder gerade ging. Andere Maschinen waren durch Kabel an die Innenseite seines Ellenbogens oder mit seinem Handrücken verbunden. Dann nahm ich einem genaueren Blick auf den Jungen. Er wurde ebenfalls dazu gezwungen so ein merkwürdiges Krankenhaus-Outfit zu tragen. Er hatte dunkel braune Augen und braune Haare und ja, ich erkannte ihn definitiv von den ganzen Bildern, die Chrissy mir vor die Nase gehalten hatte. Ich winkte ein wenig fehl am Platz und er schenkte mir einfach ein Lächeln. Dann übernahm Jack das Wort. „'Lex, das sind Chrissy und Leila. Leila, Chrissy, ihr wisst wer das ist", damit ließ er sich auf einen der drei Stühle neben dem Bett fallen. Alex wandte sich zu Chrissy. „Ich hab' gehört, du seist ein Fan?" Und damit verschwanden sie in eine tiefe Unterhaltung, bei der ich nicht anders konnte, als mich irgendwann auszuklinken. Nicht, dass es mich nicht interessierte, ich hatte einfach irgendwann den Faden verloren und verstand nicht mehr, wovon sie überhaupt sprachen. Jack schien nicht wirklich aufmerksam zu sein. Irgendwann gab ich es auf dem Gespräch von Chrissy und Alex zu verfolgen und wanderte mit den Gedanken einfach woanders hin. Alex schien Jack sehr ähnlich zu sein: ein liebenswerter Idiot. Und er hatte das was ihm passiert war, eindeutig nicht verdient. Wie erwähnt, hatte ich nicht alles mitbekommen, aber anscheinend hatte er sich sehr schwer an den Beinen verletzt und musste noch einige Zeit im Krankenhaus verbringen. Und das schien ihn mehr als zu nerven. Verständlicher Weise.
Dann versuchte ich mich doch wieder in die Unterhaltung einzubringen und es stellte sich raus, dass sie gerade über den kleinen Hundewelpen sprachen, den Chrissys Eltern sich angeschafft hatten. Wie auch immer sie auf dieses Thema gekommen waren, aber zumindest konnte ich dazu etwas sagen. „Er hat mehr als ein paar meiner Schuhe zerstört", meinte ich, als Chrissy von seiner Verspieltheit erzählte. Alex lachte. „Ich kenn' das. Es hat lange gedauert, bis mein Hund verstanden hat, was zum Spielen ist und was nicht"
„Wie heißt er?"
„Sebastian"

„Welche Rasse ist er?"

„Ein braun-weißer Papillon"
Und das sagte mir leider überhaupt nichts. „Kenn' ich nicht" „Schäm dich!", ich lachte, als Alex mit dem Finger auf mich zeigte. Dann schlug er Jack gegen die Schulter, der mittlerweile komplett in einer anderen Welt versunken war und bei dem Kontakt zusammen zuckte. „Gib mir mal bitte mein Handy" Alex deutete auf einen Rucksack der auf einer kleinen Couch lag. Warum bekam er eine Couch und alles was ich hatte war ein einziger, weißer Plastikstuhl? Jack stöhnte, erhob sich aber von seinem Platz und schlief rüber zu dem Sofa. Er kramte in der Tasche rum, bevor er ein Handy rausholte. Er war es zu Alex, der es fing und entsperrte. Kurz darauf hielt er es mir hin und ich sah ihn zusammen mit einem Hund, Sebastian, darauf. „Kenn' ich doch!" „Sehr gut" Und so ging unser Gespräch weiter.

Long Live The Reckless And The Brave (Alex Gaskarth FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt