Kapitel 19

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Mein Lächeln versteinerte sich, als ich das vor mir stehende Mädchen betrachtete. Sie war groß, ihre dunkel blonden Haare reichten ihr bis unter die Rippen und sie lächelte mich an. Ihre braunen Augen strahlten eine Wärme aus und doch fühlte ich mich in ihrer Nähe unwohl. „Ich habe schon so viel von dir gehört" Sofie überraschte mich, als sie mich in eine Umarmung zog. Ihr, nach Lavendel riechendes Parfüm, stieg mir in die Nase und ich zog vor diesem Geruch zurück. Mit einer hochgezogenen Augenbraue drehte ich mich zu Alex. Der schien seine Aufmerksam allerdings lieber ihr zu schenken. „Was tust du hier?", seine Stimme klang verwirrt und hatte fast schon einen vorwerfenden Unterton. Sofie kniete sich hin -jetzt auf Augenlevel mit Alex- und strich sich eine Haarsträhne aus den Augen. „Ich habe gehört, was passiert ist und wollte sehen, wie es dir geht" Ich hätte beinahe gelacht. Sie hatte das ja früh mitbekommen.

Fast schon als wollte sie ihn beruhigen, legte sie ihm eine Hand auf sein Knie. Alex rollte ein paar Zentimeter zurück und war damit außer ihrer Reichweite. Anscheinend keine gute Trennung.

Sofie stellte sich wieder auf ihre Beine, noch immer dasselbe, freundlich Lächeln im Gesicht. „Wie wäre es, wenn wir erstmal reingehen und ein wenig über alles reden?" Ihre Hand hatte sie schon während des Redens auf den Türhenkel gelegt. Ich fühlte mich wie ein kleines, verlorenes Kind, als ich den Beiden ins Zimmer folgte. Sofie war nett, war sie wirklich, aber ich fühlte mich in ihrer Nähe einfach nicht wohl. Es war, als hinge eine Spannung in der Luft und ich wollte zurück in den Park mit Alex.

Ich wollte Alex zurück ins Bett helfen, aber er schüttelte meine Hand ab, die Augen immer noch auf Sofie fixiert. Meine Stirn legte sich in Falten, aber ich hinterfragte diese kühle Gestehe nicht, sondern setzte mich still hinter Alex auf das Bett. Sofie hatte sich auf das Sofa fallen lassen, auf dem Jack, Rian und Zack schon viele Nächte verbracht hatten. Sie seufzte und klatschte in die Hände. „Also, wie geht es dir?" Alex antwortete nicht sondern starrte sie einfach weiter an, also tat ich einfach, als wäre die Frage an mich gewesen. „Mir geht's ziemlich gut. Wir waren eben im Park und da war es echt schön, oder Alex?" Ich stupste ihn an, aber er zuckte nur mit den Schultern. Sofie schien etwas zurück genommen zu sein, als ich ihre Frage beantwortet hatte. Ich konnte nun mal keine unangenehme Stille leiden. „Und wie geht es dir?", ich versuchte meinen armseligen Versuch aufrecht zu halten.

„Mir geht es auch sehr gut. Ich bin froh, dich endlich wiederzusehen" Und damit hatte sie mich wieder aus dem Gespräch geworfen. Aber Alex schien immer noch nicht daran interessiert zu sein, sich zu beteiligen.

Wir wechselten ein paar Sätze, ich beantwortete die Meisten Fragen, als seien sie an mich gerichtet und schien Sofie damit wirklich auf die Nerven zu gehen. Aber sie war zu nett um mich zu unterbrechen und tat einfach so, als würde es sie interessieren, was ich vor mich her redete.

Ein paar Minuten später wurde die Tür geöffnet und ich danke wer auch immer da gerade rein kam dafür, uns zu retten. Als ich die schwarz, blonden Haare sah musste ich grinsen. Jack schaffte es immer, die Stimmung zu heben. Seine Hand war mit Chrissys verschränkt, die hinter ihm her getrottet kam. Als sie mich sah, grinste sie und ließ ihn los. Wir hatten uns relativ lange nicht mehr gesehen. Deshalb war ich glücklich, sie jetzt zu sehen. Jack ging auf Alex zu, vollkommen ahnungslos über das andere Mädchen in dem Raum. Er stand mit dem Rücken zu ihr. Erst, als er merkte, wie Alex irgendetwas intensiv anstarrte drehte er sich um. Und auf einmal veränderte sich die Stimmung drastisch. Eben als Jack reingekommen war, hatte es sich aufgelockert. Ich dachte er würde ein paar schlechte Witze reißen und wie er nun mal war, versuchen, alle wieder zum Lachen zu bringen. Aber nein, es war schlimmer als vorher. Sein ganzer Körper hatte sich angespannt und ich konnte den Hass in seinen Augen bis hier hin sehen. Chrissy schien es auch zu merken, denn innerhalb sekundenschnelle war sie an seiner Seite und zog ihn an seinem Arm zu uns. Sie setzte ihn zwischen und uns flüsterte in energischer Stimme: „Beruhig dich. Was soll das denn?" Der sonst so lustige, lockere, alberne Jack ließ nur ein Grummeln aus seiner Kehle entfahren und langsam wunderte ich mich wirklich, was dieses Mädchen getan haben könnte, um alle gegen sich zu bewegen. Wenn Alex mal auf jemanden wütend war, okay, konnte ich sein Verhalten noch verstehen, aber Jack sah in allem das Gute und akzeptierte die kleinste Entschuldigung sofort.

Chrissy hatte ihre Hände wieder verschränkt und versuchte immer noch Jack zu beruhigen. Aber genau wie Alex warf er Sofie nur den Todesblick zu.

Irgendwann reichte mir das alberne Verhalten der Jungs. Sofie war bisher nichts als nett und auch wenn mich irgendetwas an ihr störte, wollte ich nicht, dass sie ganz alleine auf dem Sofa saß und von ihnen zu Grunde gestarrt wurde. Also stand ich auf und klatschte in die Hände. Sowohl Alex als auch Jack fuhren zusammen und ich grinste. „Was auch immer zwischen euch vorgefallen ist, ist jetzt vorbei, also verhaltet auch wie Erwachsene und redet normal miteinander" Zwei Sachen stimme an diesen Sätzen nicht.

1. Ich wusste nicht, was sie getan hatte. Vielleicht war es unverzeihbar.

2. Ich konnte nichts erwachsenen von Jack und Alex erwarten.

Wie eine Mutter, die mit ihrem Kind schimpfte, stemmte ich meine Hände in meine Hüfte und starrte jetzt die beiden an, wie sie es eben mit Sofie getan hatten.

Alex schüttelte nur den Kopf und Jack entschloss sich endlich mal, mich und Chrissy einzuweihen. „Das Mädchen hätte uns fast auseinander gebrochen"

Long Live The Reckless And The Brave (Alex Gaskarth FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt