Die Regentropfen prallten gegen das Fenster und flossen langsam daran hinunter. Sie trafen auf einander, verbanden sich und führten ihren Weg gemeinsam fort. Es war der erste Regen in diesem Sommer. Der Himmel war von Wolken überzogen, die tief über dem Boden hingen.
Das Krankenhauszimmer war dunklen und wurde nur von einem krank aussehenden Gelb der Deckenlampe erhellt. Es war ruhig, dass einzige Geräusch war das Prasseln der niederschlagenden Regentropfen.
Ich hielt noch immer Alex' Hand, wobei ich aufgehört hatte, mit seinen Fingern zu spielen. Sie lag einfach nur in meiner, während ich aus dem Fenster hinausstarrte.
Die Ärzte hatten gesagt, es könne etwas dauern, bis er aufwachen würde, also saßen wir jetzt bereits seit drei Stunden in Stille.
Alex fing an aufzuwachen und ich setzte mich näher zu ihm. Die anderen waren alle bereits am Schlafen und ich wollte sie nicht wecken. Nach so einem Tag wie heute, hatten sie sich den Schlaf verdient. „Wie geht's dir?", flüsterte ich, meine Stimme möglichst gedämpft und leise. Er grummelte nur und veranstaltete einen vergeblichen Versuch sich umzudrehen, schaffte es aber dabei fast eines der vielen Geräte umzuwerfen. Ich lachte leise und legte meine Hand auf seine Schulter.
„Müde", sprach er dann endlich zu mir. Und ich ließ ihn weiter schlafen.
Eine Woche später ging es mit Alex gut voran. Anders als ich gedacht hatte, hatte der Vorfall seinen Ergeiz anscheinend nur noch weiter gesteigert. Laut Dr. Edwards machte Alex jetzt bessere Fortschritte als vorher, sehr zu Freude von uns allen.
Es war Mittwoch, als ich ihm mal wieder bei der Krankengymnastik zusah, die auch nach all den Wochen noch nicht normaler für mich wurde und einfach immer noch unglaublich eigenartig aussah. Aber es schien Alex zu helfen.
Er bat mich andauernd mit ihm rauszugehen und da die anderen wieder in Band Sachen unterwegs waren, konnte ich nicht nein sagen. Sollte ich es einmal tun, würde er mich so lange nerven, bis ich verrückt wurde. Und alleine lassen konnte ich ihn einfach nicht.
„Ich bekomme vermutlich bald Krücken", sagte Alex in die Stille hinein. Ich saß auf einer Bank, sein Rollstuhl wie so üblich neben mir. Bisher hatte ich alte Leute beobachtet, aber dann bekam er meine Aufmerksamkeit.
„Was bedeutet bald?", ich hatte mir angewöhnt mit seinen Fingern zu spielen und ich wusste einfach nicht, warum es mir solche Freude bereitete, aber ich fand es unglaublich lustig. Er schien es auch nicht all zu störend zu finden, immerhin legte er mir mittlerweile seine Hand freiwillig hin, sobald wir irgendwo saßen. „Wenn alles gut geht, nächste Woche" Ein Grinsen breitete sich auf meinen Lippen aus. „Das heißt ich muss dich nicht mehr überall hinschieben? Langsam wirst du echt schwer" Ich lachte, als er schmollte und mich mit gegen den Arm schlug. Trotzdem konnte ich ihn schmunzeln sehen. „Komm schon, du liebst es doch, so viel Zeit mit mir zu verbringen" Überlegend sah ich in die Ferne, als würde ich wirklich erst überlegen müssen, was mir natürlich sofort wieder einen Schlag einfing. „Na gut, na gut, du hast Recht" Ich lachte und fing einfach wieder an mit seinen Fingern zu spielen.
Einige Zeit später rollte ich ihn wieder rein. Es wurde langsam spät und es schien als würde es bald anfangen zu regnen. Und nichts ist schlimmer als wenn ich jemanden in einem Rollstuhl durch den Regen fahren muss. Ich weiß, die Räder sind eigentlich dafür gemacht, auf jedem Boden gut fahren zu können, aber ich schaffte es trotzdem, Alex beinahe aus dem Stuhl zu befördern. Ähnlich wie Jack es damals bei mir getan hatte. Nur dass es nicht einmal nass in den Fluren gewesen war, es war einfach Jack. Und jetzt, wo ich ihn kannte, würde ich es auch gar nicht mehr anders erwarten.
Gerade als wir auf Alex' Flur angekommen waren, kam uns ein junges Mädchen entgegen. Sie war nicht älter als 15 und hatte braune, glatte Haare, die ihr bis unter die Rippen reichten. Als sie uns sah, lächelte sie nervös und ich war mir fast schon sicher, sie sei ein Fan.
Und tatsächlich grüßte sie uns und automatisch hielt ich, damit natürlich auch Alex, an. Wie eigentlich immer fielen die beiden sofort ins Gespräch und anders als ein paar andere Fans, die ich getroffen hatte, war sie sehr höflich, zurückhaltend und dezent. Sie unterhielten sich über Musik und das das Mädchen im März auf einem All Time Low Konzert war und wie sehr es ihr gefallen hatte. Es war ziemlich niedlich wie aufgeregt sie wurde, als sie von dem Abend erzählte. Mit dem Satz „Ich muss jetzt leider gehen, aber es war echt schön euch zu treffen", verabschiedete sich. Als ich Alex weiter schieben wollte, drehte sie sich noch einmal um. „Ach, und ihr seid wirklich so ein niedliches Paar" Alex und ich lachten, wobei ich spürte, wie meine Wangen rot wurden. „Wir sind nicht zusammen", verdeutlichte Alex noch einmal. „Ja. Das wäre eigenartig", bestätigte ich, wobei ich mich fühlte, als würde ich sie anlügen. Ich schüttelte das Gefühl ab, als sie uns sagte, dass es ihr schrecklich peinlich sei und dass sie jetzt gehen würde. Alex rief noch hinterher, dass sie sich keine Sorgen machen müsse und dass es irgendwo lustig gewesen war.
Vor seinem Zimmer stand wieder ein Mädchen und obwohl die eben wirklich nett war, stöhnte ich. Ich wollte Alex bei Mario Kart schlagen und es war ziemlich aufdringlich von ihr, sich einfach vor sein Zimmer zu stellen. Das braunhaarige Mädchen war hier, um ihren Bruder zu besuchen, war also nicht auf der Suche nach All Time Low durch das Krankenhaus geirrt. Aber sie schien wirklich nur zu Alex zu wollen. Trotzdem lächelte ich sie an, als wir zu ihr kamen. Als sie uns sah, fing sie an zu lächeln und kam ein paar Schritte auf uns zu. Alex' eben noch aufgesetzte Lächeln verschwand, als er sie sah. „Sofie?" Verwirrt sah ich zwischen den beiden her. Sie kannten sich. „Wir haben uns Ewigkeiten nicht mehr gesehen und als ich gehört habe, dass du einen Unfall hattest, bin ich sofort hier hin" Die hatte das aber spät bemerkt. Alex seufzte. „Sofie, das ist Leila. Leila, das ist Sofie. Meine Ex-Freundin"
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Long Live The Reckless And The Brave (Alex Gaskarth FF)
FanfictionNach einem Unfall im Tanzstudio muss Leila ins Krankenhaus. Dort trifft sie Jack Barakat, der Gitarrist von All Time Low; die Lieblingsband Leilas bester Freundin, Chrissy. Alex Gaskarth war in einen Autounfall verwickelt. Nachdem Leila und Chrissy...