Kapitel 1

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„Du bist so ein Idiot", war der Satz der mir in den letzten zwanzig Minuten immer wieder an den Kopf geworfen wurde.
Ich hatte irgendwann aufgehört zu antworten, vor allem weil ich wusste, dass sie recht hatte. Das letzte Mal hörte ich ihn, als Chrissy auf den Parkplatz des Krankenhaus' fuhr. Sie zog die Schlüssel aus dem Zündschloss und machte ihre Tür auf. Sie ging vorne um das Auto rum und öffnete meine. Ich wusste, dass ich hier niemals ohne Hilfe raus kommen würde, aber ganz wie ein Kleinkind wollte ich jetzt auch nicht wirken, also versuchte ich mich an dem Rand der Tür hochzuziehen, worauf hin ich mich fast selbst damit schlug. Chrissy lachte, bevor sie mir ihre Hände hinhielt. Ohne wirklich eine Wahl zu haben griff ich sie und sie half mir aufzustehen. Ich versuchte kein Gewicht auf mein Bein zu legen was sich während des Laufens als ziemlich schwierig rausstellte. „Wie hast du das eigentlich hinbekommen?", fragte sie, auch eine der Fragen, die in der letzten Zeit relativ häufig gefragt wurde. Und auch eine der, die ich nicht beantworte. Größten Teils weil ich selber nicht genau wusste, was ich getan hatte. Im einen Moment versuche ich den Tanzschritt aus einem Video nachzumachen und im nächsten lieg ich auf dem Boden mit einem schmerzenden Knöchel. Mein Glück, dass Chrissy auch im Studio war und mich direkt zum Krankenhaus gefahren hat.
Mit ihrer Hilfe humpelte ich in den Wartebereich. Vorsichtig setzte ich mich auf einen der unbequemen Plastikstühle, während Chrissy der Frau am Empfang Bescheid gab. Eine Sache, die ich an Krankenhäusern hasste: es waren so viele Menschen hier und alle krank.
Kurze Zeit später ließ sich jemand neben mich auf den Stuhl fallen. Ohne hinzuschauen wusste ich, dass es Chrissy war. „Lass mich raten, ich soll deine Stunde am Dienstag übernehmen?" Ich lächelte sie entschuldigend an. „Bitte?" Seufzend nickte sie. Dienstags hatten wir eine Tanzgruppe mit Kindern zwischen neun und elf. Es war eine kleine Gruppe und die Kinder waren unglaublich lieb. Am Anfang war es nur ein Deal damit wir ins Studio konnten wann immer wir wollten, aber mittlerweile macht es uns ziemlich Spaß. Auch wenn wir normaler Weise zusammen unterrichteten, diesen Monat hatten wir wegen den Uni-Klausuren aufgeteilt. Zumindest war es so geplant.
Es dauerte, aber irgendwann wurde ich aufgerufen. Sie hatten mir sogar einen Rollstuhl gebracht. Seit ich klein war wollte ich mit so einem mal fahren. In Wirklichkeit war es um einiges langweiliger als ich es mir vorgestellt hatte.
Der Arzt brauchte lange bis er endlich durch die Tür kam. Er lächelte mich an und gab mir die Hand. Dann tastete er meinen Knöchel ab und ich zuckte zusammen. Nur für den Bruchteil einer Sekunde änderte sich etwas in seinem Gesicht und das Lächeln verschwand, aber genau so schnell was es wieder da. „Da müssen wir wohl röntgen" Ich wurde weiter geschoben, bevor ich reagieren konnte. Rollstuhl war wirklich um einiges uncooler als in meiner Vorstellung. Nur das man sich nicht bewegen musste war für mich, ein von Natur aus fauler Mensch, praktisch. Das Röntgen ging schnell und bevor ich es wusste musste ich auf die Ergebnisse warten. Mittlerweile war es relativ spät geworden, weshalb Chrissy in einem der unbequemen Stühle eingeschlafen war. Dieses Mädchen sollte ihren Schlafrythmus überarbeiten. Nicht, dass meiner wesentlich besser war. Ich nutze die mir gegebene Zeit um ein bisschen im Krankenhaus herum zu fahren. Wo auch immer mein Ziel gewesen war, ich wusste ich hatte es verpasst, als ich mich in einem Gang voller Patientenräumen wiederfand. Leider auch ohne die geringste Ahnung wie ich da wieder raus kommen konnte. Orientierungslos fuhr ich ein bisschen weiter, bis ich am Ende des Ganges eine Gestalt sah. In der Hoffnung es sei ein Arzt beschleunigte ich mein Tempo noch etwas, bis ich ihn ein geholt haben würde. Je näher ich an ihn ran kam, desto mehr konnte ich erkennen. Eindeutig kein Arzt, kein Kittel und er sah selbst ziemlich verloren aus. Ich wollte gerade aufgeben und meinen Weg alleine weiterführen, als mit auffiel, wie bekannt er mir vorkam. Wenn ich auch nicht wusste woher... Groß, schwarze Haare mit ein wenig blond und dünn...ich kam einfach nicht drauf...aber vielleicht wusste er trotzdem, wo ich hin musste. „Hey", rief ich, als ich nur noch wenige Meter von ihm entfernt war. Er hatte mich anscheinend noch gar nicht gesehen, denn er zuckte zusammen, drehte sich um und sein verwirrter Gesichtsausdruck veränderte sich sofort zu einem Lächeln. Dieses ganze Grinsen heute. „Du weißt nicht zufällig, wie ich wieder zu der Auskunft komme?" Daraufhin fing er an zu lachen. „Ich folg' schon seit dreißig Minuten den Schildern und komm schon zum vierten Mal hier vorbei" Also war er wirklich so eine große Hilfe, wie ich erwartet hatte. „Aber vielleicht haben wir zu zweit mehr Glück" Er zwinkerte mir zu und ich konnte das Lachen das meinen Lippen entfuhr nicht zurück halten. Als ich mich wieder gefangen hatte hielt er sich eine Hand über sein Herz und wischte sich unter dem Auge her. „Ich habe versucht nett zu sein und das ist meine Belohnung?" Er versuchte so gut es ging ernst zu bleiben und seine Trauermasche durchzuziehen, aber schaffte es einfach nicht, das Lächeln zu unterdrücken das seine Mundwinkel immer wieder zum Zucken brachte. „Na gut, dann will ich dich nicht alleine weinen lassen", versetzte ich mich in meine Rolle, als was auch immer. „Wir können von mir aus zusammen suchen" Sofort waren die ‚Tränen' verschwunden und er lachte wirklich. Nicht nur ein Lächeln, ein richtiges Lachen. Ohne ein weiteres Wort stellte er sich hinter mich, griff die zwei Hebel an meinem Rollstuhl und fing an mich durch die Gegen zu rollen. Natürlich nicht ohne Schlenker nach rechts und links zu machen. Zu meinem Glück schaffte er es dann doch noch normal zu fahren. Wobei es mit abrupten Bremsungen und Kippungen nicht die entspanntest Fahrt war. „Nebenbei, ich bin Jack", stellte er sich vor, als er mich wieder einmal fast von dem Stuhl runter befördert hatte. „Leila", brachte ich raus, während ich mich an den Griffen an beiden meiner Seiten festhielt als hinge mein Leben davon ab. „Also, was hast du gemacht, weshalb du jetzt hier bist?" „Hab mich bei dem Versuch einen neuen Tanzschritt zu lernen hingelegt und jetzt ist irgendwas mit meinem Fuß falsch. Und dein Grund?" Er seufzte und das bis eben noch vorhandene Lächeln verschwand komplett. Er schien die richtigen Worte zu suchen oder es zumindest zu versuchen. „Mein bester Freund hatte einen Autounfall, war dann eine Zeit im Koma und ist jetzt vor ein paar Tagen aufgewacht" Wäre ich am Laufen gewesen wäre ich jetzt stehen geblieben. Ich wusste nicht genau was ich auf so etwas antworten sollte, immerhin war meine Geschichte um einiges harmloser und sogar ein wenig zum Aufziehen, was Chrissy sicher tun wird. Und weil ich nun mal ich war, fiel mir in dem Moment ein, woher ich ihn kannte und mit meinem Taktgefühl verkniff ich es mir nicht. „Du bist doch in dieser Band?" Er lachte, zum Glück nicht von meinem schlechten Timing beeindruckt. „Jap, All Time Low" Jetzt machte es Sinn. Chrissy hörte einfach nie auf über die zu reden. „Cool"

Wichtiger Nachtrag: es scheint als würde Wattpad es lustig finden, in manchen Kapitel Buchstaben durch komische Zeichen zu ersetzen. Wenn ihr das sehr wäre es sehr nett, wenn ihr mir das sagen könntet, damit ich es beheben kann:) Das muss ja furchtbar nervig beim lesen sein

Long Live The Reckless And The Brave (Alex Gaskarth FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt