Je länger ich mich mit Alex unterhielt, desto mehr mochte ich ihn. Er lachte über dämliche Witze, war selbst unglaublich lustig und man schien nie an Themen auszugehen, über die wir beide reden konnten. Es schien, als würden die Übergänge von selbst kommen. Während wir sprachen, fielen Chrissy und Jack in einr Unterhaltung und obwohl wir wenige Zentimeter von einander entfernt waren, kamen wir uns nicht dazwischen.
Als ich merkte, dass Alex dagegen ankämpfen musste einzuschlafen, beschloss ich, dass es für heute reichte. "Ich denke wir sollten gehen. Ruh dich noch ein bisschen aus", ich stand von meinem Stuhl auf, in dem ich viel zu lange gesessen hatte- irgendwann hatte man gar nicht mehr mitbekommen, wie unbequem er wirklich war. Alex schenkte mir nur ein müdes lächeln und nickte sanft. Chrissy tippte ich an, da die selber noch nicht mitbekommen hatte, dass wir gehen wollten. Dann griff ich meine Krücken. Ich verabschiedete mich nochmal von den beiden Jungs - wobei ich sicher war, dass Alex bereits eingeschlafen war - bevor Chrissy mir die Tür aufhielt und ich raushumpelte.
Die Tür fiel zu und sobald wir sicher waren, dass sie zwischen uns geschlossen war, ließ Chrissy ein kurzes Quietschen entfahren, bevor sie sich wieder fing und versuchte zu beruhigen. Mit dem Gedanken, es sei ein wenig gruselig, würden wir noch länger vor Alex' Raum stehen bleiben, gingen wir in die Richtung meines Zimmers. Wie lange ich es noch 'mein Zimmer' nennen durfte, wusste ich nicht, aber ich hoffte, dass es möglichst schnell jemand anderem vermacht werden würden.
In meinem Zimmer angekommen, sprang Chrissy wieder in ihr kleines Fangirlwesen. Ich legte mich in mein Bett und hörte ihr halbherzig zu. Mit meinen Gedanken blieb ich weit weg. Ich wanderte durch die letzten Stunden. Alex war voller Lebensfreude, ob es nun davon gekommen war, dass er beinahe gestorben wäre und jetzt die kleinen Momente genoss oder ob er schon immer so war, wusste ich nicht. Aber es war schön. Und ich konnte es nicht erwarten, ihn wieder zu besuchen. Vorausgesetzte er und Jack wollten uns noch einmal sehen, jetzt wo sie uns etwas besser kannten.
Chrissy beruhigte sich irgendwann und ich war froh, dass man sich wieder normal mit ihr unterhalten konnte, wenn es auch nur darüber war, was Jack alles zu ihr gesagt hatte. Alles was sie mir erzählte, brachte ein Lächeln auf meine Lippen, nicht weil ich es so interessant fand, es war einfach schön anzusehen, wie glücklich Chrissy deswegen war und ich konnte es mir nicht verkneifen, sie deswegen aufzuziehen. "Ihr scheint euch ja ziemlich nach gekommen zu sein" Meine Lippen waren zu einem spielerischem Halblächeln geformt; Chrissy rollte nur mit den Augen, auch wenn ihre geröteten Wangen sie verrieten.
Eine Stunde später kam dann eine Schwester in mein Zimmer und sagte, ich könne mich jetzt an der Anmeldung abmelden. Ich nickte und stand. Die Schwester hatte anscheinend schon erwartet, mich in meinen normalen Kleidern vorzufinden und fragte einfach, wo ich das Krankenhauskleid hingelegt hatte. "Das müsste im Bad sein", antwortete Chrissy für mich und gab mir meine Jacke. Es war um einiges schwieriger diese mit Krücken anzuziehen. Auf die Idee, mich hinzusetzten, kam ich natürlich nicht. Chrissy überprüft nochmal alle Schubladen und Schränke, damit wir auch ja nichts vergaßen und dann konnte ich mich endlich auf den Weg machen, diese Hölle zu verlassen. Am Eingang wartete eine unerwartete Überraschung: Jack stand, beide Händen in den Taschen seiner braunen Lederjacke und eine breites Grinsen auf den Lippen, vor dem Ausgang des Krankenhauses. Aus purer Faulheit schickte ich Chrissy zur Anmeldung. Mit einem gemurmelten 'Sei du mal froh, dass ich dich gern hab' schlich sie davon. Ich hingegen ging zu Jack. "Woher wusstest du, wann ich entlassen werde?" Wer brauchte schon Begrüßungen. "Ich bin halt gut" Daraufhin zog ich eine Augenbraue hoch. Selbst ich wusste er seid einer halben Stunde, dass ich jetzt gehen konnte. "Gut, vielleicht steh' ich hier auch schon seid einer Stunde" Ich lachte sanft, nicht in der Stimmung vor allen Krankenhausbesuchern loszulachen. "Und wieso genau hast du hier auf mich gewartet?" Ich drehte mich mitten im Satz nach hinten, um nach Chrissy zu sehen, sah am Ende aber schon wieder Jack an. "Weil ich bisher keine Möglichkeit habe dich oder Chrissy zu erreichen, wenn ich das wollen würde. Und ich will nicht, dass ihr uns jetzt einfach verlasst und nie mehr wiederkommt" Jetzt musst ich doch lauter lachen, als ich geplant hatte, als ich Jacks Schmollmund sah. Chrissy kam wieder. Mehr als verwirrt über Jacks Anwesenheit. Während er ihr das Selber erzählte, was auch ich schon zu hören bekommen hatte, suchte ich in meinem Handy nach Chrissys Nummer. Meine Eigene hatte ich weder eingespeichert noch konnte ich sie auswendig. Als Jack mich sah, fischte auch er sein Telefon aus seiner Hosentasche. Möglichst langsam diktierte ich ihre Nummer. Jede Ziffer wiederholte er um sicher zu gehen, dass alles richtig war. "Gut, dann schreib' ich dir später", Jack grinste von einem Ohr zum anderen, wie ein kleines Kind am Weihnachten. Ich nickte, selber am lächeln. "Ich muss jetzt los. Meine Eltern warten vermutlich schon"
Mit dem Versprechen Alex von uns zu grüßen verschwand Jack wieder in Richtung Fahrstühle. Chrissy und ich machten uns auf den Weg nach draußen, wo ihr Auto direkt vor der Tür stand. Ich kam nicht besser rein, als ich damals rausgekommen bin und Chrissy konnte nicht anders als zu lachen, was ihr einen Schlag gegen die Hüfte von mir einbrachte. Wir fuhren eine Weile lang in Stille, bis Chrissy entschied mir etwas zu erzählen: "Übringens werde ich ein wenig bei dir wohnen" Sie bog in meine Straße ein und hielt sich sogar einmal an den Schulterblick. "Deine Eltern haben beide einen Buisnisstrip. New York und London glaub' ich. Jedenfalls haben sie gesagt, ich soll auf dich aufpassen, damit du nicht umfällst oder so", sie grinste mich unschuldig an, weil sie genau wusste, dass ich sie vermutlich ein weiteres mal gestoßen hätte. Natürlich musste sie warten, bis wir vor meiner Haustür standen, um mir das zu sagen. So wie ich sie kannte, hatte sie es wirklich vergessen und es war ihr nur eingefallen, weil sie mein Haus gesehen hatte. Auch wenn ich schon ein wenig enttäuscht war. Meine Eltern hatten mich weder im Krankenhaus besucht, noch warteten sie jetzt mit Pancakes zuhause auf mich. Aber da sie schon die Hälfte meines Lebens in anderen Kontineten verbracht hatten, war es jetzt auch nicht so weltbewegend für mich wie es vielleicht für andere wäre.
Chrissy half mir aus dem Auto raus. Auch das war irgendwie nicht leichter geworden nach dem ersten Mal. Dann gingen wir rein und ich ließ mich sofort auf unser Sofa fallen. Mit der Absicht in den nächsten zwei Wochen mich nicht mehr zu erheben. "Maze Runner, Narnia, Warm Bodies oder Mitternachtszirkus?" Sie hielt alle vier DVDs hoch, wobei ihr die Hälfte fast wieder auf den Boden fiel. Ich überlegte kurz, bis ich auf Mitternachtszirkus zeigte. Sie grinste und legte ihn in den DVD Player. Der Rest des Abends wurde mit Filmen verbracht.
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Long Live The Reckless And The Brave (Alex Gaskarth FF)
FanfictionNach einem Unfall im Tanzstudio muss Leila ins Krankenhaus. Dort trifft sie Jack Barakat, der Gitarrist von All Time Low; die Lieblingsband Leilas bester Freundin, Chrissy. Alex Gaskarth war in einen Autounfall verwickelt. Nachdem Leila und Chrissy...