Plötzlich greift Maddy nach meiner Hand. Faith hat mich einfach stehen lassen und sich wieder an ihren Tisch gesetzt.
"Na, alles gut?", fragt Maddy und schaut zu mir hoch. Sie streckt mir ihr Kinn entgegen und ich beuge mich zu ihr runter, um sie zu küssen. Im Augenwinkel sehe ich, wie Faith uns beobachtet, aber als ich mich zu ihr umdrehe, guckt sie schon wieder weg.
Das ganze fuckt mich so ab.
„Wir müssen reden, Nate."
Ich richte meine Aufmerksamkeit wieder auf Maddy. Sie spitzt ihre Lippen und zieht provokant die eine Augenbraue hoch. Das macht sie immer, wenn sie wütend ist.
„Lass uns kurz rausgehen", schlägt sie vor. Ich nicke stumm und folge ihr.
Bevor wir die Cafeteria verlassen, schaue ich nochmal kurz zu Faith rüber. Unsere Blicke treffen sich für einen Moment, aber Maddy zieht mich mit sich nach draußen.Wir stehen auf dem Parkplatz vor der Schule.
„Du gehst mir aus dem Weg", sagt Maddy vorwurfsvoll.
„Was ist denn nur los mit dir?"
Fuck, ich hab keine Ahnung. Vielleicht ist es immer noch der Schock. Die Tatsache, dass Faith jetzt hier ist, macht mich irgendwie fertig.
„Nichts, babe. Nur das Spiel am Freitag. Das Team ist noch nicht so gut vorbereitet."
Den Football nehme ich oft als Ausrede, um meine Ruhe vor Maddy zu haben. Auch, wenn ich sie liebe, kann sie auf Dauer echt anstrengend sein.
„Heißt das, dass du jetzt auch mehr trainieren musst?", fragt sie genervt.
„Ja, genau das heißt es", erwidere ich kalt.
„Wieso können die nicht ohne dich trainieren?"
„Ich bin ihr Captain, sie brauchen mich."
Natürlich bin ich ihr Captain, dafür hat mein Vater gesorgt. Wenn ich es nicht geworden wäre, hätte er mich wahrscheinlich enterbt.
„Also verschieben wir das Essen auf das Wochenende, okay?"
„Okay", willige ich ein.
Sie grinst zufrieden und legt ihre dünnen Arme um meinen Oberkörper.
„Ich liebe dich, Nate."
„Ich dich auch, Maddy."
Ich beuge mich zu ihr runter und berühre mit meinen Lippen ihre. Sanft fährt ihre Zunge in meinen Mund. Ich keuche leise und ziehe sie an mich heran.
„Halt! Heb dir das fürs Wochenende auf!"
Traurig seufze ich.Ich konnte nie wirklich Liebe äußern. Ich schätze das wurde mir einfach nie beigebracht. Ich bezweifle, dass mein Dad meine Mum liebt. Und oft bezweifle ich auch, ob ich überhaupt geliebt werde. Was ist Liebe überhaupt? Ist es die rosa rote Brille, die man aufhat und die einen nur gutes sehen lässt? Dieses Gefühl kann ich auch durch Drogen hervorrufen. Oder ist es das Gefühl, jemanden zu vermissen?
Hab ich jemals Liebe empfunden? Ich sage es oft zu Maddy, aber weiß nie wirklich, was ich da eigentlich sage. Ich mache sie damit glücklich und das reicht mir.„Jacobs!", ruft eine laute Stimme. Vor mir prallt der Football aufs Feld.
„Konzentration Großer!"
Es ist Andy, der mir das zuruft. Er steht am anderen Ende des Felds und grinst blöd. Wenn ihr mich fragt: Ich konnte diesen Typen noch nie ausstehen, aber er ist nun mal in meinem Team und ein guter Captain behandelt alle gleich.
„Sag du mir nicht, was ich zu tun habe!", zische ich und hebe den Ball auf, um ihn dann mit einer hammermäßigen Geschwindigkeit auf Andy zufliegen zu lassen, sodass er ihn kaum halten kann.
Ich habe nie gesagt, dass ich ein guter Captain bin.
„Aufstellen, Jungs!", rufe ich über das Feld. Es ist bereits dunkel und nieselt leicht. Nur die hellen Scheinwerfer beleuchten das Feld.
McKay kommt als letzter angelaufen. Ich blicke zum Spielfeldrand, an dem Cassie steht und ihrem Liebhaber glücklich hinterherschaut.
„McKay! Zwanzig Liegestützen fürs Zuspätkommen!", brülle ich.
Er sieht mich verärgert an.
„Alter, wir trainieren doch nur!", protestiert er.
„Los!"
Er kniet sich hin und geht dann in die Liegestützposition über.
Ja, manchmal kann ich ein echtes Arschloch sein. Aber nur so haben die Leute Respekt vor dir.
„Laut mitzählen!", zische ich.Später in der Umkleide bleibe ich noch einen Moment lang sitzen, um zu duschen, wenn die anderen fertig sind. Ich teile mir ungern die Dusche mit mehreren Typen.
„Hey! Schaut mal!", ruft plötzlich jemand. Ich schaue neben mich und sehe Andy mit seinem Handy in der Hand.
„Das ist die neue!"
Die anderen stellen sich neben ihn und starren alle auf sein Handy.
„Verdammt!", zischt Zayn.
„Die ist echt heiß!"
Ich reiße Andy das Handy aus der Hand. Es ist ein Bild von Faiths Instagram. Sie steht im Bikini am Strand und post. Im Hintergrund glitzert das blaue Meer.
Zugegeben sieht sie auf diesem Foto echt gut aus. Sie sieht immer gut aus, sonst hätte ich sie an dem einen Abend in der Bar nicht angesprochen.
Und natürlich weiß ich auch noch wie sie nackt aussieht, aber trotzdem ist das Foto schön. Ihre braunen welligen Haare, die im Wind wehen und das herzhafte Lachen. Fröhlich kneift sie ihre Augen zusammen und ihre weißen Zähne strahlen.Andy reißt mir das Handy wieder aus der Hand.
„Ob die einen Freund hat?!", fragt er aufgeregt.
„Geht euch das überhaupt was an?", erwidere ich gereizt.
„Warum so prüde?", fragt Zayn und lacht. Er zieht sein Shirt aus und legt es in seinen Spind.
„Die würde ich sowas von, Alter!", sagt er.
„Was?", fragt Andy.
„Na was wohl?! Ich würde sie zu mir nach Hause einladen und verbotene Dinge tun, die sie nie wieder vergessen wird!"
Die beiden fangen an laut zu lachen.
Wenn ich mir vorstelle, dass diese ekligen Typen Faith anfassen, wird mir schlecht.
Zugegeben war ich früher nicht besser, aber so würde ich nie wieder über eine Frau reden, auch wenn mir das wahrscheinlich niemand glauben würde.
Für sie bin ich nur Nate Jacobs, der Frauenheld, der vor einiger Zeit eine nach der anderen hatte, bis er Maddy Perez kennenlernte.„Ich schreib ihr jetzt: Hey Faith Baby,...", fängt Andy an laut vorzulesen.
„Hör auf damit!", brülle ich.
Er zuckt erschrocken zusammen.
„Sie wird dir eh nicht antworten."
Beleidigt steckt Andy sein Handy weg.
„Das werden wir noch sehen. Wollen wir wetten, Nate? Bis zum Spiel am Freitag schaffe ich es, dass Faith mit mir ausgeht."
Selbstbewusst verschränkt er die Arme vor der Brust.
„Ach ja? Sie kennt dich doch nicht mal", kontere ich.
„Und das wird sich bald ändern."
Angewidert von Andys Arroganz kehre ich ihm den Rücken zu.
„Also Jacobs, Deal?"
Er streckt mir die Hand entgegen.
„Oder hast du Angst davor, eine Frau könnte auf mich und nicht auf dich stehen?"
Angst. Nate Jacobs empfindet keine Angst. Zumindest sagt das mein Vater immer.
Angst hat hier nichts zu suchen. Sie macht einen schwach und angreifbar.
„Bild dir nichts ein, Andy."
Ich schlage ein und starre ihm in seine dunklen Augen.
„Was bekomme ich, wenn du die Wette verlierst?"
„Ich werde nicht verlieren", antwortet er und greift nach seiner Sporttasche.
„Aber falls doch, dann darfst du mich ab sofort bei jedem Training so viele Liegestütze machen lassen wie du willst."
„Tz, das ist alles?", frage ich belustigt.
„Schön, was willst du?"
Ich überlege kurz.
„Du sagst deinem Vater, dass er sich von seiner Familie fernhalten soll, klar?"
Andy runzelt die Stirn. Was ich noch nicht erwähnt habe: Andys Familie wohnt in dem Haus gegenüber und sein Vater macht meine Mutter an. An sich ist mir das egal, aber mein Vater fängt an, es mitzubekommen. Anstatt etwas dagegen zu tun, fängt er an zu trinken und wird aggressiv. Das hingegen stört mich, weil ich mir dann immer seine Anekdoten aus seiner Jugend anhören muss, nach dem Prinzip: Früher war alles besser.
„Ich weiß nicht wovon du sprichst, Nate."
„Das musst du auch nicht. Sag es ihm einfach."
Ich schnappe mir mein Handtuch und laufe in Richtung Dusche.
McKay steht schon umgezogen an seinem Spind.
„Soll ich auf dich warten?", fragt er.
„Ist schon okay, bis morgen."
„Bis morgen, Bro."Als ich das Schulgelände verlasse, ist es schon 20 Uhr und ich habe 3 verpasste Anrufe von Maddy und eine SMS: „Ich hab Streit mit meinen Eltern. Ruf mich an!"
Nein, das kann ich mir jetzt echt nicht geben. Der Tag war lang genug.
Ich steige in mein Auto, aber bevor ich losfahre, öffne ich Instagram auf meinem Handy und suche nach Faiths Profil. Ich will ihr nicht folgen, eigentlich habe ich auch gar kein Interesse an ihrem Leben, aber dennoch muss ich lächeln, als ich ihr Profil sehe. Ihre Bilder sind nicht wirklich professionell, aber sie sind authentisch und zeigen jede Seite von ihr. Auf einem Bild sitzt sie als kleines Kind auf einem Pferd und lacht.
Auf dem anderen steht sie in ihrem Cheerleaderkostüm neben ihren Freundinnen und lacht ebenfalls.
Zusammenfassend kann ich sagen: Faiths Leben scheint gut zu sein. Sie lacht auf jedem Foto. Aber das kann nicht sein. Kein Leben ist so perfekt und das Internet lügt. Außerdem merkte ich Faith schon damals an, dass irgendwas nicht stimmt. Niemand tanzt einfach so betrunken auf dem Tresen einer Bar.
Damals hat es mich nicht interessiert. Und heute tut es das auch nicht.
Schnell verlasse ich Instagram und lege mein Handy auf den Beifahrersitz.
Ich weiß echt nicht, wieso ich mich überhaupt für ihr Leben interessiere. Sie ist nur ein normales Mädchen aus Beverly Hills. Mehr nicht.
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Euphoria - Nate & Faith
Novela Juvenil✨Dies ist eine Fanfiction, in der die Charaktere von der Serie Euphoria vorkommen. Achtung: Es können Spoiler auftreten.✨ Faith zieht aus Beverly Hills in einen langweiligen Vorort, wo sie Jules kennenlernt. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut...