Ich halte vor dem Haus der Jacobs Familie und schalte den Motor aus.
Im Haus scheint Licht. Für ein paar Minuten bleibe ich im Auto sitzen und starre das Haus bloß an. Ich frage mich, was mich erwarten wird.
Nates Eltern sind nicht zu Hause, zum Glück. Je weniger Leute von uns wissen, desto besser.Nachdem ich ausgestiegen bin, laufe ich langsam die Verandastufen nach oben zur Haustür und klingel.
Es dauert ein paar Sekunden, bis Nate die Tür öffnet. Seine Haare sehen frisch gewaschen aus und er trägt ein Shirt und eine Jogginghose.
"Komm rein", sagt er. Ich trete in das Haus hinein. Die Einrichtung ist so, wie ich sie erwartet hatte. Modern und schlicht.
"Willst du etwas trinken?"
"Ja, ein Glas Wasser, bitte."
Nate verschwindet kurz in der Küche, während ich das Haus erkunde.
Ich schaue mir die Familienfotos an, als er mit meinem Glas Wasser wiederkommt.
"Wir sehen nur so glücklich aus. Der Schein trügt", sagt er.
"Was?"
"Meine Familie ist ziemlich...abgefuckt."
"Naja, meine auch."
"Nicht so wie meine, glaub mir."Ich folge ihm ins Wohnzimmer und wir setzen uns auf das Sofa.
"Ein schönes Haus", sage ich.
"Danke."
Nate wirkt irgendwie nervös, was mich auch nervös macht. Heute früh haben wir noch in einer Abstellkammer rumgemacht und jetzt sitzen wir hier und schweigen uns an.
"Stimmt irgendwas nicht?", frage ich.
"Hm? Achso...nein, alles gut."
"Mir kannst du nichts vormachen, Nate."
Er seufzt.
"Ich fühle mich einfach schlecht. Maddy gegenüber."
Nun, meine Stimmung ist nun auch im Keller.
"Ich kann ihr nicht mehr in die Augen blicken, weil ich solche Schuldgefühle habe. Ich will nicht mal mehr Zeit mit ihr verbringen."
Verzweifelt fährt er sich mit der Hand durch seine Haare.
"Willst du es beenden?", frage ich.
"Das hier, zwischen uns."
Er schüttelt heftig den Kopf und rückt näher an mich heran.
"Nein, das will ich nicht. Niemals."
Er küsst sanft meinen Hals, was mich zum lächeln bringt.
"Ich glaube ich habe mich in dich verliebt, Faith."
Mein Herz macht einen Satz.
"Du glaubst?", frage ich und kicher.
"Nein, ich weiß es."
Er küsst mich auf den Mund. Ich muss so stark grinsen, dass ich meine Lippen kaum spitzen kann.
"Hör auf!", rufe ich und lache laut.
"Womit? Damit?"
Er bedeckt meinen Hals mit Küssen.
"Das kitzelt!", rufe ich lachend.
Wir fangen an zu ringen und ich fasse ihn bei den Handgelenken. Er dreht sich auf den Rücken und ich setze mich rittlings auf ihn.
"Du bist ganz schön stark für deine Größe", sagt er.
Ich lache.
Dann beuge ich mich zu ihm runter und wir küssen uns erneut. Diesmal liebevoll.
Plötzlich spüre ich eine Beule unter mir. Sie befindet sich in Nates Unterhose und ist eine ganz normale Reaktion darauf, was wir hier tun.
Mit seiner Hand fährt er an den Bund seiner Jogginghose und will sie öffnen.
"Nein, nicht", sage ich und halte seine Hand fest.
"Soweit bin ich noch nicht", sage ich und senke den Blick.
Auch, wenn wir schon oft Sex hatten, soll unser erstes richtiges Mal was besonderes sein. Wir sollten zusammen sein und keine Affäre führen.
Nates Hand berührt meine Wange. Er lächelt.
"Kein Problem", sagt er leise. Ich lasse mich neben ihm aufs Sofa fallen.
"Hast du Hunger? Ich könnte etwas kochen."
Ich nicke. Mir knurrt wirklich der Magen.Nate verschwindet in der Küche und ich schaue mich etwas im Haus um.
"Eure Einrichtung ist wirklich toll!", rufe ich. Im Ernst. Ein so modernes Haus habe ich lange nicht mehr gesehen.
"Sieht dein Zimmer auch so aus?"
Ich betrete die Küche. Es riecht bereits jetzt herrlich nach Nudeln mit Tomatensoße.
Nate hat sich eine Schürze angezogen.
"Wow, hast du Angst, dass du dreckig wirst?", frage ich und ziehe die Augenbrauen hoch.
"Das Shirt ist von Calvin Klein."
"Na und? Man kann es waschen."
"Da zieh ich lieber ne Schürze an."
Ich lache laut auf.
"Du bist ganz schön eitel."
"Ich achte halt auf mein Äußeres", erwidert er.
Ich lege mein Handy auf die Küchentheke.
"Wo ist euer Bad?"
"Vorne rechts."Ich schließe die Tür hinter mir, atme kurz durch. Es fühlt sich so an, als würde ich einfach ein normales Mädchen sein, das ihren Freund besucht. Aber das bin ich nicht.
Nate ist nicht mein Freund und ich bin auch kein normales Mädchen.
Niemand hier ist normal.Nachdem ich auf der Toilette war, wache ich mir die Hände und verlasse das Bad.
"Sogar euer Seifenspender sieht edel aus. Im Ernst ich traue mich kaum hier etwas anzufassen", sage ich.
Nate antwortet nicht.
"Nate?"
Ich betrete die Küche. Er steht vor dem Herd mit meinem Handy in der Hand.
"Was machst du da?", frage ich.
"Maddy hat dir geschrieben. Sie fragt, ob du nach dem morgigen Training noch Zeit hast."
Seine Stimme klingt zynisch und einschüchternd.
Er weiß es also. Er hat es herausgefunden, bevor ich es ihm sagen konnte.
"Du bist jetzt also Cheerleader?"
"Es ist nicht so wie du denkst. Sie brauchten Ersatz und..."
"Wann wolltest du es mir sagen?", unterbricht er mich aufgebracht.
"Heute. Gleich."
Er starrt mich bloß an.
"Wieso gehst du überhaupt an mein Handy?!"
"Es lag dort und hat vibriert. Ich wollte nur kurz raufschauen und hab dann gesehen, dass die Nachricht von Maddy ist. Maddy, meiner Freundin, falls du dich noch erinnerst!"
Autsch.
Ich beiße mir auf die Unterlippe.
"Wie stellst du dir das vor? Ihr in einem Team, Maddy und ich in einer Beziehung und wir beide..."
Er stoppt mitten im Satz und schaut mich nur ratlos an.
"Ja? Wir beide? Was sind wir beide überhaupt? Wie lange willst du Maddy noch vorlügen, dass du sie liebst?!"
Ich reiße ihm mein Handy aus der Hand und stürme in den Flur.
Nate kommt mir hinterher.
"Ich...weiß nicht. Geh jetzt nicht, Faith."
"Wieso sollte ich hier bleiben? Nachdem du mich so angebrüllt hast?"
Ich schlüpfe in meine Schuhe und werfe mir meine Jacke über.
"Du bist toxisch, Nate. Das hier zwischen uns ist toxisch. Wir sollten uns nichts vormachen."
Ich merke kaum, dass mir Tränen über die Wangen kullern.
Nate sagt nichts. Er steht bloß da und starrt auf den Boden.
Also mache ich die Tür auf und gehe.
Er hält mich nicht auf.
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Euphoria - Nate & Faith
Teen Fiction✨Dies ist eine Fanfiction, in der die Charaktere von der Serie Euphoria vorkommen. Achtung: Es können Spoiler auftreten.✨ Faith zieht aus Beverly Hills in einen langweiligen Vorort, wo sie Jules kennenlernt. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut...