Kapitel 14 - Faith

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Müde öffne ich die Augen. Die Sonne scheint auf mein Gesicht und wärmt es. Habe ich etwa gestern Abend vergessen, die Vorhänge zuzumachen? Ich runzle die Stirn und öffne dann leicht die Augen.
Erst jetzt merke ich, dass die Sonne nicht das einzige ist, was mich wärmt. Ich lehne an einem Körper. An einem nackten Körper.
Oh mein Gott. Ist das gestern wirklich passiert? Ich hebe panisch die Bettdecke. Wir sind beide nackt. Scheiße.
"Nate?", frage ich leise. Er schläft noch tief und fest.
Ich drehe mich um und erstarre, als ich die Uhrzeit sehe, die mein Wecker anzeigt. Es ist halb 9. Der Unterricht hat vor 30 Minuten angefangen.
"Scheiße!", fluche ich und springe aus dem Bett. Nate wacht mit einem Zucken auf und streckt sich.
"Was ist los?", fragt er leise.
"Du hast hier geschlafen!", zische ich und hole mir frische Unterwäsche aus meinem Schrank.
"Weil du es wolltest", antwortet er und setzt sich an die Bettkante.
"Ich dachte du gehst, nachdem ich eingeschlafen bin!"
Ich schlüpfe in meine Jeans und stolpere nebenbei durchs Zimmer.
"Außerdem hat keiner von uns an einen Wecker gedacht! Wir sind viel zu spät. Wir beide. Weißt du wie auffällig das ist?"
Ich kämme mir schnell die Haare durch und drehe mich dann wieder um. Ich habe kaum bemerkt, dass Nate nun vor mir steht. Er ist immer noch nackt und lächelt amüsiert.
"Du findest das lustig?", frage ich und runzle die Stirn.
"Etwas", antwortet er. Er legt seine Hände an meine Taille und zieht mich an sich heran.
"Wenn wir jetzt eh schon zu spät sind...wie wäre es, wenn..."
Er schaut zu meinem Bett herüber und zwinkert.
"Auf keinen Fall! Meine Eltern sind bestimmt unten und hören alles. Apropos...wieso haben sie mich nicht geweckt?!"
Ich löse mich aus Nates Griff, auch wenn ich es eigentlich nicht will und laufe rüber zu meiner Zimmertür. Dann öffne ich sie für einen Spalt.
"Ich höre keine Stimmen...", sage ich leise.
Dann greife ich nach meinem Handy, welches auf der Kommode liegt und lese mir die Nachricht von Mum durch:

"Hallo Schatz,

Loraine und Phil haben uns angeboten bei ihnen zu übernachten. Wir kommen also erst mittags wieder zu Hause an."

Erleichtert atme ich aus.

"Sie sind also nicht da?", fragt Nate.
"Nein, zum Glück nicht..."
Ich ziehe mir den Pullover an, der über dem Stuhl hing, als Nate mich aufhält.
"Also haben wir das ganze Haus für uns?"
Er legt den Pullover wieder weg und nimmt mein Gesicht in seine Hände.
"Ja, aber wir müssen zur Schule und..."
"Pscht!"
Er legt seinen Finger auf meine Lippen, so wie er es gestern auch getan hat und sofort tauchen wieder alle Erinnerungen vor meinen Augen auf.
"Eine weitere halbe Stunde wird schon nicht so schlimm sein", sagt er und öffnet mit seinen Fingern meinen BH.
Automatisch muss ich anfangen zu lächeln.
"Du bist echt unmöglich", scherze ich.
"Du doch auch."
Wir küssen uns. Erst nur so und dann leidenschaftlich mit Zunge. Es ist erschreckend wie gut es sich anfühlt, wenn er mich küsst. Es fühlt sich so vertraut an und ich möchte nicht, dass er jemals damit aufhört.
Wir legen uns ins Bett und diesmal ist es nicht so stürmisch wie gestern. Diesmal küssen wir uns lange und berühren uns zärtlich.
Nate zieht mir die Jeans wieder aus und wirft sie auf den Boden.
Denn streift er meinen Slip zur Seite und fährt mit zwei Fingern in mich hinein. Ich schließe lustvoll die Augen und stöhne auf, während er meinen Hals küsst.
"Oh Nate", hauche ich, während er seine Finger in mir bewegt.
"Komm für mich Baby", raunt er. Sofort bekomme ich Gänsehaut. Wenige Minuten später zieht sich alles in mir zusammen und ich schreie laut auf.
Seine Finger in mir fühlen sich nun noch intensiver an. Ich wölbe den Rücken durch. Meine Beine zittern unkontrolliert. Ich hole tief Luft. Mit meinen Fingernägeln kralle ich mich an das Bettlaken.
"Du bist so schön", flüstert Nate und zieht seine Finger aus mir heraus.
Ich spüre wie ich rot werde.

Nachdem wir duschen waren und uns angezogen haben, frühstücken wir noch schnell etwas und machen uns dann auf den Weg.
"Also du fährst mit deinem Auto und ich mit meinem. Du fährst etwas langsamer als ich, damit du auch nach mir ankommst, okay?"
Nate nickt bloß.
"Darf ich dich nochmal küssen, bevor wir uns heute den ganzen Tag ignorieren müssen?"
Diesmal nicke ich.
Er beugt sich zu mir runter und wir küssen uns. Wieso muss das nur so verdammt kompliziert sein?

Wie geplant komme ich vor Nate an und stürme den langen Flur runter bis zu dem Raum, in dem wir Unterricht haben.
Gerade als ich anklopfen will, geht die Tür von selbst auf und alle kommen tratschend heraus. Toll, ich bin pünktlich zur Pause gekommen.
Auch Cassie, Lexi und Kat kommen mir entgegen. Sie wirken so in ihr Gespräch vertieft, dass sie mich kaum bemerken.
"Hey, ich habe verschlafen und dann war der noch der Stau. Ein echter Alptraum! Habe ich was verpasst?", frage ich abgehetzt.
"Nein, nicht wirklich. Wir diskutieren gerade darüber, ob High Waist Hosen noch in sind. Was denkst du, Faith?", fragt Lexi.
"Ähm..."
"Also ich finde es gut, dass es sie gibt! Vor allem für curvy Girls wie mich ist es einfach bequemer", unterbricht mich Kat.
Schweigend folge ich den dreien auf das Mädchenklo, wo Jules und Rue am Waschbecken stehen und sich ebenfalls unterhalten.
Erst jetzt fällt mir auf wie dringend ich auf die Toilette muss.
Schnell verschwinde ich in der einen Kabine und zucke zusammen, als ich Schmerzen beim pinkeln habe. Außerdem kommt nicht wirklich viel raus.
"Scheiße", murmle ich, als ich fertig bin und mir die Hände wasche.
"Was ist?", fragt Jules.
"Ich glaube ich habe eine Blasenentzündung", erwidere ich.
"Aha!", ruft Cassie plötzlich.
"Die hatte ich auch letztens, weil ich nach dem Sex nicht auf Klo war. Hattest du etwa Sex, Faith?"
Nun sind alle Augen auf mich gerichtet.
"Was? Nein...", antworte ich und lache nervös.
"Oh doch! Du wirst ja rot!", ruft Kat. Scheiße.
"Wer ist denn der Glückliche?", fragt Cassie.
Hilfesuchend schaue ich zu Jules, die nur mit den Schultern zuckt.
"Ähm, ihr kennt ihn nicht. Er geht nicht auf die Schule."
"Woher kennst du ihn dann?"
"Das ist eine lange Geschichte, ich..."
In dem Moment werden wir unterbrochen, weil die Tür zum Mädchenklo schwungvoll aufgeht und Maddy hinein stolziert.
"Machen wir etwa ne Kloparty von der ich nichts weiß?", fragt sie.
Sie drängt sich zwischen Jules und mir ans Waschbecken und schminkt ihre Lippen nach.
"Hey Maddy, Faith hat eine Blasenentzündung, nachdem sie dumm genug war, nach dem Sex nicht auf die Toilette zu gehen. Hast du noch diese Tabletten?", fragt Cassie.
Ich beiße mir auf die Unterlippe.
Wie tief kann man eigentlich in der Scheiße stecken?
Maddy steckt ihren Lipgloss wieder ein und mustert mich dann von der Seite.
"Du hattest Sex?", fragt sie, als wäre das so schockierend.
"Ja, ein alter Bekannter", antworte ich nervös. Sie nickt bloß und reicht mir dann eine Tablettenschachtel.
"Eine Morgens und eine Abends", murmelt sie dann und entfernt sich wieder vom Waschbecken.
Bevor sie das Mädchenklo wieder verlässt dreht sie sich nochmal um.
"Hoffentlich haben sich die Schmerzen für den Typen gelohnt", sagt sie und starrt mir tief in die Augen, als würde sie meine Gedanken lesen.

Euphoria - Nate & FaithWo Geschichten leben. Entdecke jetzt